Ein Wert von 40,4 Prozent klingt nach einem Durchbruch. Genau das ist er auch – aber er reicht offenbar nicht, um die Stimmung rund um Novo Nordisk zu drehen. Am Montag verkündete das Unternehmen erste Ergebnisse der STEP-Young-Phase-3-Studie: Bei Kindern zwischen 6 und unter 12 Jahren, die mit Semaglutid behandelt wurden, galten nach 68 Wochen 40,4 Prozent nicht mehr als adipös.
Der primäre Endpunkt zur BMI-Reduktion wurde erreicht, Sicherheit und Verträglichkeit blieben laut Unternehmensangaben im Rahmen früherer Semaglutid- und Liraglutid-Studien. Für mich ist das der eigentliche Silberstreif dieser Woche – und trotzdem reicht er nicht, um über die strukturellen Fragezeichen hinwegzutäuschen, die derzeit über der Aktie schweben.
Die Pipeline zeigt zwei Gesichter
Denn während die pädiatrische Studie Hoffnung macht, kam aus einer anderen Ecke der Pipeline zeitgleich eine Enttäuschung. Novo Nordisk stellte gestern zwei zusätzliche Ziltivekimab-Studien zur Herzinsuffizienz vorzeitig ein, nachdem ein unabhängiges Datenüberwachungskomitee zu dem Schluss kam, dass ein anderes Ergebnis als in der bereits gescheiterten kardiovaskulären Studie unwahrscheinlich sei. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt: Der erste Rückschlag bei Ziltivekimab war kein Ausreißer, sondern offenbar Symptom eines grundsätzlicheren Problems mit diesem Wirkstoffkandidaten.
Immerhin läuft eine weitere Studie an Patienten nach Herzinfarkt planmäßig weiter, Ergebnisse werden für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet – ein Silberstreif, der aber erst in gut einem Jahr Klarheit bringt.
Aus meiner Sicht ist genau diese Gemengelage das Grundproblem der Novo-Nordisk-Geschichte im Moment: Es gibt echte wissenschaftliche Fortschritte, aber sie kommen selten ohne Begleitschaden.
Die Pädiatrie-Daten sind vielversprechend, doch sie betreffen ein Marktsegment, das kommerziell erst in Jahren relevant wird. Die Herzinsuffizienz-Pipeline dagegen sollte eigentlich helfen, das Portfolio jenseits von Diabetes und Adipositas zu verbreitern – und genau dort bröckelt es gerade.
Wegovy-Tablette: Wachstumshoffnung mit Fragezeichen
Vor gut einer Woche brachte Novo Nordisk zudem die Wegovy-Tablette in Deutschland auf den Markt und erweiterte damit den Rollout der oralen Semaglutid-Variante auf einen weiteren europäischen Markt. Das ist strategisch folgerichtig, doch der Aktienkurs hat seither um 4,4 Prozent nachgegeben – ein Hinweis darauf, dass der Markt diese Expansion längst eingepreist hatte oder ihr schlicht nicht die erhoffte Zugkraft zutraut.
Hinzu kommt eine nüchterne Einschätzung vom 2. September: Citi bekräftigte damals eine Sell-Einstufung mit Kursziel 265 dänische Kronen und verwies auf schwächelnde GLP-1-Verschreibungstrends in wöchentlichen IQVIA-Daten.
Diese Einschätzung ist inzwischen über eine Woche alt, doch sie passt ins Bild: Der eigentliche Belastungsfaktor für die Aktie liegt weniger in einzelnen Studienergebnissen als in der Sorge, dass Novo Nordisk im hart umkämpften Abnehmspritzen-Markt Anteile verliert.
Am 21. September steht der Kapitalmarkttag an – für mich der eigentliche Prüfstein. Dort muss das Management erklären, wie die Pädiatrie-Erfolge und die verbliebene Herzinsuffizienz-Studie in eine überzeugende mittelfristige Wachstumsstory münden sollen, die über das reine Diabetes-Adipositas-Duopol hinausgeht.
Fazit
Unterm Strich sehe ich Novo Nordisk in einer Phase, in der gute Nachrichten selektiv wirken und schlechte Nachrichten breit nachhallen. Die STEP-Young-Daten sind wissenschaftlich beeindruckend, ändern aber nichts an der kurzfristigen Wettbewerbsdynamik im GLP-1-Markt. Die eingestellten Ziltivekimab-Studien schmälern die Diversifizierungshoffnung.
Für mich überwiegt derzeit die Skepsis – nicht weil die Pipeline schwach wäre, sondern weil der Markt gerade jeden Fortschritt gegen die bestehenden Zweifel abwägt, statt ihn als eigenständiges Signal zu werten. Der Kapitalmarkttag Ende September dürfte zeigen, ob sich das ändert.
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