Nvidia verhandelt laut Reuters über eine Beteiligung von bis zu 10 Milliarden US-Dollar an dem geplanten Börsengang von Anthropic. Die Nachrichtenagentur berief sich am Freitag auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen.
Der Entwickler des Chatbots Claude will bei dem Listing bis zu 100 Milliarden US-Dollar einsammeln, die angestrebte Bewertung liegt bei rund 2 Billionen US-Dollar. Damit würde Anthropic zum größten Börsengang der Geschichte und selbst den Umfang des SpaceX-Listings übertreffen.
Die Pläne befinden sich nach Angaben der beteiligten Kreise noch in der Diskussion und können sich ändern. Sollte Nvidia tatsächlich als Ankerinvestor einsteigen, wäre das kein Novum in der Beziehung beider Unternehmen: Bereits im November 2025 hatte Nvidia eine Investition von bis zu 10 Milliarden US-Dollar in Anthropic zugesagt, während der KI-Konzern im Gegenzug Cloud-Kapazitäten bei Microsoft Azure im Volumen von 30 Milliarden US-Dollar orderte. Im Mai hatte Anthropic bereits 65 Milliarden US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar eingesammelt.
Rasantes Umsatzwachstum treibt die Bewertung
Die avisierte Bewertung von rund 2 Billionen US-Dollar wirkt auch vor dem Hintergrund der Geschäftsentwicklung ambitioniert, aber nicht aus der Luft gegriffen.
Anthropic kam Ende Juli auf eine annualisierte Umsatzrate von mehr als 65 Milliarden US-Dollar, verglichen mit rund 9 Milliarden US-Dollar Ende 2025. Für 2028 rechnet das Unternehmen intern mit 190 bis 200 Milliarden US-Dollar. Das IPO soll noch vor den US-Zwischenwahlen im November stattfinden, Medienberichten zufolge womöglich bereits im Oktober.
Für Nvidia ist die mögliche Beteiligung mehr als eine reine Finanzwette. Der Chiphersteller ist zugleich zentraler Ausrüster für Anthropics Recheninfrastruktur und würde mit einem Investment die eigene Position als bevorzugter Hardwarepartner in der KI-Wertschöpfungskette weiter zementieren.
Wie eng die großen Cloud-Anbieter bereits heute mit Anthropic verflochten sind, zeigen auch die jüngsten Quartalszahlen von Amazon und Alphabet, die beide Gewinnbeiträge aus ihren Anthropic-Beteiligungen ausweisen.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat die Nachricht bislang keine größere Bewegung ausgelöst. Die Nvidia-Aktie schloss am Freitag bei 188,22 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Über die vergangene Woche verlor das Papier 5,1 Prozent und notiert damit rund 7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das Mitte Mai markiert wurde.
Der Relative-Stärke-Index von knapp 49 signalisiert weder eine Überkauft- noch eine Überverkauft-Situation, was auf eine derzeit abwartende Haltung der Anleger hindeutet.
Kritische Stimmen aus dem eigenen Anthropic-Umfeld sorgten zuletzt zusätzlich für Diskussionsstoff rund um den geplanten Börsengang. Ein Anthropic-Forscher war im September zurückgetreten, während der hauseigene Alignment-Verantwortliche öffentlich eine Wahrscheinlichkeit von über 10 Prozent nannte, dass KI-Systeme binnen zehn Jahren die gesamte Menschheit auslöschen könnten.
Für Nvidia ändert das an der strategischen Logik einer Beteiligung wenig – das Unternehmen bleibt auch als Zulieferer der wichtigsten KI-Labore direkt von deren weiterem Wachstum abhängig. Ob die Gespräche tatsächlich zu einem verbindlichen Investment führen, ist derzeit offen.
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