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Novo Nordisk Aktie: Ziltivekimab verfehlt Studienziel

Novo Nordisk kämpft mit drittem Studien-Fiasko und wachsender Konkurrenz durch Eli Lilly. Die Quartalszahlen am 5. August werden zum entscheidenden Stimmungstest für die Turnaround-Hoffnungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Dritter Rückschlag in diesem Jahr
  • Ziltivekimab verfehlt Hauptziel in Studie
  • Eli Lilly gewinnt zunehmend Marktanteile
  • Preissenkungen für Wegovy und Ozempic geplant

Novo Nordisk steht diese Woche vor einer Bewährungsprobe. Am 5. August legt der dänische Pharmakonzern Zahlen zum zweiten Quartal vor — und nach den Ereignissen der vergangenen Woche wird dieser Termin zum Stimmungstest für die gesamte Turnaround-Story.

Die Aktie notiert bei 40,97 Euro, kaum verändert zum Vortag. Das wirkt beruhigend, ist es aber nicht. Der Kurs liegt 25,33 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, aufgestellt erst am 23. Januar. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen hat die Aktie 6,39 Prozent verloren.

Ein Pipeline-Rückschlag, der die Zweifel verstärkt

Der jüngste Schlag kam am Freitag. Der Wirkstoff Ziltivekimab, ein Hoffnungsträger im Herz-Kreislauf-Bereich, verfehlte in einer Spätphasenstudie sein Hauptziel: Er reduzierte schwere kardiovaskuläre Ereignisse gegenüber Placebo nicht statistisch signifikant. Die Aktie brach daraufhin zeitweise um bis zu 10 Prozent ein.

Novos Forschungschef versuchte, den Schaden zu begrenzen. Er betonte, das Ergebnis ändere nichts an der strategischen Ausrichtung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Markt zeigte sich davon unbeeindruckt — und das aus gutem Grund. Es ist bereits der dritte enttäuschende Studienrückschlag in diesem Jahr, nach dem gescheiterten CagriSema-Readout und zwei Gewinnwarnungen. Für mich verdichtet sich hier ein Muster: Die Forschungsabteilung liefert nicht das, was die Story vom Comeback bräuchte.

Eli Lilly zieht davon

Das eigentliche Problem sitzt tiefer als eine einzelne Studie. Eli Lilly gewinnt mit seinen konkurrierenden Abnehmpräparaten rasant Marktanteile — und Novo hat darauf bislang keine überzeugende Antwort gefunden.

Die orale Wegovy-Pille sollte eigentlich das Gegengewicht bilden. Der Konzern hat sie mittlerweile in weiteren Ländern eingeführt. Nur: Die Pille bringt niedrigere Preise mit sich und macht bislang lediglich einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes aus. Als echtes Gegengewicht zu Lillys Wachstum taugt sie also noch nicht.

Langfristig wiegt die Bedrohung schwerer. Lillys Dreifach-Wirkstoff Retatrutide zeigte in Studien einen Gewichtsverlust von bis zu 28 Prozent und soll im ersten Quartal 2027 zur Zulassung eingereicht werden. Setzt sich das Mittel durch, dürfte es Wegovy noch stärker unter Druck setzen, als Zepbound das bereits tut. Genau dieser Überhang macht es schwer, an eine baldige Neubewertung der Aktie zu glauben — selbst nach dem happigen Kursverlust dieses Jahres.

Preiszugeständnisse begrenzen die Erholungschance

Novo hat bereits angekündigt, ab Januar 2027 die Preise für Wegovy um 50 Prozent und für Ozempic um 35 Prozent zu senken. Das schützt Absatzmengen gegen Lilly und Generika-Konkurrenz, deckelt aber gleichzeitig künftige Margen. Die Aktie handelt derzeit mit einem KGV von rund 12 — ein Bewertungsniveau, das diese Unsicherheit bereits einpreist.

Der Tausch ist nachvollziehbar: Preismacht gegen Volumen. Wer aber auf eine schnelle Erholung der Profitabilität hofft, dürfte enttäuscht werden, selbst wenn sich die Stückzahlen stabilisieren.

Charttechnik ohne klare Richtung

Bei 40,97 Euro notiert die Aktie fast exakt auf ihrem 50-Tage-Durchschnitt und nur 1,54 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 40,34 Euro. Das deutet auf eine enge Handelsspanne ohne klaren Trend hin. Der RSI von 42,2 signalisiert neutral bis leicht bärische Dynamik — keine überverkaufte Lage, die Schnäppchenjäger anlocken würde.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 34,19 Prozent. Was auch immer die Zahlen am 5. August bringen: Die Reaktion dürfte heftig ausfallen.

Seit dem Jahrestief von 30,25 Euro am 2. März hat sich die Aktie um 35,42 Prozent erholt. Das zeigt: Die Stimmung kann schnell drehen, sobald gute Nachrichten kommen — etwa neue Zulassungen für die Wegovy-Pille. Der Rückgang von 6,95 Prozent seit Jahresbeginn zeigt aber auch, dass solche Erholungsphasen den übergeordneten Abwärtstrend bislang nicht gebrochen haben.

Der Härtetest am 5. August

Für mich ist klar: Die wichtigste Kennziffer im Quartalsbericht wird die Therapietreue bei der Wegovy-Pille sein, während Patienten die Dosis steigern. Genau das entscheidet, ob aus Rezeptzahlen dauerhafter Umsatz pro Patient wird. Bestätigt der Konzern robuste Verschreibungszahlen in den USA und Zugkraft aus neuen internationalen Märkten, gewinnt die Bullen-These an Substanz. Deutet sich dagegen an, dass die Preiserosion schneller läuft als der Mengenzuwachs, bekommen die Skeptiker recht.

Angesichts der Häufung von Rückschlägen — gescheiterte Herzstudie, margenbelastende Preiszugeständnisse, wachsender Abstand zu Eli Lilly — überwiegt aus meiner Sicht vor den Zahlen die Vorsicht. Technisch bewegt sich die Aktie zwischen ihren Durchschnittslinien in der Balance. Fundamental spricht aber mehr für weiteren Druck nach unten, solange Novo nicht mit belastbaren Zahlen zeigt, dass Pillen-Strategie und neue Pipeline das auffangen können, was Eli Lilly gerade wegnimmt.

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Diskussion zu Novo Nordisk

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.