Die Chipbranche hat gerade eine ihrer heftigsten Wochen seit Monaten hinter sich. Rund 20 der wertvollsten Halbleiterkonzerne der Welt verloren seit vergangenem Freitag zusammen 1,3 Billionen Dollar an Marktwert, wie eine Analyse von CNBC auf Basis von FactSet-Daten zeigt. Nvidia bekam den größten Teil dieses Ausverkaufs ab: Der Konzern verlor seit Handelsschluss am Freitag 238 Milliarden Dollar an Wert.
Am Donnerstag kam die Wende. Die Nvidia-Aktie stieg um 1,93 Prozent und schloss bei 169,30 Euro. Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage ist das ein spürbares Lebenszeichen.
Auslöser: Enttäuschung bei SK Hynix
Der Ausverkauf traf nicht nur Nvidia. SK Hynix, Samsung Electronics und Micron verloren 176, 173 und 113 Milliarden Dollar an Wert. Verschärft hat sich die Lage, nachdem der südkoreanische Speicherchip-Riese SK Hynix trotz Rekordgewinn und Rekordumsatz die Erwartungen der Analysten verfehlte. Die Aktie brach zwischenzeitlich um mehr als 15 Prozent ein und schloss letztlich 9,61 Prozent tiefer.
Hinzu kamen Fortschritte Chinas bei der Fertigung fortschrittlicher Chips. Diese Nachricht nährte zusätzlich die Sorge, der KI-Investitionsboom könnte seinen Zenit überschritten haben. Der technologielastige Nasdaq 100 rutschte in Richtung einer Korrektur.
Analysten trennen jedoch klar zwischen Stimmung und Fundamentaldaten. Charlie Dai von Forrester ordnet den Ausverkauf weniger als Zeichen schwächelnder KI-Nachfrage ein. Vielmehr handle es sich um eine Neubewertung der Erwartungen nach einer außergewöhnlich starken Rally.
Nvidia hält sich besser als die Konkurrenz
Im Vergleich zur Konkurrenz zeigt sich Nvidia widerstandsfähiger. Marvell Technology verlor in der Woche 22,56 Prozent und im Monatsvergleich sogar 41,16 Prozent – der größte Verlierer der Gruppe. AMD und Marvell büßten je rund 22 Prozent ein, während Nvidia nur etwa 10 Prozent abgab.
Der Markt scheint Nvidia damit eine Art Premium-Status innerhalb der KI-Wertschöpfungskette zuzuschreiben. Die Bewertungskennzahlen liefern dafür Argumente: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 auf Basis der erwarteten Gewinne wächst der Umsatz um 85 Prozent im Jahresvergleich, bei einer Nettomarge von 55,6 Prozent. Der freie Cashflow lag zuletzt bei 48,55 Milliarden Dollar pro Quartal – Zahlen, die eine Bewertung von 22 nicht besonders anspruchsvoll erscheinen lassen.
Wall Street bleibt mehrheitlich optimistisch
Trotz der Volatilität bleibt die Analystenschar größtenteils konstruktiv gestimmt. Von 61 Analysten, die Nvidia abdecken, empfehlen 58 die Aktie zum Kauf oder zum starken Kauf. Nur zwei raten zum Halten, einer zum Verkauf.
Am aggressivsten positioniert sich Tristan Gerra von Baird mit einem Kursziel von 500 Dollar. Der Analyst bewertet Nvidia dabei nicht als reinen Chiphersteller, sondern als integrierte KI-Plattform. Zum Vergleich: Der Konsens aller 61 Analysten liegt bei 302,83 Dollar – das entspräche einem Aufwärtspotenzial von rund 59 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Die Erholung dieser Woche fällt zudem in eine Phase, in der Anleger die Ausgabenpläne der großen Tech-Konzerne genau beobachten. Alphabet-Aktien gerieten unter Druck, nachdem der Konzern seine Investitionsziele für den Ausbau der KI-Infrastruktur nach oben korrigiert hatte. Die Quartalszahlen von Microsoft, Amazon und Meta stehen noch aus – auch dort werden weitere Ausgabensteigerungen im KI-Bereich erwartet.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Ganz ausgestanden ist die Krise charttechnisch nicht. Die Aktie notiert weiterhin 16,40 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus dem Mai und liegt rund 5,53 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 179,21 Euro. Der RSI von 41,6 zeigt: Überverkauft ist die Aktie noch nicht, Spielraum für weitere Schwankungen bleibt.
Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 5,63 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 8,53 Prozent. Der langfristige Aufwärtstrend ist damit intakt, auch wenn die Debatte über die Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben den Sektor weiter beschäftigen dürfte.
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