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Novo Nordisk Aktie: Redefine 4 verfehlt Lilly

Novo Nordisks Kombinationstherapie CagriSema verfehlt in Phase-3-Studie das Überlegenheitsziel gegen Eli Lillys Tirzepatid. Trotz Rückschlag hält der Konzern an Zulassungsplänen fest.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Studienziel gegen Lilly verfehlt
  • FDA-Entscheidung für CagriSema erwartet
  • Umsatzwachstum von sieben Prozent
  • Aktienrückkauf signalisiert Vertrauen

Der Gegner hat gewonnen, zumindest in dieser Runde. Die Phase-3-Studie Redefine 4 zeigte für die Kombinationstherapie CagriSema einen Gewichtsverlust von 23,0 Prozent – Eli Lillys Tirzepatid kam auf 25,5 Prozent. Das primäre Ziel, dem Konkurrenten überlegen zu sein, hat Novo Nordisk klar verfehlt. Für mich ist das der eigentliche Belastungsfaktor hinter der jüngsten Kursschwäche, nicht irgendeine diffuse Branchenstimmung.

Der Kurs gab gestern um 2,5 Prozent nach und schloss bei 40,56 Euro. Auf Monatssicht steht ein Minus von 9,2 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 7,9 Prozent.

Zum 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, erreicht im Januar, klafft mittlerweile eine Lücke von 26 Prozent. Wer nur auf diese Zahlen schaut, sieht einen Konzern im Abwärtstrend. Ich halte diese Lesart für zu eindimensional.

Ein Fehlschlag, kein K.o.

CagriSema war als Nachfolge-Blockbuster gedacht, der Novo Nordisk im Wettlauf mit Eli Lilly wieder an die Spitze bringen sollte. Diese Erzählung ist erst einmal beschädigt.

Doch der Wirkstoff bleibt im Rennen: Für das vierte Quartal 2026 erwartet der Konzern eine Entscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA zur Zulassung von CagriSema als Adipositas-Behandlung. Ein verfehltes Überlegenheitskriterium in einer Studie bedeutet nicht automatisch ein Zulassungsproblem – aber es nimmt dem Präparat die Story vom klaren Marktführer.

Parallel dazu meldete Scholar Rock, dass die Fill-Finish-Anlage in Catalent Indiana, die Novo Nordisk von Catalent übernommen hatte, wegen Beanstandungen der FDA aus einer Zulassungsunterlage für ein anderes Präparat, Apitegromab, herausgenommen wurde. Das betrifft nicht direkt Novo Nordisks eigene Pipeline, wirft aber ein Schlaglicht auf mögliche Qualitätsfragen an übernommenen Produktionsstätten – ein Punkt, den Anleger im Hinterkopf behalten sollten, auch wenn er heute noch keine Kernbedrohung darstellt.

Der Rechtsstreit mit Lilly ist älter als er wirkt

Bereits Ende Juli hatte Novo Nordisk eine Bundesklage gegen Eli Lilly eingereicht. Der Vorwurf: irreführende Werbung, weil Lilly in seinen Kampagnen die Maximaldosis von Tirzepatid (Zepbound/Mounjaro) gegen niedrigere Semaglutid-Dosen antreten ließ, ohne die im März 2026 zugelassene neue 7,2-mg-Injektionsdosis von Wegovy zu erwähnen. Diese juristische Auseinandersetzung läuft seit über einem Monat und ist damit kein frisches Ereignis – aber sie bleibt relevant, weil sie zeigt, wie hart der Werbekrieg um die Gunst der Ärzte inzwischen geführt wird.

Wer die Studiendaten von Redefine 4 kritisch liest, sollte auch diesen Kontext nicht ausblenden: Novo Nordisk kämpft nicht nur klinisch, sondern auch kommunikativ um Marktanteile.

Zahlen, die für Stabilität sprechen

Wer nur die Studienschlagzeile sieht, übersieht das operative Bild. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Novo Nordisk einen Umsatz von 12,1 Milliarden Dollar, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Jahresprognose, die eine Spanne von 0 bis minus 6 Prozent beim bereinigten Umsatz- und Gewinnwachstum zu konstanten Wechselkursen vorsieht, wurde bestätigt.

CEO Mike Doustar betonte in einem Reuters-Interview, der Konzern kontrolliere weiterhin 90 Prozent des oralen GLP-1-Marktes und sehe den Wettbewerb mit Lilly als nicht-exklusive Chance. Das ist natürlich auch Eigenwerbung, aber die zugrunde liegende Marktposition ist real.

Auch die Analysten von J.P. Morgan sehen trotz der enttäuschenden CagriSema-Daten Substanz: Richard Wotser hob das Kursziel auf 275 dänische Kronen von zuvor 250 an, verwies auf stärker als erwartete internationale Umsätze bei Ozempic und Wegovy, senkte aber die Erwartung für die orale Wegovy-Version. Die Einstufung blieb bei „Neutral“ – kein Kaufsignal, aber auch kein Alarmzeichen.

Hinzu kommt: Novo Nordisk kauft weiter eigene Aktien zurück. Zwischen 17. und 21. August erwarb der Konzern gut eine Million B-Aktien zu Kursen zwischen 293 und 299 Kronen, im Rahmen des laufenden 11,2-Milliarden-Kronen-Teilprogramms sind inzwischen gut 15 Millionen Aktien akkumuliert. Ein Management, das in dieser Marktphase weiter zurückkauft, signalisiert Vertrauen in die eigene Bewertung.

Mein Fazit

Der CagriSema-Rückschlag ist real und schmerzt die Wachstumsstory. Trotzdem überwiegen für mich die stabilisierenden Faktoren: solides Umsatzwachstum, dominante Marktstellung bei oralen GLP-1-Präparaten und ein Management, das mit Rückkäufen Rückgrat zeigt.

Die Aktie notiert nahe ihrem 200-Tage-Durchschnitt und mit einem RSI von 48,7 in neutralem Terrain – kein überverkauftes Schnäppchen, aber auch keine überzogene Bewertung. Wer an der langfristigen Rolle von Novo Nordisk im Adipositas-Markt glaubt, sollte den jüngsten Studienrückschlag als Dämpfer, nicht als Wendepunkt einordnen.

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Diskussion zu Novo Nordisk

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.