Nvidia hat am 23. Juli 2026 eine mehrjährige strategische Partnerschaft mit dem Halbleiter-Dienstleister Amkor Technology besiegelt. Kern der Vereinbarung ist eine Vorauszahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar, mit der Nvidia den Ausbau von Amkors Advanced-Packaging- und Testkapazitäten in den USA finanziert, insbesondere in Arizona. Debora Shoquist, bei Nvidia für den Bereich Operations zuständig, und Amkor-Chef Kevin Engel äußerten sich laut Mitteilung des Unternehmens zu dem Deal. Amkor liefert bereits heute Verpackungslösungen für Nvidias Data-Center-Prozessoren, Netzwerkchips und Systeme für beschleunigtes Rechnen.
Engpass bei der Chip-Verpackung als Wachstumsbremse
Die Vereinbarung zielt auf ein konkretes Problem: Engpässe bei fortschrittlichen Verpackungstechnologien limitieren derzeit die Auslieferung von KI-Beschleunigern. Die Partner wollen künftig Technologie-Roadmaps für High-Density-Interconnects und heterogene Chip-Integration gemeinsam ausrichten, um neue Verfahren schneller in die Serienfertigung zu bringen. Amkor selbst investiert parallel rund 2 Milliarden US-Dollar in eine neue Anlage in Peoria, Arizona, die mit 407 Millionen US-Dollar aus dem CHIPS Act gefördert wird. Erst im Juni hatte Amkor zudem eine zehnjährige Partnerschaft mit TSMC zur Stärkung der Packaging-Fähigkeiten in den USA vereinbart und arbeitet daneben auch mit AMD zusammen.
Für Nvidia reiht sich der Schritt in eine breitere Strategie zur Diversifizierung und Absicherung der eigenen Lieferkette ein. Der Advanced-Packaging-Markt insgesamt wird nach Einschätzung des Marktforschers Yole von 55 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf über 120 Milliarden US-Dollar bis 2031 wachsen, getrieben von KI-Chips, High-Bandwidth-Memory und hochwertigen Substraten. Ausbauprojekte laufen parallel bei ASE, PTI, Amkor, TSMC, SK Hynix, Ibiden und Unimicron, mit Fertigstellungen überwiegend zwischen 2027 und 2028.
Onshoring-Trend prägt die gesamte Zulieferkette
Der Amkor-Deal fügt sich in eine größere Verlagerung der Halbleiterfertigung in die USA ein. TSMC hat seine Gesamtinvestitionen in amerikanische Fabriken auf 265 Milliarden US-Dollar aufgestockt, nachdem zusätzlich 100 Milliarden US-Dollar zugesagt wurden – geplant sind zwölf Fabriken, darunter vier neue Standorte. Auch Wistron hat in Fort Worth, Texas, eine erste US-Fertigungsstätte für KI-Server eröffnet, die bereits Nvidias GB300 Grace-Blackwell-Ultra-Superchip produziert und künftig auch den Vera-Rubin-Superchip fertigen soll.
Die Reaktion der Aktienmärkte auf den Amkor-Deal fiel unterschiedlich aus: Während die Amkor-Aktie im nachbörslichen Handel um bis zu 17 Prozent zulegte, gab die Nvidia-Aktie in derselben Sitzung leicht um 0,4 Prozent nach – ein Hinweis darauf, dass Anleger den Deal in erster Linie als Wachstumssignal für den Zulieferer und weniger als unmittelbaren Kurstreiber für Nvidia selbst werteten.
Kursbild bleibt in der Konsolidierung
Am deutschen Aktienmarkt notiert Nvidia zuletzt bei 182,38 Euro und damit 0,66 Prozent leichter als am Vortag. Damit bewegt sich die Aktie weiterhin knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 180,83 Euro, was auf eine grundsätzlich intakte, aber wenig dynamische kurzfristige Tendenz hindeutet. Zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, erreicht Mitte Mai 2026, fehlen der Aktie derzeit knapp zehn Prozent. Für Anleger dürfte der Amkor-Deal weniger unmittelbare Kursrelevanz besitzen als vielmehr strategische Bedeutung: Er unterstreicht, wie stark Nvidia inzwischen bereit ist, in die eigene Zulieferkette zu investieren, um Engpässe bei KI-Hardware langfristig zu vermeiden.
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