Jensen Huang hat einen neuen Wachstumsmarkt ausgerufen. Auf der Goldman-Sachs-Technologiekonferenz in San Francisco nannte der Nvidia-Chef Cybersicherheit als nächsten großen Anwendungsfall für künstliche Intelligenz — direkt nach Coding, das laut Huang bereits als früher KI-Erfolgsfall gilt. Die Aktie reagierte darauf allerdings nicht mit Kursgewinnen, sondern gab an der Nasdaq um 2,26 Prozent auf 218,36 US-Dollar nach.
Ein Ökosystem statt nur Chips
Huangs Auftritt fügt sich in eine Serie von Schritten, mit denen Nvidia sein Geschäft über reine Grafikprozessoren hinaus ausweitet. Anfang September stellte der Konzern gemeinsam mit CrowdStrike das agentische System SafeMind vor, das auf Nvidias offenen Nemotron-Modellen basiert. Nach internen Auswertungen von CrowdStrike habe das Modell höhere Genauigkeitsraten als führende Konkurrenzmodelle erzielt, bei deutlich geringeren Kosten.
Kurz darauf kündigte Nvidia die Übernahme der KI-Plattform Hugging Face für rund 12,93 Milliarden Dollar an. Die Plattform zählt nach eigenen Angaben mehr als 18 Millionen Entwickler und Forscher als Nutzer. Huang verteidigte zudem die wachsende Zahl an Beteiligungen und Partnerschaften des Konzerns gegen den Vorwurf zirkulärer Geschäfte: Er investiere nur dort, wo bereits nachweisbare Kundennachfrage bestehe.
Analysten bleiben bullish, Burry wettet dagegen
Trotz der jüngsten Kursschwäche bleibt das Analystenbild eindeutig positiv. Von 30 erfassten Häusern vergeben ausnahmslos alle eine Kaufempfehlung, das mittlere Kursziel liegt bei 324,3 US-Dollar, die Spanne reicht von 275 bis 465 Dollar.
Goldman-Sachs-Analyst James Schneider bestätigte sein Buy-Rating mit Kursziel 300 Dollar und verwies auf ein aus Konzernsicht adressierbares KI-Marktvolumen von 3 bis 4 Billionen Dollar bis 2030. UBS und Citi hoben ihre Kursziele zuletzt ebenfalls an, auf 300 beziehungsweise 315 Dollar.
Nicht alle Marktteilnehmer teilen diesen Optimismus. Michael Burry, bekannt für seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise, hat laut eigenen Angaben im September Risiko abgebaut und hält nun Put-Optionen auf Nvidia mit Laufzeit bis Dezember 2026. Die Stimmung unter Privatanlegern gegenüber der Aktie hat sich zuletzt von neutral in den pessimistischen Bereich verschoben — ein Kontrast zur geschlossenen Kaufempfehlung der Analystenhäuser.
Management-seitig bekräftigte Nvidia unterdessen die Prognose von rund 70 Prozent Umsatzwachstum für das Kalenderjahr 2027, gebremst allerdings durch Lieferengpässe bei Advanced Packaging, Wafern und Speicherchips. Als nächster Fixpunkt gilt der vorläufig angesetzte Zahlentermin am 25. November — er dürfte zeigen, ob sich die Cybersicherheits-Strategie neben dem Kerngeschäft mit KI-Rechenzentren als eigenständiges Standbein etabliert.
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