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Nvidia Aktie: 91 Milliarden Umsatz am 26. August erwartet

Nvidia-Papiere legen vor den Q2-Zahlen zu, während Analysten optimistisch bleiben. Zugleich wachsen Bedenken über die Finanzierungsstruktur der KI-Investitionen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursplus von 2,2 Prozent am Dienstag
  • Analysten erwarten Gewinnverdopplung im Quartal
  • Wachsende Kritik an KI-Zirkelfinanzierung
  • Nvidia-Cashflow übertrifft Hyperscaler deutlich

Nvidia-Papiere legen am heutigen Dienstag deutlich zu und notieren bei 183,42 Euro, ein Plus von 2,20 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Montag. Der Kurssprung fällt in eine Phase, in der sich zwei gegenläufige Erzählungen um den Chipkonzern zuspitzen: eine breite Analystenzuversicht vor den Quartalszahlen am 26. August und wachsende Kritik an der Finanzierungsstruktur des KI-Booms, in die Nvidia zunehmend hineingezogen wird.

Optimismus vor den Zahlen am 26. August

An der Nasdaq kletterte die Nvidia-Aktie zuletzt wieder über die Marke von 210 US-Dollar, nachdem Finanzierungssorgen zwischenzeitlich in den Hintergrund getreten waren. 36 Analysten bewerten den Titel nahezu geschlossen positiv. Sie erwarten, dass sich der Gewinn im kommenden Bericht nahezu verdoppelt. Das Analysehaus Bernstein bestätigte sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 315 US-Dollar, was aus Sicht der Analysten einem Aufwärtspotenzial von rund 53 Prozent entspräche. Für das laufende Quartal hat Nvidia selbst einen Umsatz von 91 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt, nach 81,6 Milliarden US-Dollar im Vorquartal, von denen 75,2 Milliarden US-Dollar auf das Rechenzentrumsgeschäft entfielen. Genehmigungen für den China-Chip H200 wurden bislang allerdings nur bei weniger als der Hälfte der beantragten Fälle erteilt.

Firmenchef Jensen Huang begründete parallel eine Strategie, mit der Nvidia sein adressierbares Marktvolumen ausweiten will: Das Unternehmen treibt offene KI-Modelle voran und veröffentlichte die Nemotron-Reihe. Nach Huangs Einschätzung stammt inzwischen etwa jeder vierte KI-Token aus offenen Modellen, das langfristige Potenzial der gesamten Halbleiterbranche bezifferte er auf 7,9 Billionen US-Dollar.

Zweifel an der Zirkelfinanzierung des KI-Booms

Gegen diesen Optimismus stehen wachsende Bedenken an der Finanzierungsarchitektur, über die milliardenschwere Rechenzentrumsprojekte gestemmt werden. Der Investor Jim Cramer warnte, die zirkuläre Finanzierung der Branche laufe aus dem Ruder, und verglich die Lage mit dem Jahr 2000. Er verwies dabei namentlich auf Nvidia, das eine Partnerschaft mit der SK Group über 500 Milliarden US-Dollar angekündigt hat und zugleich über einen Backstop von 250 Milliarden US-Dollar mit OpenAI für ein Rechenzentrum in Ohio verhandelt. Die Ratingagentur Moody’s merkte an, solche zirkulären Konstruktionen könnten die tatsächliche Endnachfrage verschleiern.

Ein weiterer Befund verschärft die Debatte: Finanzierungsnetzwerke rund um Googles TPU-Chips verschaffen Betreibern von Rechenzentren offenbar günstigere Kredite als vergleichbare Nvidia-Projekte. TPU-Betreiber zahlen demnach rund 7,1 Prozent Zins, während Nvidia-basierte Vorhaben mit etwa 9,3 Prozent kalkulieren müssen – eine Differenz von 2,2 Prozentpunkten. Die Ratingagentur Fitch stufte den gesamten KI-Investitionsboom zudem als systemisches Kreditrisiko ein und verwies auf einen Anstieg der US-Unternehmensanleihen-Emissionen um 26 Prozent im ersten Halbjahr, an dem neben Amazon, Alphabet, Meta, Oracle und SpaceX auch Nvidia mit insgesamt rund 182 Milliarden US-Dollar beteiligt war.

Nvidia bleibt Cashflow-Maschine der Branche

Dem stehen Zahlen entgegen, die Nvidias operative Stärke im Vergleich zur übrigen Branche unterstreichen. Nach einer Analyse von Citi Research entspricht der freie Cashflow des Unternehmens rund 81 Prozent des addierten freien Cashflows der vier größten Hyperscaler Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta – Konzerne, deren eigene Cashflows durch ihre milliardenschweren Investitionsprogramme zunehmend unter Druck geraten. Nvidia weist laut derselben Analyse eine operative Marge von 64 Prozent und eine Kapitalrendite von 89 Prozent aus.

Kurzfristig geriet die Marktposition des Unternehmens dennoch ins Wanken: Am 17. Juli musste Nvidia den Platz als wertvollstes Unternehmen der Welt vorübergehend an Apple abtreten. Von den Rekordständen des Frühjahrs ist der Titel weiterhin ein Stück entfernt, der Abstand zum bisherigen 52-Wochen-Hoch beträgt aktuell 9,42 Prozent. An den Terminmärkten richtet sich der Blick unterdessen auf eine Optionsmauer bei 210 US-Dollar, die zum 7. August aufgebaut wurde und auf anhaltend bullische Positionierung der Investoren hindeutet. Zusätzlichen Rückenwind liefern Meldungen zur neuen Vera-CPU, die Chipdesign-Prozesse nach Unternehmensangaben um das 1,5-Fache beschleunigen soll. Ob sich der Optimismus bis zum Zahlentermin am 26. August trägt, dürfte auch davon abhängen, wie belastbar sich die milliardenschweren Finanzierungskonstrukte der Cloud-Anbieter in den kommenden Wochen erweisen.

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Diskussion zu Nvidia

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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