Starkes Wachstum, schwache Kurse. Bei Nvidia klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie des KI-Vorreiters rutscht in den Korrekturmodus. Investoren ziehen massiv Kapital ab und schichten in günstigere Konkurrenten um.
Kapitalflucht zur Konkurrenz
Auf Wochensicht verlor das Papier über sieben Prozent auf 168,80 Euro. Damit hinkt Nvidia dem breiten Markt deutlich hinterher. Das Geld fließt derweil zu Rivalen wie AMD und Intel. Deren Aktienkurse haben sich im Jahr 2026 bereits mehr als verdoppelt.
Ein weiterer Belastungsfaktor betrifft das operative Geschäft. Die Mietpreise für Nvidias Flaggschiff-Chip Blackwell B200 fallen rasant. Ende Mai zahlten Kunden noch gut sechs US-Dollar pro Stunde. Aktuell sank dieser Wert auf 4,22 Dollar. Optionshändler werten dies als erstes Signal für eine abkühlende Nachfrage.
Hinter dem Abverkauf steht eine breitere Skepsis im Halbleitersektor. Analysten warnen zunehmend vor überzogenen Bewertungen. Im Zentrum der Sorge stehen die massiven Investitionen der großen Tech-Konzerne. Amazon, Google, Meta und Microsoft stecken 2026 zusammen rund 750 Milliarden Dollar in ihre Infrastruktur.
Diese Summen bescheren den Chipbauern gigantische Umsätze. Viele Investoren bezweifeln jedoch, dass dieses Ausgabentempo dauerhaft tragbar ist. Die Angst vor einer Blase wächst.
Rekordzahlen treffen auf Rabatt
Operativ läuft die Maschine unbeeindruckt weiter. Im abgelaufenen Quartal sprang der Gesamtumsatz um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden Dollar.
Das wichtige Rechenzentrumsgeschäft wuchs parallel dazu um 92 Prozent auf über 75 Milliarden Dollar. Die fundamentale Stärke des wertvollsten Unternehmens der Welt bleibt intakt.
Die Folge: Die Bewertung der Aktie sinkt drastisch. Nvidia wird aktuell mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 gehandelt. Verglichen mit anderen Halbleiterwerten ist das ein deutlicher Abschlag. Um den technologischen Vorsprung zu halten, bringt der Konzern im zweiten Halbjahr 2026 sein neues Vera-Rubin-System auf den Markt.
Blick auf die Charttechnik
Charttechnisch nähert sich die Aktie einer kritischen Zone. Der Kurs notiert nur noch knapp über der 200-Tage-Linie bei 163,66 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch im Mai ist das Papier mittlerweile über 16 Prozent entfernt. Der RSI-Wert von 38,2 signalisiert eine überverkaufte Tendenz, liefert aber noch kein klares Kaufsignal.
Am Donnerstag rücken neue Makrodaten in den Fokus. Der US-Arbeitsmarktbericht für Juni steht an. Fällt dieser stark aus, dürfte die US-Notenbank die Zinsen länger oben halten. Das würde den Druck auf hoch bewertete Wachstumswerte wie Nvidia weiter erhöhen. Analysten bleiben indes gelassen. Sie rufen im Konsens ein Kursziel von 295 Dollar aus.
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