Jensen Huang betritt morgen die Bühne in Taipeh — und die Erwartungen könnten kaum größer sein. Der Computex-Auftritt des Nvidia-Chefs am 1. Juni gilt als wichtigster Kurstreiber der Woche. Die Aktie steht dabei an einem technisch heiklen Punkt.
Kritische Marke im Blick
Nvidia notiert aktuell rund zehn Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 201,05 Euro vom 14. Mai. Der RSI liegt bei 36,4 — ein Wert, der auf überverkaufte Bedingungen hindeutet. Technisch bildet die Aktie ein sogenanntes Cup-and-Handle-Muster mit einer Tiefe von etwa 22 Prozent.
In US-Dollar liegt die entscheidende Marke bei 212 Dollar. Das entspricht dem früheren Allzeithoch und dient nun als Unterstützung. Hält dieses Niveau, könnte der Kurs das alte Hoch bei 236 Dollar erneut ansteuern. Das Analysten-Konsensus-Kursziel liegt bei 308 Dollar, Tigress Financial hat sogar 425 Dollar ausgegeben.
Neue Chip-Ära für den PC-Markt
Der eigentliche Fokus liegt auf dem Inhalt der Keynote. Nvidia und Microsoft haben am Freitag koordiniert Teaser veröffentlicht — beide deuten auf eine Ankündigung rund um eine neue PC-Ära hin. Gerüchte um den N1X-Chip kursieren seit Wochen.
Konkret geht es um Nvidias Einstieg in Consumer-Prozessor-Architekturen. Die Blackwell-Architektur, bislang vor allem für Rechenzentren gebaut, soll breiter eingesetzt werden. Windows on Arm spielt dabei eine zentrale Rolle. Das wäre ein echter strategischer Schwenk — weg vom reinen Datacenter-Anbieter, hin zum Plattformkonzern.
Rekordquartal, noch höhere Erwartungen
Die fundamentale Ausgangslage ist stark. Im ersten Fiskalquartal erzielte Nvidia 81,6 Milliarden Dollar Umsatz — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft steuerte allein 75,2 Milliarden Dollar bei.
Für das laufende Quartal peilt das Unternehmen 91 Milliarden Dollar an. Die Kaufverpflichtungen von Kunden haben sich auf 95,2 Milliarden Dollar fast verdoppelt. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 5,1 Billionen Dollar.
Kein Wunder, dass die Latte hoch liegt.
Energiefrage bremst den Sektor
Neben dem Keynote-Inhalt beobachten Investoren die Versorgungsseite. US-Rechenzentren stoßen zunehmend an Kapazitätsgrenzen beim Strom. Das könnte Lieferungen von GPU-Systemen verzögern — ein strukturelles Problem, das Nvidia in Taipeh adressieren dürfte.
Der PHLX-Halbleiterindex legte 2026 bislang 74 Prozent zu. Nvidia selbst kommt auf ein Plus von rund 13 Prozent seit Jahresbeginn — solide, aber deutlich weniger als der Sektorschnitt. Diese Lücke nährt Diskussionen über die Bewertung. Wie Huang morgen auf Energieeffizienz und neue Kühlarchitekturen eingeht, wird mitentscheiden, ob die Aktie die 212-Dollar-Marke verteidigen kann.
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