Huawei legt seinen Zeitplan für die nächste Generation von KI-Chips offen und macht damit deutlich, wie ernst der chinesische Konzern den Wettbewerb mit Nvidia meint. Der rotierende Verwaltungsratschef David Wang kündigte bei einer Firmenveranstaltung in Shanghai zwei neue Halbleiter an: den 960DT für das erste Quartal 2027 und den Ascend 960PR für das dritte Quartal desselben Jahres.
Vernetzung statt Einzelleistung
Huawei setzt nicht nur auf schnellere Einzelchips. Der Konzern verbindet stattdessen große Mengen an Prozessoren zu einem gemeinsamen System — nötig, weil viele KI-Anwendungen mehr Rechenleistung brauchen, als ein einzelner Chip liefern kann. Zentral dafür ist die UnifiedBus-Technologie, die den Datenaustausch zwischen den Chips beschleunigen soll.
Nach Angaben von Wang hat Huawei bereits elf Halbleiter auf dieser Basis entwickelt. Die größten sogenannten Supercluster sollen bis zu eine Million KI-Prozessoren miteinander verbinden können. Kleinere Systeme, sogenannte Supernodes, sind demnach bereits im Einsatz — mehr als 1.000 Stück wurden an über 370 Kunden ausgeliefert.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der US-Exportkontrollen chinesischen Unternehmen den Zugang zu modernen Chips und Fertigungsanlagen erschweren. Das erhöht den Druck, eigene Alternativen zu entwickeln — größere Verbünde heimischer Prozessoren könnten fehlende Einzelleistung zumindest teilweise kompensieren, sofern die Kommunikation zwischen den Chips schnell genug funktioniert.
Abstand bleibt groß
Trotz der Ambitionen bleibt die Lücke zu Nvidia erheblich. Der US-Konzern verfügt über eine etablierte Hardware- und Softwareplattform mit einer breiten Entwicklergemeinschaft. Huaweis eigenes Ökosystem zählt nach Angaben von Wang aktuell 5.270 monatlich aktive Entwickler — eine Zahl, die den Größenunterschied zur Nvidia-Community verdeutlicht.
Auch andere chinesische Anbieter wie Moore Threads Technology positionieren sich derzeit verstärkt als Alternative für heimische KI-Rechenlast, etwa über Kooperationen zum Aufbau großer GPU-Cluster. Das unterstreicht, dass China auf mehreren Ebenen an eigenen Lösungen arbeitet.
Für Nvidia selbst ändert der Fahrplan aus Shanghai zunächst wenig am operativen Geschäft. Der eigentliche Test kommt erst 2027, wenn die neuen Huawei-Chips tatsächlich am Markt verfügbar sind und sich zeigt, ob die versprochene Vernetzung von bis zu einer Million Prozessoren in der Praxis mit Nvidias etablierter Plattform mithalten kann.
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