Nvidia gerät heute von zwei Seiten unter Druck. Präsident Trump schloss eine Verlängerung der befristeten Waffenruhe mit dem Iran aus, was an den Märkten breite Verkäufe auslöste und auch Technologiewerte mit hoher Bewertung wie Nvidia traf. Die Aktie notiert bei 189,60 Euro und verliert im heutigen Handel 2,5 Prozent, nachdem sie am Montag noch bei 194,40 Euro geschlossen hatte.
Parallel dazu verdichtet sich die Konkurrenzsituation im KI-Chipmarkt. Ein Analyst von Jefferies verwies in einer Einschätzung auf die Veranstaltung „Advancing AI 2026″ von AMD und dessen KI-Server-Roadmap. Demnach könnte AMD in einzelnen Bereichen inzwischen an Nvidia vorbeiziehen – ein Signal für wachsenden Wettbewerbsdruck auf die bislang dominante Marktstellung des Unternehmens.
AMD baut Partnerschaften mit OpenAI und Anthropic aus
Konkret untermauert wird diese Einschätzung durch zwei Kooperationen, die AMD im Juli bekanntgegeben hatte. Zusammen mit OpenAI optimiert AMD über das Triton-Framework in Verbindung mit der ROCm-Software KI-Workloads der GPT-Klasse für die Instinct-MI455X-Chips und die Helios-Racks des Unternehmens; OpenAI will die Helios-Systeme ab dem vierten Quartal 2026 in Betrieb nehmen.
Mit Anthropic vereinbarte AMD zudem eine Lieferung von MI450-Grafikchips im Umfang von bis zu zwei Gigawatt Rechenleistung, flankiert von einer Kapitalzusage über 5 Milliarden Dollar. Die erste Ausbaustufe von einem Gigawatt soll in der ersten Hälfte 2027 folgen.
Für Anleger ist das mehr als eine Randnotiz: Beide Deals zeigen, dass sich zwei der wichtigsten KI-Kunden von Nvidia – OpenAI und Anthropic – nun bewusst auch an AMD binden, statt exklusiv auf Nvidia-Hardware zu setzen.
Hedgefonds zieht sich zurück
Zusätzlichen Gesprächsstoff liefert eine Portfolio-Meldung: Der Hedgefonds Third Point hat seine Position in Nvidia im zweiten Quartal vollständig aufgelöst, gemeinsam mit Beteiligungen an Meta, KLA und Lam Research. Ein solcher kompletter Ausstieg eines namhaften Investors wird von Marktteilnehmern als Warnsignal gewertet, auch wenn er allein noch keine fundamentale Wende belegt.
Hinzu kommen neue US-Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Ländern wegen Vorwürfen der Zwangsarbeit, die die bisherigen pauschalen 10-Prozent-Zölle ersetzen. Direkt betreffen sie Nvidia nicht, könnten aber über Lieferketten und Kundenbudgets indirekt auf das Geschäft durchschlagen.
Infrastruktur-Offensive läuft unvermindert weiter
Trotz der Turbulenzen treibt Nvidia sein milliardenschweres Infrastrukturprogramm voran. Am Montag gab das Unternehmen eine Partnerschaft mit SB Energy bekannt, um Land, Energie und Gebäudekapazitäten am PORTS-Pike-Technologiecampus im Bundesstaat Ohio zu sichern.
OpenAI soll das Gelände über einen 20-jährigen Mietvertrag nutzen; die erste Ausbaustufe zielt auf 4,25 Gigawatt KI-Rechenkapazität, mit einer Option auf weitere 3,75 Gigawatt.
Nvidia investiert dafür 1,5 Milliarden Dollar in SB Energy. Nach Unternehmensangaben dürften pro Ausbaustufe rund 1,5 Millionen Nvidia-Grafikchips zum Einsatz kommen und Umsätze von schätzungsweise 150 bis 200 Milliarden Dollar generieren.
Im Blick der Anleger steht nun der 26. August, wenn Nvidia nach Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorlegt. Das Unternehmen hatte für dieses Quartal einen Umsatz von rund 91,0 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt; der Analystenkonsens liegt bei etwa 92 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie von 2,06 Dollar.
Angesichts der aufkommenden Konkurrenzdiskussion dürfte der Bericht auch Aufschluss darüber geben, wie stabil Nvidias Nachfrage bei den großen KI-Kunden tatsächlich bleibt.
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