Startseite » Halbleiter » Nvidia Aktie: 125 Milliarden Dollar Garantie-Risiko

Nvidia Aktie: 125 Milliarden Dollar Garantie-Risiko

Nvidia sichert sich mit Wall-Street-Partnern 500 Milliarden Dollar für KI-Rechenzentren und wandelt sich vom Chip-Lieferanten zum Finanzierer.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kooperation mit sechs Finanzriesen
  • GPU-Finanzierung als neue Anlageklasse
  • Nvidia übernimmt bis zu 25 Prozent Garantie
  • OpenAI-Finanzierungsgarantie deutlich reduziert

Nvidia hat diese Woche etwas getan, das größer ist als jeder Chip-Launch der letzten Jahre: Der Konzern hat mit sechs der mächtigsten Namen der Wall Street – Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR – eine Absichtserklärung unterzeichnet, um mehr als 500 Milliarden Dollar für den Ausbau von KI-Infrastruktur zu mobilisieren.

Für mich ist das der eigentliche Ankerpunkt dieser Woche, nicht die Kursbewegung. Nvidia will KI-Rechenleistung zu einer eigenen Anlageklasse machen, besichert durch die eigenen Chips. Goldman Sachs bringt es unverblümt auf den Punkt: Man wolle „einen Markt für Kredite schaffen, besichert durch Nvidia-Compute“. Genau diese Formulierung sollte Anleger aufhorchen lassen.

Vom Chiphersteller zum Kreditgeber

Nvidia garantiert im Rahmen der Plattform laut den vorliegenden Vereinbarungen bis zu 25 Prozent des Kollateralwerts einzelner GPU-Projekte – ein Betrag, der sich auf bis zu 125 Milliarden Dollar summieren könnte.

Der Bloomberg-Analyst Simon White zieht dabei einen Vergleich, den ich für berechtigt halte: Er sieht Parallelen zu AIG vor der Finanzkrise 2008, als ein einzelner Konzern zum systemischen Rückversicherer eines ganzen Marktes wurde.

Aktuell liegen die Kreditraten für GPU-Finanzierungen laut dem Marktteilnehmer Ilya Kasyan von American Compute bei 9 bis 18 Prozent, bei Laufzeiten von drei bis fünf Jahren.

Bemerkenswert finde ich dabei eine Zahl, die im Trubel der Milliarden-Schlagzeilen leicht untergeht: Die durchschnittliche Auslastung dieser GPUs liegt laut CAST AI bei gerade einmal 5 Prozent. Wer Kredite gegen ein Asset vergibt, das kaum genutzt wird, geht ein Risiko ein, das sich nicht wegdiskutieren lässt.

Gleichzeitig zeigt der Fall Broadcom, wie schnell solche Modelle Nerven kosten können: Der Chip-Rivale verlor am Freitag über 5,9 Prozent, weil Anleger sein ähnlich gestricktes „Vendor-Guarantee“-Modell kritisch beäugten – Bank of America schätzt das maximale Restwertgarantie-Exposure dort bis Mitte 2029 auf 370 Milliarden Dollar. Nvidia bewegt sich in dieselbe Richtung, nur in noch größerem Maßstab.

Der Rückzieher bei OpenAI spricht Bände

Aufschlussreich ist für mich, wie Nvidia bereits nachjustiert. Die geplante Finanzierungsgarantie für das OpenAI-Rechenzentrum in Ohio wurde laut dem Wall Street Journal von ursprünglich 250 Milliarden Dollar auf unter 120 Milliarden Dollar gekürzt – offenbar, weil Investoren die Risikokonzentration zu kritisch sahen. Das lese ich als Signal: Selbst Nvidia selbst zieht Grenzen, wenn die Bedenken zu laut werden.

Für mich spricht das eher für Vorsicht als für blinde Euphorie, auch wenn Morgan Stanley und Bank of America das Gesamtpaket als Entlastung bei Sorgen um zirkuläre Finanzierung werten.

Parallel dazu wächst die Verschuldung im gesamten Ökosystem. Hyperscaler-Leasingverpflichtungen sind laut Marktbeobachtungen auf 1,5 Billionen Dollar gestiegen, gegenüber rund 200 Milliarden Dollar vor fünf Jahren – gut eine Billion Dollar davon gilt als „uncommenced“, also noch nicht einmal begonnen.

PIMCO bezeichnet den aktuellen Investitionszyklus als möglicherweise größten seit dem Eisenbahnbau des 19. Jahrhunderts. Solche historischen Vergleiche wecken bei mir gemischte Gefühle: Sie beschreiben echtes Wachstum, aber auch echte Spekulationsdynamik.

Kurs bewegt sich seitwärts, die Story wird größer

Der Aktienkurs selbst zeigte sich zuletzt vergleichsweise ruhig: Zum Freitagsschluss stand Nvidia bei 194,74 Euro, ein Minus von 0,4 Prozent auf Tagesbasis.

Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 5,1 Prozent zu Buche, und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt lediglich 3,8 Prozent. Der Markt scheint die 500-Milliarden-Ankündigung also eher als Bestätigung der Wachstumsstory zu lesen denn als Warnsignal.

Unterm Strich sehe ich in dieser Entwicklung zwei Nvidias gleichzeitig: den weiterhin dominanten Chiphersteller mit ungebrochener Nachfrage – und einen Konzern, der sich zunehmend als Finanzarchitekt eines ganzen Marktes positioniert. Diese zweite Rolle bringt Chancen, aber auch Risiken mit sich, die sich nicht allein aus Chip-Bestellungen ablesen lassen.

Wer Nvidia heute bewertet, bewertet nicht mehr nur einen Halbleiterkonzern, sondern faktisch auch die Kreditqualität eines ganzen KI-Infrastruktur-Ökosystems. Genau darin liegt für mich der eigentliche Knackpunkt der kommenden Monate.

Anzeige

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 15. August liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nvidia

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.