Nvidias neueste GPU-Generation ist so gefragt, dass sie kaum zu bekommen ist. Analysten sprechen von „ungewöhnlich starker“ Nachfrage nach den Blackwell-Systemen GB300 und B300 — und das in einer Phase, in der der Produktzyklus eigentlich schon reifer ist.
Engpass bei Speicher bremst Lieferungen
Wedbush-Analysten Matt Bryson und Antoine Legault sehen Parallelen zu den Hochphasen der Ampere- und Hopper-Generationen. Der Flaschenhals liegt diesmal beim DRAM und High Bandwidth Memory (HBM). Wer diese Chips nicht gesichert hat, kann nicht liefern.
Nvidia hat. Das Unternehmen hat seine HBM- und DRAM-Versorgung für 2026 und voraussichtlich auch für 2027 langfristig gesichert. CFO Colette Kress nannte zuletzt rund 124 Milliarden Dollar an Kaufverpflichtungen. Wedbush bewertet Nvidia deshalb als das am besten aufgestellte Unternehmen im gesamten Tech-Ökosystem — und hält das Kursziel bei 330 Dollar mit „Outperform“.
Kumo AI: Nvidia greift nach Unternehmensdaten
Am 3. Juni kaufte Nvidia das KI-Startup Kumo AI für rund 400 Millionen Dollar. Kumo spezialisiert sich auf prädiktive KI-Software für Unternehmen, besonders im Finanzsektor. Das Kernprodukt KumoRFM-2 verarbeitet Daten mit 5 GB/s und schafft bis zu 20 Millionen Abfragen pro Sekunde. Es skaliert auf 500 Milliarden Datensätze und erreicht auf dem SAP SALT-Benchmark eine Trefferquote von 89 Prozent.
Marktbeobachter werten den Schritt als Beweis, dass Nvidia vom reinen Hardwarelieferanten zum Plattformanbieter wird. Kumos Technologie soll direkt in die Nvidia AI Foundry integriert werden.
Starke Zahlen, aber Gegenwind im Chart
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar — ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Datenzentrum-Segment steuerte allein 75,2 Milliarden Dollar bei. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,87 Dollar und übertraf die Konsensschätzungen. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen rund 91 Milliarden Dollar Umsatz, ohne Einnahmen aus China einzurechnen.
An der Börse spiegelt sich das bisher nur bedingt wider. Die Aktie notiert bei 176 Euro und liegt damit rund 13 Prozent unter dem Allzeithoch von 202,50 Euro aus dem Mai. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 6,5 Prozent. Auslöser war unter anderem eine schwache Prognose von Broadcom, die den gesamten Halbleitersektor belastete.
CEO Jensen Huang kommentierte den Rücksetzer am 8. Juni als Kaufgelegenheit. Zeitgleich meldete Direktor Mark Stevens zwischen dem 2. und 4. Juni den Verkauf von einer Million Aktien für rund 221 Millionen Dollar.
Südkorea als nächster Wachstumsmarkt
Ebenfalls am 8. Juni gab Nvidia eine Reihe von Partnerschaften in Südkorea bekannt. SK Hynix arbeitet künftig an der Entwicklung neuer Speicherchips mit Nvidia zusammen. NAVER und SK Telecom planen große KI-Rechenzentren auf Basis von Nvidia-Technologie. SK Telecom will sogar ein Gigawatt-skaliertes KI-Cloud-Netz aufbauen — das erste Rechenzentrum soll 2027 in Betrieb gehen.
Das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar und eine erhöhte Quartalsdividende von 0,25 Dollar je Aktie runden das Bild ab. Operativ läuft das Geschäft. Die Frage ist, ob der Kurs den Fundamentaldaten folgt — oder ob der Abstand zum Hoch noch größer wird, bevor er sich schließt.
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