Novo Nordisk richtet seine interne Organisation neu aus, um dem verschärften Wettbewerb bei Adipositas-Therapien zu begegnen. Wie Reuters berichtete, hat CEO Mike Doustdar die Belegschaft am Dienstag dazu aufgerufen, eine stärker auf Kunden ausgerichtete Unternehmenskultur anzunehmen. Ziel sei es, im Markt für Medikamente gegen Fettleibigkeit verlorenen Boden wieder gutzumachen.
Der Appell folgt auf die am Montag bekannt gegebene Maßnahme, im Außenauftritt im Alltag künftig als „Novo“ aufzutreten. Diesen Schritt verknüpfte das Management mit einem grundlegenden kulturellen Neuanfang. Im vorbörslichen Handel notiert das Papier bei 36,48 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Rückgang von 17 Prozent und liegt damit 34 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro.
Belastende Rückschläge abseits des Kerngeschäfts
Der Druck auf die Unternehmensführung hat zuletzt zugenommen, da sich die erhoffte Diversifizierung außerhalb von Diabetes und Adipositas schwieriger gestaltet als geplant.
Am 7. September stoppte der Konzern die beiden Phase-3-Studien HERMES und ATHENA mit dem experimentellen Herz-Kreislauf-Wirkstoff Ziltivekimab. Vorausgegangen war das Urteil eines unabhängigen Datenüberwachungsausschusses, der eine geringe Wahrscheinlichkeit für einen klinisch bedeutsamen Nutzen in den beiden Testreihen festgestellt hatte.
Dieser Entwicklungsstopp dämpfte die Aussichten, zügig neue Standbeine außerhalb der angestammten GLP-1-Präparate aufzubauen. Damit wächst für Novo Nordisk die Notwendigkeit, das bestehende Kerngeschäft gegen die Konkurrenz zu verteidigen und gleichzeitig neue Anwendungsgebiete für bewährte Wirkstoffe zu erschließen.
Markterweiterungen im GLP-1-Segment
Trotz der Dämpfer in der kardiovaskulären Forschung meldete der Konzern zuletzt Fortschritte bei der Ausweitung bestehender Medikamente. Am 10. September erteilten die chinesischen Zulassungsbehörden Wegovy die Freigabe zur Behandlung der metabolischen Dysfunktion-assoziierten Steatohepatitis (MASH). Es handelt sich dabei um die erste Zulassung eines GLP-1-Rezeptor-Agonisten für diese schwere Lebererkrankung im chinesischen Markt.
Zudem legte das Unternehmen am 7. September Daten aus einer Spätphasenstudie zu Semaglutid vor. Demnach galten nach 68 Wochen Behandlungsdauer 40,4 Prozent der teilnehmenden Kinder im Alter von 6 bis unter 12 Jahren bei vollständiger Therapietreue nicht mehr als fettleibig.
Für Anleger verdeutlichen diese Entwicklungen, dass die kurzfristige Ertragskraft weiterhin primär an der Marktdurchdringung und Indikationserweiterung der GLP-1-Produktfamilie hängt, während die Konzernspitze parallel versucht, die interne Schlagkraft zu erhöhen.
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