Rekordquartale, ein milliardenschwerer Infrastrukturpakt in Asien — und trotzdem gibt die Aktie nach. Bei Nvidia klaffen Fundamentaldaten und Kursentwicklung derzeit weit auseinander.
360-Megawatt-Campus in Batam
Das australische KI-Infrastrukturunternehmen Firmus Technologies hat ein Partnerschaftsabkommen mit Nvidia bis 2034 geschlossen. Kern des Deals: ein 360-Megawatt-Rechenzentrum auf der indonesischen Insel Batam, direkt vor der Küste Singapurs. Der Start ist für das erste Quartal 2027 geplant.
Firmus, mit rund 5,5 Milliarden Dollar bewertet, baut den Campus gemeinsam mit dem Singapurer Unternehmen DayOne. Über eine Umsatzbeteiligungs- und Kreditvereinbarung erhält Firmus bis 2028 Zugang zu bis zu 170.000 Nvidia-Beschleunigern — darunter Vera-Rubin-, Grace-Blackwell- und Vera-Plattform-Chips. Das Projekt wäre damit eines der größten KI-Infrastrukturvorhaben im asiatisch-pazifischen Raum.
Nvidia erhält im Gegenzug sowohl reguläre Produkterlöse als auch einen Anteil an den Cloud-Umsätzen der Plattform. Firmus erwartet in den ersten sechs Jahren Abnahmeverträge im Wert von 25 bis 30 Milliarden Dollar.
Wall Street zweifelt am KI-Zyklus
Der Deal kommt zu einem unruhigen Zeitpunkt. Die Nvidia-Aktie notiert rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Im vergangenen Monat verlor das Papier mehr als elf Prozent.
Gil Luria von D.A. Davidson argumentierte Ende Juni öffentlich, Micron und Nvidia würden gehandelt, als ob der KI-Investitionszyklus gerade seinen Höhepunkt erreiche. Indes haben AMD und Intel ihre Kurse in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Nvidia steht auf Jahressicht bei einem Plus von gut sechs Prozent — deutlich hinter dem breiteren Markt.
Das ist bemerkenswert, wenn man auf die Zahlen schaut.
Rekordergebnisse ohne Kursreaktion
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete Nvidia einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 92 Prozent auf 75,2 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen rund 91 Milliarden Dollar Umsatz.
Die Reaktion der Börse nach den Mai-Zahlen: ein Minus von knapp zwei Prozent. Analysten zeigen sich davon unbeeindruckt — der mittlere Kurszielkonsens liegt bei rund 300 Dollar, 48 Analysten empfehlen den Kauf.
Exportbeschränkungen als Dauerthema
Ein konkretes Risiko bleibt bestehen. Das US-Handelsministerium hat Anfang Juni eine Lücke geschlossen, über die Nvidia-Chips über Offshore-Töchter chinesischer Unternehmen bezogen werden konnten. JPMorgan und Bernstein schätzen den kumulierten Umsatzeffekt aus Exportbeschränkungen und chinesischem Wettbewerb auf 5,5 bis 16 Milliarden Dollar im laufenden Geschäftszyklus.
Der Batam-Deal zeigt, wie Nvidia darauf reagiert: mit gezieltem Aufbau von Nachfragepipelines außerhalb eingeschränkter Märkte. Ob das reicht, um den Kurs wieder über die 200-Dollar-Marke zu heben, hängt davon ab, wie schnell sich die Abnahmeverträge in tatsächliche Umsätze übersetzen — und ob der Markt den KI-Zyklus wirklich für beendet hält.
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