Nvidia verkauft nicht mehr nur Chips, sondern finanziert zunehmend ihre Abnehmer. Neuester Fall: Gespräche über eine Beteiligung am australischen KI-Cloud-Anbieter Firmus. Das Geschäftsmodell wirft eine unbequeme Frage auf, nämlich wie viel Kundenrisiko der Konzern in die eigene Bilanz holt.
Firmus: Kapital nach dem abgesagten Börsengang
Nvidia verhandelt über eine Investition von mehreren Hundert Millionen Dollar bei Firmus. Der Anbieter hatte am 9. Oktober seinen Börsengang an der australischen Börse zurückgezogen. Angepeilt war eine Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar, fast dreimal so viel wie in der Finanzierungsrunde im August. Firmus verwies auf die Marktbedingungen und prüft nun private Finanzierungswege.
Nvidia hält bereits Anteile an Firmus. Ob es zu einem Abschluss kommt und zu welchen Bedingungen, ist offen. Der Konzern äußerte sich nicht.
Das Interesse ist nachvollziehbar. Schon im Juni vereinbarten beide Seiten eine Partnerschaft: Firmus soll bis zu 170.000 Nvidia-Beschleuniger für ein Rechenzentrum im indonesischen Batam beschaffen. Nvidia hilft bei der Finanzierung und erhält neben den Chiperlösen einen Anteil an den Cloud-Umsätzen.
Garantien in dreistelliger Milliardenhöhe
Wie groß das Engagement inzwischen ist, zeigt eine Analyse zu den Verpflichtungen. Bis Ende des Juli-Quartals hatte Nvidia Garantien und weitere Zusagen von bis zu 164,5 Milliarden Dollar für neue Rechenzentren offengelegt. Dazu kommen mehr als sieben Milliarden Dollar, die direkt in KI-Cloud-Anbieter flossen oder zugesagt wurden. Diese Summe ist weder mit Verlusten noch mit direkten Investitionen gleichzusetzen.
Auch bei Oracle soll Nvidia laut Recherchen von TD Cowen mit Kreditgarantien oder Anmietung von Kapazitäten aushelfen. Bestätigt ist das nicht. Oracle baut Rechenzentren im Rekordtempo, während S&P die Bonität im Juli auf BBB- gesenkt hat.
Das Risiko liegt auf der Hand: Fällt ein Abnehmer aus, trifft es Nvidia doppelt, beim Umsatz und bei der Garantie. Wie sensibel die Lage ist, zeigte der 15. Oktober. Jensen Huang sagte, CoreWeave brauche keine Absicherung, am selben Tag stiegen deren Kreditausfall-Prämien auf ein Rekordhoch. CoreWeave verlor im vergangenen Monat rund 27 Prozent an Wert.
Starkes Geschäft, moderate Bewertung
Das operative Fundament ist solide. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 106 Prozent auf 96,2 Milliarden Dollar, für das laufende Quartal peilt Nvidia 108 Milliarden an. Das Forward-KGV liegt nach Einschätzung von Beobachtern unter 25 und damit deutlich unter früheren Boomphasen.
Die Aktie schloss gestern bei 216,47 Dollar. Die 50-Tage-Linie bei 222,92 Dollar ist der erste Widerstand, das Jahreshoch liegt bei 243,37 Dollar. Nachbörslich zog der Kurs um knapp zwei Prozent an.
Unterstützung bietet die Trendlinie seit April um 209 Dollar. Fällt der Kurs unter die 200-Tage-Linie bei 203,26 Dollar, wäre der Aufwärtstrend seit dem Frühjahr gebrochen. Den nächsten Test liefern die Zahlen zum dritten Quartal im November.
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