Novo Nordisk hat eine ereignisreiche Woche hinter sich — und trotzdem steht am Ende ein Minus. Neue Partnerschaften, zwei frische Phase-1-Programme und ein bevorstehender Investorentag zeigen, wie aktiv der dänische Pharmariese seine Pipeline ausbaut. Der Aktienkurs honoriert das bislang nicht.
Wegovy als Kombinationspartner
Das markanteste Ereignis der Woche war eine SEC-Meldung des US-Biotechs Veru Inc. Darin wurde eine klinische Liefervereinbarung mit Novo Nordisk offengelegt: Veru testet in seiner Phase-2b-Studie PLATEAU die Kombination des oralen Wirkstoffs Enobosarm — ein selektiver Androgenrezeptor-Modulator — mit Wegovy (Semaglutid) bei älteren adipösen Patienten. Novo Nordisk stellt das Medikament kostenlos bereit, erhält dafür aber Vorverhandlungsrechte für mögliche kommerzielle Kombinationsprodukte mit GLP-1-Agonisten.
Die Reaktion an den Märkten war eindeutig: Veru-Aktien schossen am Tag der Bekanntgabe um mehr als 167 Prozent nach oben. Novo Nordisk selbst legte am Donnerstag rund 4 Prozent zu — zu wenig, um die Wochenverluste auszugleichen. Auf Sieben-Tage-Sicht verlor die Aktie 4,35 Prozent und schloss den Freitag bei 37,35 Euro.
Zwei neue Phase-1-Programme
Parallel zur Veru-Vereinbarung starteten zwei frühe interne Entwicklungsprogramme. NNC0497-0040 befindet sich seit Mai 2026 in einer randomisierten, vierfach verblindeten Phase-1-Studie, die derzeit Teilnehmer rekrutiert. Patienten, Ärzte, Studienpersonal und Ergebnisbewerter wissen dabei nicht, wer den Wirkstoff erhält.
Ein zweites Phase-1-Programm läuft für NNC0113-5840, einen injizierbaren Adipositas-Kandidaten. Die Studie wurde im April 2026 eingereicht und rekrutiert ebenfalls noch. Beide Programme befinden sich in der frühesten Sicherheitsphase — klinisch relevante Ergebnisse sind noch weit entfernt.
ADA-Investorentag als nächster Stimmungstest
Am Sonntag, 7. Juni, veranstaltet Novo Nordisk einen R&D-Investorentag rund um die Jahrestagung der American Diabetes Association in New Orleans. Das Unternehmen präsentiert dort 40 Abstracts, darunter Phase-3-Daten für CagriSema — eine fixe Kombination aus Semaglutid und dem experimentellen Amylin-Analogon Cagrilintide. CagriSema wurde im Dezember 2025 bei der US-Zulassungsbehörde eingereicht, eine Entscheidung wird im vierten Quartal 2026 erwartet. Ferner werden neue Daten der mittleren Entwicklungsphase für den injizierbaren Kandidaten Zenagamtide vorgestellt.
Rückkauf läuft, Analysten uneins
Im Hintergrund stützt ein laufendes Aktienrückkaufprogramm den Kurs mechanisch. Bis Februar 2027 will Novo Nordisk B-Aktien im Wert von bis zu 11,2 Milliarden dänischen Kronen zurückkaufen. Bis Ende Mai wurden bereits knapp 17,9 Millionen Aktien zu einem Durchschnittspreis von rund 263 dänischen Kronen erworben.
Die Analystengemeinde ist gespalten. Von 23 erfassten Brokerhäusern empfehlen 18 das Papier mit „Halten“, vier mit „Kaufen“ und eines mit „Verkaufen“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 65,56 US-Dollar. Goldman Sachs bestätigte am 3. Juni seine Halteempfehlung. Die unterschiedlichen Einschätzungen spiegeln vor allem verschiedene Annahmen über den US-Preisdruck bei Wegovy, den Verlauf internationaler Pillenmarkteinführungen in der zweiten Jahreshälfte und den Wettbewerb durch Eli Lillys Tirzepatid wider.
Die Aktie notiert mit rund 10 Prozent Abstand unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 41,67 Euro — der Kurs hat sich seit dem Märztief zwar erholt, liegt aber noch immer fast 47 Prozent unter dem Jahreshoch vom Juni 2025. Novo Nordisk selbst erwartet für 2026 einen Umsatz- und Betriebsgewinnrückgang von fünf bis dreizehn Prozent, belastet durch auslaufende Semaglutid-Exklusivitäten in mehreren Märkten und Preisdruck in den USA. Der nächste Zahlentermin ist der 5. August 2026.
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