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Nvidia Aktie: Countdown zum Bubble-Test

Der Chipkonzern legt am 26. August seine Quartalszahlen vor. Anleger hoffen auf nachhaltige Nachfrage, während Kritiker eine Kreditblase befürchten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Quartalsbericht am 26. August entscheidend
  • Sorge vor zirkulärer Finanzierung wächst
  • Kurs nahe 200-Tage-Durchschnitt
  • Kreditmarkt signalisiert steigende Risiken

Nvidia hat einen Termin gesetzt, der über Wohl und Wehe der KI-Rally entscheiden könnte. Am 26. August legt der Chipkonzern seine Zahlen für das zweite Quartal des Fiskaljahres 2027 vor. Bis dahin bleibt die Aktie ein Nervenkissen für Anleger.

Ausgangslage: Warten auf das August-Urteil

Der Kurs schloss am Mittwoch bei 166,16 Euro, ein Tagesverlust von 4,08 Prozent. Damit steht Nvidia mitten in einem Sektor, der uneinheitlicher kaum sein könnte. Microsoft feierte ein „Home Run“-Quartal mit 43 Prozent Wachstum bei Azure, Samsung steigerte den operativen Gewinn um über 1.800 Prozent. Meta dagegen sah seinen freien Cashflow um 91 Prozent einbrechen, weil die KI-Infrastruktur immer mehr Geld frisst.

Für Nvidia-Anleger wird der 26. August damit zum Prüfstein. Er soll zeigen, ob die gewaltigen Investitionen der Großkunden tatsächlich nachhaltige Nachfrage erzeugen. Oder ob der Markt sich einem Sättigungspunkt nähert.

Die entscheidende Frage: Echtes Wachstum oder Kreditblase?

Im Zentrum steht ein Verdacht, den Kritiker „zirkuläre Finanzierung“ nennen. Nvidia investiert in Partner wie OpenAI oder CoreWeave und leiht ihnen Geld — Geld, das diese wiederum nutzen, um Nvidia-Chips zu kaufen. Ein Kreislauf, der wie Wachstum aussieht, aber möglicherweise nur Schulden verschiebt.

Der Markt wird am 26. August nach Beweisen suchen. Stehen hinter den gemeldeten Lieferverpflichtungen von 119 Milliarden Euro tatsächlich zahlungsfähige Endkunden? Oder finanziert Nvidia am Ende die eigene Nachfrage selbst?

Bull-Szenario: Hyperscaler halten die Nachfrage hoch

Für eine Erholung spricht die schiere Investitionswucht der großen Cloud-Anbieter. Microsoft rechnet für das kommende Quartal sogar mit einer Beschleunigung des Azure-Wachstums auf 45 Prozent — ein Hinweis darauf, dass die KI-Nachfrage die verfügbaren Kapazitäten weiterhin übersteigt. Auch der Chipausrüster Lam Research übertraf seine Umsatzprognose deutlich, um rund eine Milliarde Euro über den Analystenschätzungen.

Charttechnisch gibt es ebenfalls Argumente für die Bullen. Der Analysten-Konsens sieht ein Kursziel von 265,92 Euro, was einem Potenzial von 60 Prozent entspräche. Der 14-Tage-RSI liegt bei 37,8 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Besonders auffällig: Der aktuelle Kurs von 166,16 Euro liegt praktisch exakt auf dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,29 Euro — eine Marke, die in der Vergangenheit oft als Unterstützung für langfristig orientierte Investoren fungierte.

Bär-Szenario: Steigende Kreditkosten und Blasenwarnungen

Die Gegenposition speist sich aus dem Kreditmarkt und prominenten Warnern wie Michael Burry und Mark Cuban, die Parallelen zur Dotcom-Blase ziehen. Die Kosten zur Absicherung von Nvidias Schulden sind explodiert: Fünfjährige Credit Default Swaps erreichten mit 82 Basispunkten einen Rekordwert, seit Anfang Juli praktisch eine Verdopplung. Kreditmärkte preisen damit deutlich höhere Risiken ein, als es der Aktienkurs derzeit widerspiegelt.

Mehrere Faktoren könnten diese These bestätigen. Metas jüngste Zahlen zeigten das Dilemma der „Ausgabenwut“: Der Umsatz wuchs, doch der freie Cashflow brach unter der Last der KI-Investitionen ein. Sollten Nvidias Kunden den Return on Investment nicht belegen können, drohen sie ihre Bestellungen irgendwann zurückzufahren.

Hinzu kommt die Stimmungslage am Markt. Burry soll seine Shortpositionen ausgebaut haben, während die Aktie bereits binnen sieben Tagen 9,43 Prozent verlor und 17,95 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro notiert. Sollte der Bericht am 26. August offenlegen, dass ein erheblicher Umsatzanteil aus zirkulären Deals mit venture-finanzierten KI-Labors stammt statt aus breit gestreuten Firmenkunden, würde das die Kreditblasen-Sorgen bestätigen.

Ausblick: Der 26. August als Wendepunkt

Solange der 200-Tage-Durchschnitt als Unterstützung hält, bleibt eine technische Erholung Richtung 100-Tage-Linie bei 173,61 Euro möglich. Das kurzfristige Momentum zeigt jedoch klar nach unten — die Aktie verlor in den letzten 30 Tagen 5,08 Prozent, die Volatilität bleibt mit 36,47 Prozent hoch.

Die kommenden Wochen dürften von Abwarten geprägt sein. Zeigt der Bericht am 26. August, dass Nvidia seine Bruttomarge von 75 Prozent hält und dabei Umsatz jenseits des eigenen Investitionskreises generiert, könnte die Aktie ihren Weg zum Konsensziel von 265,92 Euro wieder aufnehmen. Offenbart Finanzchefin Colette Kress dagegen Schwächen bei den Lieferverpflichtungen oder wachsende Kreditrisiken bei Kunden, droht ein Bruch der 200-Tage-Linie — mit Kurspotenzial bis zum 52-Wochen-Tief von 139,78 Euro. Die schriftliche Stellungnahme der CFO vor dem Call gilt als erster wichtiger Indikator für den tatsächlichen Zustand des Unternehmens.

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Diskussion zu Nvidia

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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