Nvidia meldet Rekordumsatz, doch die Aktie gibt nach. Das klingt widersprüchlich. Dahinter steckt ein bekanntes Muster: Die Erwartungen an den Chipkonzern sind so hoch, dass selbst Top-Zahlen nicht mehr ausreichen, um den Kurs zu treiben.
Am Freitag schloss die Nvidia-Aktie bei 181,40 Euro – ein Minus von 1,39 Prozent. Seit dem Allzeithoch von 201,05 Euro Mitte Mai fehlen rund zehn Prozent. Der RSI liegt bei 36,4 Punkten, was auf eine leichte Überverkauftheit hindeutet. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von knapp 13 Prozent.
Sell the News trotz Milliarden-Quartal
Am 20. Mai legte Nvidia die Zahlen für das erste Fiskalquartal vor. Der Umsatz explodierte auf 81,62 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 1,87 US-Dollar – beides über den Schätzungen. Trotzdem blieb der Kurssprung aus. Die Botschaft war längst eingepreist. Marktbeobachter sprechen von einem klassischen „Sell the News“-Szenario.
Dabei zeigt der Blick auf die Details, wie breit Nvidia inzwischen aufgestellt ist. Die Networking-Sparte spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Networking als zweites Standbein
Der Bereich erzielte im Quartal 14,8 Milliarden US-Dollar Umsatz – fast dreimal so viel wie vor einem Jahr. Treiber sind die Plattformen InfiniBand und Spectrum-X Ethernet. Damit wird Nvidia zunehmend zur direkten Konkurrenz für Cisco und Broadcom. Die Sparte generiert inzwischen einen annualisierten Umsatz von fast 60 Milliarden US-Dollar.
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Parallel dazu wächst das Geschäft mit „Sovereign AI“. Regierungen weltweit bauen eigene KI-Infrastrukturen auf – von Frankreich über Japan bis Indien. Im Geschäftsjahr 2026 spülte dieser Bereich über 30 Milliarden US-Dollar in die Kassen, rund 14 Prozent des Gesamtergebnisses. Das diversifiziert die Kundenbasis jenseits von Microsoft und Meta.
Milliarden-Wette auf Photonik
Um künftige Engpässe bei der Datenübertragung zu vermeiden, investiert Nvidia massiv in Photonik-Technologie. Rund 7 Milliarden US-Dollar fließen in Partnerschaften mit Lumentum, Coherent und Corning. Ziel ist es, optische Konnektivität direkt in die Switch-Chips zu integrieren – ein entscheidender Schritt für schnellere KI-Inferenz.
Ausblick: Huang auf der Computex
Der nächste Katalysator steht unmittelbar bevor. Am Montag hält Konzernchef Jensen Huang die Eröffnungsrede auf der Computex in Taipeh. Erwartet werden Details zur „Rubin“-Architektur und zur Integration von „Agentic AI“. Analysten sehen darin die Chance, die Aktie aus der Seitwärtsbewegung zu lösen. Das durchschnittliche Kursziel der Wall Street liegt derzeit bei rund 305 US-Dollar.
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