Jensen Huang war am Donnerstag gleich doppelt gefordert: Als Verkaufsversprecher und als politischer Mahner in eigener Sache. Bei einem Treffen mit König Charles III. auf dessen schottischem Landsitz Dumfries House kündigte der Nvidia-Chef an, die Chipverkäufe des Unternehmens würden sich im kommenden Jahr gegenüber dem laufenden Jahr verdoppeln – getrieben von der Ausbreitung künstlicher Intelligenz über immer mehr Branchen hinweg. Zugleich stellte er sich gegen Forderungen nach schärferer KI-Regulierung.
Doppelte Verkäufe, siebzig Prozent Wachstum
Huangs Ansage bezieht sich auf die Stückzahl der verkauften Chips, nicht direkt auf den Umsatz. Nvidia rechnet für das Geschäftsjahr bis Januar 2028 mit einem Umsatz von rund 673 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Konkrete Gesamtstückzahlen nannte das Unternehmen nicht – zur Einordnung: Im Herbst 2025 hatte Nvidia binnen vier Quartalen sechs Millionen Blackwell-GPUs ausgeliefert. Huang begründete seinen Optimismus mit der zunehmenden Durchdringung von KI in verschiedenen Industrien. Die Aktie reagierte auf die Aussagen mit einem Kursplus von rund zwei Prozent.
Der Auftritt in Schottland hatte neben der Wachstumsprognose eine zweite, politisch heiklere Dimension. König Charles warnte die versammelten KI-Größen – neben Huang saßen unter anderem Google-DeepMind-Chair Demis Hassabis und Vertreter von OpenAI und Anthropic am Tisch – vor „existenzbedrohenden Gefahren“, sollte KI-Technologie in falsche Hände geraten.
Huang hielt dagegen: Man solle das Produkt regulieren, nicht die zugrundeliegende Technologie. KI unterscheide sich fundamental von sozialen Medien, deshalb tauge deren Regulierungsmodell nicht als Vorlage. Eine formelle Vereinbarung kam bei dem Treffen nicht zustande.
Bewertung bleibt Diskussionspunkt
Die Wachstumsversprechen treffen auf eine Aktie, die zuletzt schon kräftig gelaufen ist. Nvidia notiert nach dem gestrigen Schlusskurs von 191,16 Euro rund 5,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das erst Mitte Mai markiert wurde. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 170,86 Euro liegt bei zwölf Prozent – ein Zeichen, dass der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleibt, auch wenn die Aktie zuletzt Federn gelassen hat.
Die Schweizer Großbank UBS sieht trotz der ohnehin schon gewaltigen Marktkapitalisierung noch Luft nach oben: Ihr Modell unterstellt bis 2029/2030 einen Margenrückgang von rund 800 Basispunkten sowie ein Umsatzwachstum von nur etwa drei Prozent pro Jahr – und selbst unter diesen konservativen Annahmen komme Nvidia auf eine Kapitalrendite (CFROI) von 86 Prozent.
Als Risiko benennt die Bank die aufkommende Konkurrenz durch Huaweis Ascend-Chips sowie die wachsende Zahl an Cloud-Anbietern, die eigene Chips entwickeln.
Konkurrenzdruck aus China wächst
Genau dieser Konkurrenzdruck nimmt zu. Huawei hat auf seiner Hausmesse in Shanghai den Ascend 960DT vorgestellt.
Der neue Chip soll doppelte Leistung gegenüber dem Vorgänger bieten.
Weitere Generationen, Ascend 970 und 980, sind für 2028 und 2029 angekündigt. Die Ankündigung fällt zeitlich in die Woche vor dem für den 24. September geplanten Treffen zwischen den Präsidenten Trump und Xi in Washington.
Für Nvidia-Anleger bleibt das Bild damit zweigeteilt: Auf der einen Seite die von Huang selbst befeuerte Erwartung einer weiteren Verdopplung der Geschäftsdynamik, auf der anderen Seite eine politische Debatte über Regulierung und ein chinesischer Wettbewerber, der mit eigenem Fahrplan aufholt.
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