Novo Nordisk hat am Freitag einen weiteren herben Dämpfer erlitten. Die Phase-3-Studie ZEUS zu dem Herz-Kreislauf-Kandidaten Ziltivekimab verfehlte ihr primäres Ziel, eine Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse zu erreichen. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kurssturz von 8,48 Prozent und schloss bei 40,90 Euro. Damit liegt das Papier 25,45 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro, das der Titel am 23. Januar erreicht hatte. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch nur ein moderates Minus von 0,86 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, wie turbulent das zurückliegende Jahr für die Aktie verlaufen ist.
ZEUS-Studie: Wirkung ohne klinischen Nutzen
An der ZEUS-Studie nahmen mehr als 6.300 Patienten mit arteriosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung, chronischer Nierenerkrankung und Entzündungsmarkern teil. Ziltivekimab senkte zwar die Entzündungswerte Interleukin-6 und hsCRP deutlich, verringerte aber nicht die Rate an kardiovaskulärem Tod, nicht-tödlichem Herzinfarkt oder Schlaganfall gegenüber Placebo. Schwere Infektionen traten unter dem Wirkstoff häufiger auf, Unterschiede bei der Gesamtsterblichkeit gab es keine. Novo Nordisk hatte den Antikörper 2020 über die Übernahme von Corvidia für 725 Millionen Dollar erworben. Zwei weitere Studien zu dem Wirkstoff, HERMES und ARTEMIS, laufen weiter und sollen im ersten Halbjahr 2027 Ergebnisse liefern. Im dritten Quartal 2026 plant der Konzern eine nicht zahlungswirksame Wertminderung, die Jahresprognose für 2026 bleibt nach eigenen Angaben davon unberührt. Chief Scientific Officer Martin Holst Lange betonte, das strategische Engagement im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibe bestehen. Die Analysten von Jefferies und Citi bewerteten die Marktreaktion als übertrieben, stuften den Studienausgang strategisch aber dennoch als negativ ein, da er eine Wachstumsoption jenseits des Adipositasgeschäfts kostet.
Der Rückschlag wirkte auch auf andere Werte durch: Monte Rosa Therapeutics, ein auf Entzündungsprogramme spezialisiertes Unternehmen, verlor nach der ZEUS-Meldung 27,5 Prozent, weil Anleger nun das gesamte Feld entzündungshemmender Wirkstoffe neu bewerten.
Alzheimer-Pille und CagriSema enttäuschen zusätzlich
Der ZEUS-Fehlschlag traf Novo Nordisk nicht isoliert. Kurz zuvor war eine Studie zu einer Semaglutid-Pille gegen Alzheimer gescheitert, zusätzlich blieb der Gewichtsverlust unter dem kombinierten Wirkstoff CagriSema in der REDEFINE-1-Studie mit 22,7 Prozent unter dem intern gesetzten Ziel von 25 Prozent. In der Folge senkte Novo Nordisk die Prognose für das Umsatzwachstum im laufenden Jahr auf eine Spanne von 8 bis 14 Prozent, nachdem zuvor bis zu 21 Prozent in Aussicht gestellt worden waren. Für 2026 rechnet der Konzern zudem mit einem Rückgang von Umsatz und operativem Gewinn von bis zu 13 Prozent auf währungsbereinigter Basis. Die Kombination aus gescheiterten Studien und gesenkter Prognose nährt an den Märkten Zweifel, ob Novo Nordisk seine frühere Wachstumsdynamik im Kerngeschäft rund um GLP-1-Präparate halten kann.
Klagen von zwei Seiten
Zur wissenschaftlichen Enttäuschung kommen rechtliche Baustellen. Ein US-Bundesrichter entschied am 28. Juli, dass sich Novo Nordisk einem Teil einer Aktionärsklage stellen muss, die dem Konzern Täuschung über die Verträglichkeit von CagriSema in der REDEFINE-1-Studie vorwirft. Andere Klagepunkte wies das Gericht ab, Novo Nordisk weist die verbliebenen Vorwürfe zurück. Umgekehrt geht der Konzern selbst juristisch vor: Am 21. Juli reichte Novo Nordisk Klage gegen Eli Lilly wegen mutmaßlich irreführender Werbung ein, eine Anhörung dazu ist für den 27. August angesetzt.
Blick auf die Zahlen
Für die anstehenden Quartalszahlen am 6. August erwarten Analysten einen Umsatz von 71,5 Milliarden dänischen Kronen nach 76,9 Milliarden im Vorjahresquartal sowie ein Ergebnis je Aktie von 5,04 Kronen nach zuvor 5,96 Kronen. Der Aktienrückkauf läuft parallel weiter: Bis zum 24. Juli hatte Novo Nordisk rund 1,1 der bis zu 2,3 Milliarden Dollar aus dem laufenden Programm umgesetzt. Immerhin gab es zuletzt auch positive Nachrichten aus dem Zulassungsbereich: Am 15. Juli erhielt die orale Wegovy-Pille die Zulassung in der EU. Ob das reicht, um die Anleger nach der Häufung an Rückschlägen wieder zu überzeugen, dürfte sich auch an den Quartalszahlen entscheiden.
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