Die Nvidia-Aktie zeigt sich am heutigen Freitag mit einem Plus von 1,77 Prozent bei 172,30 Euro. Nach einer turbulenten Handelswoche mit deutlichen Abgaben kommt der Chiphersteller damit etwas zurück, bleibt aber 14,91 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro vom 14. Mai entfernt. Der Rückstand zeigt, wie stark die jüngste Verkaufswelle rund um Sorgen zu Überkapazitäten und Finanzierungsrisiken im KI-Sektor Spuren hinterlassen hat.
Rekordquartal als Fundament
Der Kursrutsch der vergangenen Wochen steht in scharfem Kontrast zu den Geschäftszahlen. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein das Rechenzentrumsgeschäft steuerte 75,2 Milliarden Dollar bei und wuchs um 92 Prozent. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,87 Dollar und übertraf die Konsenserwartung von 1,76 Dollar deutlich. Für das laufende zweite Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von rund 91 Milliarden Dollar in Aussicht.
Nvidia unterlegte die starken Zahlen mit Kapitalrückführungen: Ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar wurde genehmigt, die Quartalsdividende liegt bei 0,25 Dollar pro Aktie. Die nächsten Quartalszahlen für das zweite Geschäftsquartal 2027 sind für den 26. August terminiert – ein Termin, der angesichts der aktuellen Nervosität am Markt besondere Aufmerksamkeit erhalten dürfte.
Analysten zwischen Vorsicht und Kursfantasie
Die Einschätzungen zur Aktie gehen weit auseinander. Wolfe-Research-Analyst Chris Caso argumentiert, der Markt für KI-Chips werde derzeit nicht durch mangelnde Nachfrage begrenzt, sondern durch Produktionskapazitäten – die Fertigungslinien bei TSMC seien praktisch ausgelastet. Ein Angebotsüberschuss sei demnach frühestens ab 2028 zu erwarten, was die Preissetzungsmacht der großen Chiphersteller stützen dürfte.
Baird-Analyst Tristan Gerra gehört zu den optimistischsten Stimmen und sieht deutliches Aufwärtspotenzial gegenüber dem US-Schlusskurs von Ende Juli. Zacks Research stufte die Aktie zudem auf „Strong Buy“ hoch. Der Analystenkonsens verortet das Kursziel bei rund 300 Dollar, getragen von einer breiten Mehrheit an Kaufempfehlungen unter den beobachtenden Häusern.
Nicht alle Marktteilnehmer teilen diesen Optimismus. Insider verkauften im vergangenen Quartal Aktien im Wert von 410,6 Millionen Dollar, ohne dass Käufe verzeichnet wurden. Der bekannte Investor Michael Burry hat laut Berichten eine Short-Position gegen Nvidia aufgebaut. Institutionelle Anleger halten weiterhin gut 65 Prozent der ausstehenden Aktien, darunter auch kleinere Neuengagements aus dem vergangenen Quartal.
Milliardenwetten auf die KI-Infrastruktur
Jenseits der Quartalszahlen treibt Nvidia sein Engagement in der KI-Infrastruktur weiter voran. Das Unternehmen verhandelt Berichten zufolge über eine Finanzierungsgarantie von bis zu 250 Milliarden Dollar für Rechenzentrumskapazitäten von OpenAI, eingebettet in ein Gesamtinvestitionsvolumen von bis zu 500 Milliarden Dollar. Kritiker warnen vor zirkulären Finanzierungsstrukturen, sollten die erwarteten Erträge aus den KI-Investitionen ausbleiben.
Zusätzlich kündigte Nvidia eine langfristige strategische Partnerschaft mit Safe Superintelligence an, dem von Ilya Sutskever geführten Unternehmen für Forschung an sicherer Superintelligenz. Nvidia investiert dabei in das Unternehmen und gewährt Zugang zur eigenen Vera-Rubin-Plattform. Parallel bekräftigte Firmenchef Jensen Huang Pläne für Serverfertigung in den USA im Umfang von 500 Milliarden Dollar über vier Jahre, mit Blackwell-Chips aus der TSMC-Fabrik in Phoenix und neuen Supercomputer-Werken in Texas.
Chinesische Behörden werfen Nvidia zudem einen Verstoß gegen Kartellrecht im Zusammenhang mit der früheren Mellanox-Übernahme vor – ein Vorwurf, der angesichts des China-Anteils am Konzernumsatz von zuletzt 13 Prozent zusätzliches politisches Risiko in die Bewertung trägt. Für Anleger bleibt damit eine Gemengelage aus operativer Stärke und geopolitischer wie finanzieller Unsicherheit bestimmend.
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