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Nvidia Aktie: 16,85 Prozent unter Mai-Hoch

Nvidia-Aktie fällt wegen Sorgen um OpenAI-Finanzierung, operative Kennzahlen bleiben robust und Analysten sehen hohes Kurspotenzial.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kursverlust durch OpenAI-Finanzierungspläne
  • Umsatz und Gewinn steigen um 65 Prozent
  • Analysten sehen 56 Prozent Aufwärtspotenzial
  • Langfristiger Trend bleibt intakt

Nvidia hat in den letzten Wochen kräftig Federn gelassen. Die Aktie notiert bei 168,38 Euro, liegt damit 16,85 Prozent unter dem Mai-Hoch von 202,50 Euro. Für mich überwiegt trotzdem das Argument für Gelassenheit gegenüber dem Argument für Panik.

Der Auslöser sitzt in der Bilanz, nicht in der Nachfrage

Was den jüngsten Ausverkauf ausgelöst hat, war kein Nachfrageproblem. Es waren Berichte, wonach Nvidia Gespräche führt, um eine Finanzierung von 250 Milliarden Dollar für OpenAI abzusichern. Das Geld soll Rechenleistung für ein US-Rechenzentrumsprojekt finanzieren.

Diese mögliche Garantie zählt zu den größten ihrer Art für den Chiphersteller. Sie befeuert die alte Sorge vor „zirkulärer“ Finanzierung — wenn Lieferanten gleichzeitig Großinvestoren ihrer eigenen Kunden sind. Kaum Tage zuvor hatte Nvidia bereits eine strategische Kooperation mit der SK Group verkündet, ein Deal jenseits der 500-Milliarden-Dollar-Marke.

Der Markt reagierte prompt. Am 27. Juli fiel die Aktie um mehr als 5 Prozent, der größte Tagesverlust seit Februar 2026. Der Kurs riss dabei mehrere gleitende Durchschnitte nach unten und markierte ein Tief nahe 195 Dollar.

Die Kritik dahinter ist berechtigt: Sollte die Nachfrage in der KI-Branche hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte sich das Verlustrisiko entlang der gesamten Lieferkette verstärken. Das ist aber eine Debatte über Bewertung und Finanzierungsstruktur — kein Beleg dafür, dass die Chipnachfrage selbst bröckelt.

Charttechnisch hat sich die Lage zwar eingetrübt. Die Aktie liegt 6,03 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, während der RSI von 40,5 auf eine bärische, aber noch nicht überverkaufte Stimmung hindeutet. Bemerkenswert: Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand nur noch 1,24 Prozent nach oben — der langfristige Trend ist also intakt.

Die Fundamentaldaten sprechen eine andere Sprache

Abseits der Finanzierungsschlagzeilen hat sich am operativen Geschäft wenig geändert. Im Geschäftsjahr 2026 kletterten Umsatz und Nettogewinn beide um 65 Prozent im Jahresvergleich. Der Umsatz stieg auf 215,9 Milliarden Dollar, nach 130,5 Milliarden im Vorjahr, der Nettogewinn erreichte 120,1 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge blieb robust, der freie Cashflow finanziert weiterhin sowohl Reinvestitionen als auch Ausschüttungen an Aktionäre.

Auch geopolitisch hat sich das China-Risiko eher entspannt als verschärft. Ein hoher US-Handelsvertreter erklärte, nur „sehr wenige“ H200-KI-Chips seien bislang nach China und Hongkong geliefert worden — eine „sehr kleine Menge“. Das ist eine leichte positive Nachricht: Lizenzen werden erteilt, Lieferungen laufen wieder an. Die Volumina bleiben zwar noch unbedeutend, aber ein Tail-Risiko ist damit vom Tisch, ohne bereits ein echter Wachstumstreiber zu sein.

Auf der Nachfrageseite zeigt sich der KI-Ausbau alles andere als schwach. Alphabet-Aktien brachen ein, nachdem der Konzern seine Investitionspläne für KI-Infrastruktur nach oben korrigierte. Auch von Microsoft, Amazon und Meta wurden zum Zeitpunkt der Berichte weitere Steigerungen bei KI-Investitionen erwartet. Steigende Investitionsbudgets der Hyperscaler sind für Nvidias Auftragsbuch grundsätzlich eine gute Nachricht — auch wenn der Markt das zuletzt lieber als Zeichen unhaltbarer Ausgaben gelesen hat.

Die Bullen-These hat noch Substanz

Die Lücke zwischen aktuellem Kurs und dem, was Analysten für fair halten, bleibt breit. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 262,76 Euro — ein Aufwärtspotenzial von rund 56 Prozent. Diese Spanne spiegelt echte Unsicherheit über kurzfristige Risiken, zeigt aber auch: Die langfristige These vom KI-Infrastruktur-Ausbau ist auf der Verkaufsseite nicht aufgegeben worden. Seit Jahresbeginn steht die Aktie noch mit 5,05 Prozent im Plus, auf Zwölf-Monats-Sicht mit 7,39 Prozent — der übergeordnete Trend ist trotz der jüngsten Turbulenzen nicht gebrochen.

Mein Fazit

Die Sorgen um zirkuläre Finanzierung bei OpenAI und SK Group sind berechtigt und verdienen genaue Beobachtung. Sie betreffen die Art, wie Nvidias Wachstum finanziert wird — nicht, ob die zugrunde liegende Nachfrage real ist. Nichts in den jüngsten Nachrichten deutet auf eine Verschlechterung bei Chipnachfrage, Margen oder Wettbewerbsposition hin.

Bei einem Kurs deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch und den Analystenzielen sieht die aktuelle Schwäche für mich mehr nach einer Bewertungs- und Stimmungskorrektur aus als nach dem Beginn eines strukturellen Abschwungs. Es ist eine Korrektur, die Nervosität über die Finanzierungsarchitektur widerspiegelt — kein Riss in der KI-Wachstumsgeschichte selbst.

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Diskussion zu Nvidia

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.