Ausgerechnet jetzt, wo Novo Nordisk mit einem gescheiterten Pipeline-Kandidaten kämpft, kommt aus Berlin ein Vorstoß, der die Zukunft der Abnehmspritzen grundlegend verändern könnte. Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Sonja Optendrenk, zeigte sich offen dafür, GLP-1-Präparate wie Wegovy künftig als Kassenleistung anzuerkennen. Bislang gelten sie in Deutschland als Lifestyle-Arzneimittel, die Patienten aus eigener Tasche bezahlen müssen – mehrere Hundert Euro im Monat.
Kassen-Debatte trifft schwachen Kurs
Ein schneller Kurstreiber ist der Vorstoß nicht. Die Aktie schloss in Kopenhagen 1,84 Prozent tiefer bei 300,85 dänischen Kronen. Optendrenk selbst dämpfte Erwartungen: Ohne Langzeitstudien und ein klares Versorgungskonzept bleibe eine Abnehmspritze allein keine Lösung, betonte sie. Der Gesetzgeber müsse den G-BA erst beauftragen, Patientengruppen und Rahmenbedingungen zu klären – ein Prozess, der Jahre dauern kann.
Rückschlag bei Ziltivekimab drückt auf die Stimmung
Belastender für die Aktie war zuletzt ein anderer Fehlschlag. Die Phase-3-Studie ZEUS mit dem Antikörper Ziltivekimab senkte zwar Entzündungsmarker, reduzierte schwere kardiovaskuläre Ereignisse gegenüber Placebo aber nicht – die Hazard Ratio von 0,99 signalisiert praktisch keinen Unterschied. Der ADR brach daraufhin am 31. Juli um 8,8 Prozent auf 47,08 US-Dollar ein. Für den Konzern ist das ein Dämpfer bei der geplanten Verbreiterung des Portfolios über Diabetes und Adipositas hinaus, nachdem bereits Enttäuschungen rund um den Wirkstoff CagriSema die Erwartungen gedrückt hatten.
Operativ zeigt sich ein gemischtes Bild. Im ersten Quartal stieg der ausgewiesene Umsatz um 32 Prozent auf 96,8 Milliarden dänische Kronen, getrieben auch von einer Sonderauflösung im US-Programm 340B. Bereinigt um diesen Effekt sanken die Erlöse zu konstanten Wechselkursen um vier Prozent, der operative Gewinn um sechs Prozent – ein Zeichen für den wachsenden Preisdruck im US-Geschäft.
Ein Lichtblick bleibt die im Januar gestartete Wegovy-Tablette. Sie erzielte im Auftaktquartal 2,26 Milliarden Kronen Umsatz und übertraf die Markterwartungen von 1,16 Milliarden Kronen deutlich, unterstützt von rund 1,3 Millionen Verschreibungen. Novo Nordisk hob deshalb die Jahresprognose für 2026 leicht an, auf einen erwarteten Rückgang von vier bis zwölf Prozent bei Umsatz und operativem Gewinn.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Die Analysteneinschätzungen fallen entsprechend zurückhaltend aus. JPMorgan bewertet die Aktie mit „Neutral“ und einem Kursziel von 250 dänischen Kronen, die Deutsche Bank sieht bei „Hold“ ein Ziel von 290 Kronen. Der Kurs notiert damit knapp über der 200-Tage-Linie bei 46,65 US-Dollar, deutlicher über dem GD 100 bei 43,73 US-Dollar.
Unterhalb warten Unterstützungen bei 40 und 35 US-Dollar. Oberhalb bilden 50 und 60 US-Dollar die nächsten Widerstände – ein Rückfall unter die 200-Tage-Linie würde die jüngste Erholung infrage stellen. Die anstehenden Halbjahreszahlen dürften zeigen, ob die Wegovy-Tablette den Rückschlag bei Ziltivekimab kompensieren kann, während die deutsche Kostendebatte frühestens mittelfristig Wirkung entfalten würde.
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