Nvidia steht vor einer entscheidenden Woche. Am 20. Mai präsentiert der Chipkonzern seine Ergebnisse für das erste Fiskalquartal 2027. Die Erwartungen der Wall Street sind gewaltig. Ein diplomatischer Rückschlag in Peking trübt indes die Stimmung.
Am Freitag schloss die Aktie bei 193,90 Euro und verzeichnete ein Tagesminus von 3,56 Prozent. Damit rutschte der Kurs leicht vom erst am Donnerstag markierten 52-Wochen-Hoch ab. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Kursplus von rund 20 Prozent auf der Anzeigetafel.
Analysten rechnen für das abgelaufene Quartal mit einem Umsatz von etwa 78 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem Zuwachs von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie soll bei rund 1,75 Dollar liegen.
Rückschlag im China-Geschäft
Eine US-Delegation um CEO Jensen Huang kehrte kürzlich ohne Durchbruch aus Peking zurück. Es ging um den Verkauf der neuen H200-KI-Chips. Die US-Regierung hatte Lieferungen an zehn große chinesische Konzerne wie Alibaba und Tencent bereits genehmigt.
Peking verweigert allerdings die Zustimmung. Berichten zufolge priorisiert die chinesische Regierung den Aufbau einer heimischen Chip-Industrie und bevorzugt Huaweis Konkurrenzmodell Ascend 950PR.
Ein dauerhafter Verkaufsstopp der H200-Reihe in China könnte Nvidia hart treffen. Analysten beziffern den potenziellen Umsatzverlust auf 35 bis 40 Milliarden Dollar pro Jahr. Huang warnte bereits vor einem vollständigen Embargo. Dies könnte China zwingen, ein völlig unabhängiges, inkompatibles Tech-Ökosystem aufzubauen.
Analysten bleiben bullisch
Trotz der geopolitischen Hürden hob die Bank of America ihr Kursziel für Nvidia auf 320 Dollar an. Analyst Vivek Arya verweist auf den expandierenden Gesamtmarkt für KI-Rechenzentren. Dieser soll in den kommenden Jahren ein Volumen von 1,7 Billionen Dollar erreichen. Nvidia dürfte in diesem Segment einen Marktanteil von über 70 Prozent behaupten.
Um die eigene Marktposition abzusichern, erweitert der Konzern parallel sein Software-Ökosystem. Am Wochenende veröffentlichte Nvidia das Open-Source-Modell SANA-WM für die Videogenerierung. Hinzu kommen neue Werkzeuge für das Quantencomputing. Diese sogenannten Ising-Modelle sollen die Kalibrierungszeiten von Prozessoren drastisch verkürzen und Fehler in Echtzeit korrigieren.
Am Montag rückt nun der Quartalsbericht in den Fokus. Investoren erhoffen sich vor allem konkrete Prognosen zur Nachfrage nach den neuen Chip-Architekturen Blackwell und Rubin. CEO Huang stellte hierfür bereits ein Umsatzpotenzial von über einer Billion Dollar bis Ende 2027 in Aussicht. Die zeitgleiche Veröffentlichung der Fed-Protokolle könnte dem Halbleitersektor am selben Tag zusätzliche makroökonomische Volatilität bescheren.
