Nvidia steuert auf den Quartalsbericht kommenden Mittwoch zu, doch schon jetzt dominieren gewaltige Finanzierungskonstruktionen die Schlagzeilen. Der Chiphersteller hat gemeinsam mit sechs Finanzriesen – darunter Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR – ein Volumen von bis zu 500 Milliarden Dollar für den Ausbau von KI-Infrastruktur mobilisiert. Nvidia selbst garantiert dabei einen Restwert von bis zu 125 Milliarden Dollar für Kredite, die mit eigenen Grafikprozessoren besichert sind.
Die Konstruktion wirft Fragen auf. Kritiker ziehen Vergleiche zu Enron und der Telekom-Blase der frühen 2000er-Jahre, weil ein Teil der KI-Finanzierung als zirkulär gilt: Nvidia investiert in Kunden, die wiederum Nvidia-Chips kaufen.
Ein Beispiel ist die 1,5 Milliarden Dollar schwere Beteiligung an einem OpenAI-Rechenzentrum in Ohio mit einer geplanten Kapazität von 4,25 Gigawatt, für das Nvidia zusätzlich eine Garantie von 105 Milliarden Dollar übernimmt.
Nach Einschätzung von Analysten aus dem Umfeld des Investors Michael Burry könnte die tatsächliche Abschreibungslast der Branche über einen Zeitraum von drei Jahren um bis zu 176 Milliarden Dollar unterschätzt sein. Off-Balance-Sheet-Schulden im KI-Sektor werden auf rund 1,65 Billionen Dollar taxiert.
Erwägungen für weitere Milliardeninvestition
Parallel zu den Rechenzentrums-Deals prüft Nvidia offenbar eine Beteiligung an Mercury, einem Anbieter von KI-Trainingsdaten, zu einer Bewertung von 20 Milliarden Dollar. Mercury kommt Berichten zufolge auf einen Jahresumsatz von mehr als 2 Milliarden Dollar und zählt OpenAI, Google und Anthropic zu seinen Kunden. Die US-Aufsichtsbehörde BIS nennt derartige Recycling-Finanzierungen unterdessen als eines der drei größten Risiken für den KI-Sektor.
Auch in den Nordics tritt Nvidia als eine Art Vermittler auf: Laut CNBC-Quellen bringt das Unternehmen GPU-Kunden mit Rechenzentrumsbetreibern in Finnland und Norwegen zusammen. Dort entstehen im Gigawatt-Maßstab neue Kapazitäten, während in Schweden allein rund 2,3 Gigawatt auf den Netzanschluss warten.
Blick auf die Quartalszahlen
Trotz der Debatte um die Finanzierungsstruktur bleibt die operative Nachfrage nach Nvidia-Chips ungebrochen. Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. August vorgelegt wird, hat Nvidia selbst einen Umsatz von 91,0 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus zwei Prozent.
Der Analystenkonsens liegt mit 91,9 Milliarden Dollar leicht darüber, das erwartete Ergebnis je Aktie bei 2,08 Dollar. Im Vorquartal hatte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar erzielt, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben vom Datencenter-Geschäft mit einem Zuwachs von 92 Prozent.
Das Analysehaus Jefferies bezeichnet die KI-Nachfrage angesichts der Investitionen von Microsoft, Amazon, SpaceX und OpenAI als „rock-solid“. Stifel bestätigt ein Buy-Rating mit Kursziel 282 Dollar, während Morningstar den fairen Wert bei 280 Dollar sieht.
An der Börse in Deutschland notiert die Nvidia-Aktie aktuell bei 186,80 Euro und damit rund 7,8 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das im Mai erreicht wurde. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 168,41 Euro besteht dagegen ein Abstand von 11 Prozent nach oben – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt.
Anleger dürften die kommenden Tage vor allem nutzen, um abzuwägen, ob die milliardenschweren Finanzierungskonstruktionen das Wachstum absichern oder neue Risiken in die Bilanz tragen.
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