Während Nvidia in den vergangenen Jahren fast senkrecht nach oben lief, tut sich die Aktie 2026 schwer. Der Kurs bewegt sich seitwärts, die Gewinne wachsen aber unverändert weiter. Das Ergebnis: Das Bewertungsniveau ist auf den tiefsten Stand seit 2019 gefallen — ausgerechnet in einer Phase, in der Citi den Chipkonzern weiterhin als bevorzugten Kauf unter den großen Data-Center-Halbleiterwerten einstuft.
Multiple-Kompression statt operativer Schwäche
Der Grund für das niedrigere Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt nicht im operativen Geschäft. Die Blackwell-Architektur und das CUDA-Software-Ökosystem treiben die Nachfrage weiter an, Nvidia verkauft längst komplette KI-Infrastrukturplattformen statt einzelner Chips. Die Skepsis der Anleger richtet sich stattdessen auf zwei Fragen: Bremsen Hyperscaler wie Amazon, Microsoft oder Google irgendwann ihre Investitionen, und gewinnen Wettbewerber wie AMD oder Broadcom mit eigenen Beschleunigern Marktanteile?
Nach Gesprächen mit dem Investor-Relations-Team von Nvidia bestätigte Citi kürzlich, dass der Rubin-Ultra-Fahrplan vollständig intakt bleibt und die auf der Computex vorgestellte NVLink-Architektur unverändert steht. Co-Packaged Optics für Scale-out-Netzwerke laufen demnach bereits mit Spectrum-X in Produktion, ab der Feynman-Plattform im Jahr 2028 sollen Kunden zwischen NVLink-Implementierungen mit optischen oder Kupfer-Verbindungen wählen können. Nvidia bekräftigte zudem das Ziel, in diesem Jahr die Hälfte des Cashflows an Aktionäre zurückzugeben, mit Spielraum für steigende Rückkäufe. Eine kürzlich platzierte Anleihe über 25 Milliarden Dollar soll dabei zusätzliche finanzielle Flexibilität schaffen.
Nachfrage verbreitert sich über Hyperscaler hinaus
Nach Unternehmensangaben gewinnen neben den großen Cloud-Anbietern zunehmend KI-Labore, staatliche Kunden und Unternehmen mit eigenen Rechenzentren an Bedeutung für die Nachfrage — ein Trend, der mit der Verbreitung physischer KI zusammenhängt. Ein aktuelles Beispiel liefert ein gemeinsamer Test von Yaskawa Electric und SoftBank: Ein Industrieroboter, kombiniert mit einer auf Nvidia-Infrastruktur laufenden Cloud-Plattform, konnte demnach erfolgreich auch schwer greifbare, verformbare Materialien wie Kabelbäume handhaben.
Wie nervös der Markt rund um KI-Zulieferer insgesamt reagiert, zeigte sich zuletzt bei SK Hynix. Der Speicherchip-Hersteller, der für Nvidias KI-Prozessoren eine Schlüsselrolle als Lieferant von Hochleistungsspeichern spielt, ging mit einem Emissionsvolumen von 26,5 Milliarden Dollar an die Nasdaq — dem bislang größten IPO eines ausländischen Unternehmens in den USA. Die Aktie legte dort zeitweise deutlich zu, während in Korea parallel Gewinnmitnahmen den Leitindex Kospi zeitweise um fast neun Prozent einbrechen ließen. Skepsis gegenüber der Speicherchip-Rally äußert sich auch in einer Short-Position von Investor Michael Burry gegen Micron, die er Anfang Juli eröffnet hat.
Für Nvidia selbst bleibt die Botschaft an Investoren unverändert: Der Fahrplan steht, die Bruttomarge soll im mittleren Siebziger-Prozentbereich bleiben, und die Kapitalrückgabe an Aktionäre soll mit steigenden Rückkäufen fortgesetzt werden. Ob die aktuelle Bewertungsberuhigung zur Basis für die nächste Aufwärtsbewegung wird, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen entscheiden — daran, ob das Gewinnwachstum die gesunkene Bewertung rechtfertigt.
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