Ein Feuerwerk der Ankündigungen. Kein Wunder, dass Anleger zugreifen.
Nvidia-CEO Jensen Huang hat auf seiner GTC-Keynote in Taipeh einen so breiten Produktregen abgefeuert wie kein Halbleiterkonzern vor ihm. Die Aktie reagierte prompt: plus 6,3 Prozent auf 220,15 Dollar. Über 150 Millionen Aktien wechselten den Besitzer – deutlich mehr als üblich. Die Nvidia-Aktie notiert damit rund vier Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 201 Euro. Der RSI von 44,2 deutet auf Spielraum nach oben.
Fünf Fronten gleichzeitig
Huang stellte seine Strategie auf völlig neue Beine. Nvidia verkauft nicht länger einzelne Chips, sondern komplette Systeme: Netzwerk, Rechenleistung, Software und Data-Center-Infrastruktur aus einer Hand. „Compute is revenue“, sagte Huang. Jeder KI-generierte Token schaffe messbaren Geschäftswert.
Die konkreten Ankündigungen lesen sich wie das Who-is-Who der Technologiebranche:
- Vera Rubin, Nvidias nächste Rechenplattform, läuft in voller Produktion. CFO Colette Kress peilt 20 Milliarden Dollar CPU-Umsatz in diesem Geschäftsjahr an – einen völlig neuen Markt von 200 Milliarden Dollar.
- RTX Spark, Nvidias erster System-on-Chip für Windows-Laptops und Mini-Desktops. 20 Kerne auf ARM-Basis (mit MediaTek), Blackwell-GPU mit 6.144 CUDA-Kernen, bis zu 128 Gigabyte Speicher. Microsoft, Dell und HP sind an Bord.
- Isaac GR00T, eine offene Referenzplattform für humanoide Roboter. Führende Forschungseinrichtungen wie ETH Zürich und Stanford sind bereits dabei.
Der PC-Vorstoß trifft die Konkurrenz
Der Einstieg in den PC-Markt ist eine Kampfansage. AMDs, Intels und Qualcomms Aktien gerieten prompt unter Druck. Huang greift direkt das Kerngeschäft der Rivalen an: „Hochleistungs-KI auf dem lokalen Rechner“, wie Microsoft betont. 30 Laptop-Modelle und zehn Desktop-PCs sollen im Herbst 2026 auf den Markt kommen.
Rekordzahlen untermauern den Vorstoß
Nvidia kann sich die Offensive leisten. Der Konzern meldete für das erste Fiskalquartal 2027 einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar – plus 85 Prozent zum Vorjahr. Allein das Data-Center-Geschäft steuerte 75,2 Milliarden Dollar bei.
Der Ausblick für das laufende Quartal: 91 Milliarden Dollar Umsatz, plus/minus zwei Prozent. Chinesische Erlöse rechnet Nvidia weiterhin nicht ein.
Der Verwaltungsrat stockte das Aktienrückkaufprogramm um 80 Milliarden Dollar auf. Die Quartalsdividende steigt von einem auf 25 Cent je Aktie – zahlbar ab dem 26. Juni.
Analysten sehen weiter Luft nach oben
Goldman Sachs bestätigte das Kaufvotum mit einem Kursziel von 285 Dollar. Analyst James Schneider verwies auf die aggressive Expansion in den PC-Markt. DA Davidson geht mit 300 Dollar noch einen Schritt weiter und nahm Nvidia in die hauseigene „Best-of-Breed“-Liste auf. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte: Die Konkurrenz schläft nicht. AMD, Intel und Qualcomm haben verstanden, dass Nvidia jetzt direkt in ihren Märkten angreift. Wie weit Nvidias Rechnung aufgeht, hängt davon ab, ob die neuen Produktlinien tatsächlich die erhofften Milliardenumsätze bringen – und ob die Rivalen nicht mit eigenen Innovationen kontern. Die Märkte werden genau hinschauen.
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