Nvidia meldet sich nach fünf Jahren eindrucksvoll am Anleihemarkt zurück. Investoren rissen dem Chip-Giganten die Papiere förmlich aus den Händen. An der Börse löst der Milliarden-Deal allerdings keine Euphorie aus. Im Gegenteil. Die Aktie gibt nach.
Run auf frisches Kapital
Nvidia hat hochklassige Anleihen im Wert von 25 Milliarden US-Dollar platziert. Ursprünglich wollte das Management nur 20 Milliarden einsammeln. Die Nachfrage übertraf dieses Ziel bei Weitem. Die Auftragsbücher füllten sich mit Geboten über 85 Milliarden US-Dollar.
Die Emission umfasst sieben Tranchen mit Laufzeiten bis zu dreißig Jahren. Der enorme Ansturm drückte die Risikoaufschläge im Vorfeld deutlich nach unten. Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley begleiteten die Transaktion.
Günstiges Geld für KI-Investitionen
Nvidia leidet keineswegs unter Geldmangel. Der Konzern erwirtschaftete zuletzt über 50 Milliarden US-Dollar an operativen Cashflow in einem einzigen Quartal. Die Barreserven liegen auf einem ähnlichen Niveau. Der Schritt an den Anleihemarkt ist eine reine Kapitalstrukturentscheidung.
Das Unternehmen sichert sich günstige langfristige Zinsen. Damit schont Nvidia die eigenen Kassen und vermeidet eine Verwässerung der Aktionäre. Das frische Geld fließt in allgemeine Firmenzwecke und die Refinanzierung alter Schulden. Bislang standen Verbindlichkeiten von rund 8,5 Milliarden US-Dollar in den Büchern.
Parallel dazu bleibt genug finanzieller Spielraum. Nvidia kann weiter massiv in Künstliche Intelligenz investieren. Das Management bedient so auch problemlos das laufende Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden US-Dollar.
Aktie schwächelt im Tech-Umfeld
Trotz des Erfolgs am Fremdkapitalmarkt reagieren Anleger verhalten. Die Nvidia-Aktie verlor am Dienstag 1,69 Prozent und notiert aktuell bei 180,04 Euro. Damit setzt sich ein leichter Abwärtstrend fort. Auf Monatssicht steht ein Minus von 5,60 Prozent auf der Anzeigetafel.
Langfristig sieht das Bild freundlicher aus. Seit Jahresbeginn verbucht das Papier ein Plus von knapp zwölf Prozent. Der Kurs hält sich zudem knapp über der 50-Tage-Linie.
Risiken bleiben bestehen
Nvidia steht mit seiner Schuldenaufnahme nicht allein da. Auch Alphabet und Amazon sammeln Milliarden ein. Sie müssen den teuren Ausbau der KI-Infrastruktur stemmen. Morgan Stanley rechnet für 2026 mit Anleiheemissionen der Cloud-Giganten im Wert von 400 Milliarden US-Dollar.
Der Konzern muss feste Zinsverpflichtungen bedienen. Das gilt auch dann, wenn die Nachfrage nach neuen Chips sinken sollte. Ein konkretes Risiko stellen weiterhin Exportkontrollen dar. Nvidia kalkuliert aktuell mit null Rechenzentrums-Umsätzen aus China. Bis zum 18. Juni 2026 muss der Konzern Fragen von US-Senatorin Elizabeth Warren beantworten. Dabei geht es um die genaue Einhaltung von Exportrichtlinien.
