Auf dem AI Summit in San Francisco haben südkoreanische Industriekonzerne und US-Technologiefirmen in den vergangenen Tagen Kooperationen im Gesamtvolumen von 950 Milliarden Dollar besiegelt. Nvidia ist mit einem eigenen Anteil von 500 Milliarden Dollar an der Seite der SK Group der zentrale Partner dieses Pakets, das die südkoreanische Regierung unter Präsident Lee Jae Myung als Startpunkt für eine neue KI-Ära des Landes präsentiert.
Südkorea positioniert sich als KI-Drehkreuz
Kern der Vereinbarung ist der Aufbau einer Vera-Rubin-KI-Fabrik mit einer Kapazität von bis zu zwei Gigawatt, die SK Telecom gemeinsam mit Nvidia bis 2027 errichten will. Parallel entwickelt SK Hynix mit Nvidia die nächste Generation von HBM-Speicherchips. Samsung wiederum vereinbarte mit Broadcom ein Memorandum über 200 Milliarden Dollar für Speicher- und Foundry-Kapazitäten bis 2030. Auch der koreanische Internetkonzern Naver ist eingebunden: Zusammen mit dem Investor Brookfield entsteht ein KI-Rechenzentrum im Wert von 10 Milliarden Dollar, wovon Nvidia selbst eine Milliarde Dollar beisteuert. Diese Investition ist laut Marktbeobachtern an die Bedingung geknüpft, dass Naver die restlichen neun Milliarden Dollar an Finanzierung selbst aufbringt – ein Modell, das Nvidia in ähnlicher Form bereits bei Partnern wie CoreWeave, Nebius und OpenAI genutzt hat. Zusätzlich kooperiert Nvidia mit Hyundai Motor bei Robotik und autonomem Fahren sowie mit KAIST in einem gemeinsamen Forschungslabor.
Noch am selben Wochenende meldete Nvidia einen weiteren, deutlich kleineren, aber strategisch bedeutsamen Schritt: Der Chipkonzern hat einen Vertrag über 1,5 Milliarden Dollar mit dem Halbleiter-Dienstleister Amkor Technology geschlossen, um fortschrittliche Packaging- und Testkapazitäten am Amkor-Standort in Arizona auszubauen. Die Vorauszahlung soll Engpässe bei High-Density-Interconnects lindern – einem der Flaschenhälse in der aktuellen KI-Hardware-Produktion.
Huang: „Dieses Mal ist es anders“
Firmenchef Jensen Huang wies zugleich Sorgen vor einem baldigen Ende des Chip-Booms zurück. „Dieses Mal ist es anders, weil die Nachfrage industriell getrieben ist“ und nicht saisonal schwanke, sagte er. Huang bezifferte den nötigen Wachstumsschub der Halbleiterindustrie für das kommende Jahrzehnt auf das Fünf- bis Zehnfache. Eine Blase werde irgendwann platzen, räumte er ein – allerdings nicht in absehbarer Zeit, solange Engpässe bei Chips, Flächen und Energie das Angebot begrenzten.
Diese Aussagen fallen in eine Phase, in der Ratingagentur Moody’s vor den finanziellen Belastungen der großen KI-Investoren warnt: Die addierten Investitionsausgaben von Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta, Oracle und CoreWeave sollen 2026 auf 785 Milliarden Dollar steigen und 2027 die Marke von einer Billion Dollar erreichen. Für Nvidia als wichtigsten Ausrüster dieser Konzerne ist das zunächst positiv – es unterstreicht aber auch, wie sehr das eigene Wachstum an die Investitionsbereitschaft weniger Großkunden gekoppelt bleibt.
Kursbild vor den Zahlen am 26. August
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt uneinheitlich: Am Freitag schloss das Papier bei 182,00 Euro, ein Minus von 0,80 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch, das im Mai erreicht wurde, notiert Nvidia damit gut zehn Prozent entfernt. Die Bewertung bleibt im historischen Vergleich moderat: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt nach Berechnungen aus dem Marktumfeld unter dem Durchschnitt des Nasdaq-100.
Auf den 26. August richten sich nun die Blicke der Anleger, wenn Nvidia seine nächsten Quartalszahlen vorlegt. Das Management hatte für das laufende Quartal einen Umsatz von rund 91 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, ein Plus von 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Wall Street bleibt mehrheitlich optimistisch: Morgan Stanley bestätigte sein Overweight-Rating mit einem Kursziel von 288 Dollar und verweist auf drei Wachstumssäulen – KI-Labore, Hyperscaler und staatliche beziehungsweise Unternehmenskunden. KeyBanc hob sein Kursziel jüngst auf 330 Dollar an. Der Analystenkonsens sieht das Kursziel bei rund 304 Dollar, deutlich über dem aktuellen Niveau.
Institutionelle Investoren bauten ihre Positionen im ersten Quartal überwiegend aus, während gleichzeitig einzelne Insider Aktien im Wert von rund 410,6 Millionen Dollar innerhalb von 90 Tagen verkauften – ein Muster, das bei einem Unternehmen dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich ist. Der Vorstand hatte zudem ein Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar genehmigt und die Quartalsdividende von einem auf 25 Cent je Aktie angehoben, was das Vertrauen in die eigene Kapitalstärke unterstreicht.
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