Rekordquartal, Rekordausblick — und trotzdem gibt die Aktie nach. Nvidia hat für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar gemeldet, 85 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Markt quittiert das mit einem leichten Minus. Das Muster ist bekannt: Wer so hoch bewertet wird, muss nicht nur liefern — er muss überraschen.
Datenzentren treiben alles
Das Datenzentrum-Segment bleibt der Wachstumsmotor. Es steuerte 75,2 Milliarden Dollar bei, ein Plus von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Netzwerkbereich legte sogar um 199 Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar zu. Der Nettogewinn verdreifachte sich auf 58,3 Milliarden Dollar.
CEO Jensen Huang sprach vom Anbruch der „Agentic AI“-Ära. Die Nachfrage nach Recheninfrastruktur wachse „parabolisch“. Für das laufende Quartal erwartet Nvidia rund 91 Milliarden Dollar Umsatz.
Das Unternehmen gibt auch Kapital zurück. Der Vorstand genehmigte ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar. Die Quartalsdividende steigt auf 0,25 Dollar je Aktie — ein Anstieg um 2.400 Prozent. CFO Colette Kress bestätigte, dass mindestens 50 Prozent des freien Cashflows an Aktionäre fließen sollen.
Vera Rubin: Die nächste Plattform
Nvidia hat die neue Chip-Architektur „Vera Rubin“ vorgestellt. Das Design kombiniert 72 GPUs und 36 CPUs in sechs Chips und soll fünfmal mehr Rechenleistung bieten als die aktuelle Blackwell-Generation. Huang sieht darin den Einstieg in einen 200-Milliarden-Dollar-Markt für CPUs — für 2026 liegen bereits Bestellungen über 20 Milliarden Dollar vor.
Die Produktion läuft. Der volle Marktstart ist für Ende 2026 geplant. In großen Cluster-Konfigurationen ab 1.000 Chips verspricht Nvidia eine zehnfach höhere Effizienz bei der KI-Inferenz. Parallel dazu veröffentlichte das Unternehmen Dynamo 1.0 — Open-Source-Software, die die Inferenz auf Blackwell-GPUs um das Siebenfache beschleunigen soll.
Bewertung und Analystenmeinungen
Trotz des Kursrückgangs bleibt die Stimmung unter Analysten klar positiv. Von 54 Analysten empfehlen 52 die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 299 Dollar. HSBC hat sein Ziel zuletzt auf 325 Dollar angehoben und begründet das mit der disziplinierten Kapitalallokation und Nvidias Führungsrolle beim Thema Sovereign AI.
Das Forward-KGV liegt bei rund 25 — niedriger als bei AMD mit 61 und Broadcom mit 37. Wer auf eine überhitzte Bewertung als Verkaufsargument setzt, hat es damit schwer.
Die Nvidia-Aktie notiert aktuell bei rund 187 Euro und damit rund sieben Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Mai. Der RSI von knapp 40 signalisiert keine überkaufte Lage. Währenddessen ist Jensen Huang in Taiwan: Am 27. Mai findet der Spatenstich für „Nvidia Constellation“ statt, den neuen Hauptsitz im Beitou-Shilin Technology Park — ein symbolisches Zeugnis dafür, wie eng Nvidia und TSMC inzwischen verzahnt sind.
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