Nvidia hat eine intensive Woche hinter sich. Neue Chip-Offensive in China, ein milliardenschwerer Cloud-Deal in Australien, dazu der SpaceX-Börsengang als indirekter Katalysator — und trotzdem schloss die Aktie die Woche minimal im Minus. Kurs und Nachrichtenlage klaffen auffällig auseinander.
Vera-CPU: Chinas Markt als nächstes Ziel
Nvidia hat begonnen, seinen neuen ARM-basierten „Vera“-Prozessor aktiv an chinesische Kunden zu vermarkten. Erste Lieferungen plant das Unternehmen für August 2026. Den Chip positioniert Nvidia als Speziallösung für sogenannte „Agentic AI“ — autonome Systeme, die auf Token-Verarbeitung und Datenorchestrierung ausgelegt sind.
Die Preise sind ambitioniert. Ein einzelner Vera-Chip kostet mehr als 20.000 Dollar. Ein vollständiges Rack mit 256 Chips schlägt mit rund zehn Millionen Dollar zu Buche. Nvidia rechnet damit, dass die Vera-Linie bis Januar 2027 bis zu 20 Milliarden Dollar Umsatz einbringen könnte.
Der strategische Schwenk hin zu CPUs in China ist kein Zufall. Strenge Exportbeschränkungen blockieren weiterhin den Verkauf leistungsstarker GPUs in das Land. Mit der Vera-CPU umgeht Nvidia diese Hürde. Mindestens ein chinesischer Cloud-Anbieter hat bereits mehr als 300 Server mit den neuen Chips getestet — Nvidia gibt die Leistung mit dem 1,8-fachen gegenüber Konkurrenzprodukten an.
Australien: 4,88 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur
Am 12. Juni 2026 gab Nvidia eine sechsjährige Kooperationsvereinbarung mit dem australischen Anbieter SharonAI bekannt. Das Volumen des Deals beträgt bis zu 4,88 Milliarden Dollar. SharonAI plant den Aufbau von 72 Megawatt neuer Rechenzentrumskapazität nach dem „AI Factory“-Modell — bestückt mit bis zu 40.000 Nvidia Grace Blackwell GB300 GPUs.
Bis Mitte 2027 will SharonAI mehr als 55.000 Nvidia-GPUs in Betrieb haben. Von der geplanten Gesamtkapazität von 132 Megawatt sind bereits 102 Megawatt an Endkunden vergeben. Die Nachfrage nach lokaler KI-Infrastruktur in Australien ist damit klar belegt.
SpaceX-Börsengang als Nvidia-Multiplikator
Der Börsengang von SpaceX am 12. Juni 2026 lenkt den Blick auf eine langjährige Partnerschaft. Nvidia lieferte 2016 den ersten DGX-1-Supercomputer an OpenAI — damals noch unter Beteiligung von Elon Musk. Seitdem sind die Verbindungen eng geblieben.
SpaceX betreibt heute erhebliche GPU-Cluster über Cloud-Verträge: 110.000 Einheiten via Google, weitere 220.000 via Anthropic. Analysten erwarten, dass der Börsengang SpaceX das Kapital verschafft, um Nvidia-Hardware künftig direkt und in größerem Umfang zu kaufen — vor allem für die geplante „AI1″-Satellitenkonstellation.
Kurs hält sich an der 50-Tage-Linie
Trotz der Nachrichtendichte schloss Nvidia am Freitag bei 177,28 Euro — ein marginales Tagesplus von 0,26 Prozent, auf Wochensicht aber ein kleines Minus. Der Kurs liegt damit nahezu exakt auf dem 50-Tage-Durchschnitt von 177,30 Euro. Ein nachhaltiger Bruch darunter würde den Blick auf den 100-Tage-Durchschnitt bei 166,63 Euro lenken. Der RSI von 45,6 signalisiert neutrales Terrain.
Das Analystenbild bleibt eindeutig: 95 Prozent der 54 Analysten, die Nvidia abdecken, empfehlen die Aktie zum Kauf. Als Haupttreiber für die zweite Jahreshälfte 2026 nennen sie den Einstieg in den CPU-Markt und die wachsende Infrastrukturnachfrage — genau das, was diese Woche in China und Australien sichtbar wurde.
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