Preissenkungen von bis zu 48 Prozent, ein schrumpfender Umsatzausblick und ein neuer Konkurrent mit FDA-Zulassung — Novo Nordisk kämpft derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig. Das Bild, das sich für 2026 abzeichnet, ist deutlich düsterer als noch vor einem Jahr.
Indien als Brennpunkt
Auslöser der jüngsten Preisoffensive ist der indische Markt. Nachdem bestimmte internationale Patente für den Wirkstoff Semaglutid ausgelaufen sind, drängen dort zahlreiche günstige Generika in den Markt. Indien gilt als einer der weltweit stärksten Standorte für die Generika-Herstellung — entsprechend schnell hat sich der Wettbewerb verschärft.
Um seine Marktanteile zu verteidigen, senkte Novo Nordisk Anfang April die Preise für Wegovy und Ozempic um bis zu 48 Prozent. Gleichzeitig startete das Unternehmen ein Mehrmonats-Abonnementprogramm für Wegovy, das Selbstzahlern niedrigere Kosten ermöglichen und die Therapietreue verbessern soll.
Gedrückte Prognose, neuer Rivale
Der Preisdruck schlägt sich unmittelbar in der Jahresprognose nieder. Für 2026 erwartet Novo Nordisk nun ein bereinigtes Umsatzminus von fünf bis dreizehn Prozent — auf Basis konstanter Wechselkurse. Neben dem Generika-Druck belastet auch die sogenannte „Most-Favored-Nations“-Preisvereinbarung mit der US-Regierung die realisierten Preise für Adipositas-Behandlungen.
Hinzu kommt ein neuer Wettbewerber: Am 1. April erhielt Eli Lillys orales Adipositas-Medikament Foundayo (Orforglipron) die FDA-Zulassung. Marktanalysten sehen darin eine potenzielle Bedrohung für Novo Nordisks eigene Wegovy-Pille. Das Unternehmen reagierte prompt und kündigte an, auf der Konferenz der Obesity Medicine Association Daten aus seiner ORION-Studie zu präsentieren. Demnach soll die 25-mg-Wegovy-Pille im indirekten Behandlungsvergleich einen deutlich höheren mittleren Gewichtsverlust erzielt haben als Orforglipron.
Pipeline und Stellenabbau
Mittelfristig setzt Novo Nordisk auf CagriSema, eine Kombination aus Cagrilintid und Semaglutid. Eine Zulassungsentscheidung wird noch vor Jahresende erwartet. Klinische Daten aus der REDEFINE-2-Studie zeigen einen Gewichtsverlust von 14,2 Prozent bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes — ein Ergebnis, das das Unternehmen als Argument im Wettbewerb positionieren dürfte.
Parallel dazu baut Novo Nordisk Anfang Mai rund 400 Stellen an seinem Standort in Bloomington, Indiana ab. Das Unternehmen betonte, weiterhin in die Produktionskapazitäten des Werks zu investieren. Die Aktie notiert aktuell nahe ihrem 52-Wochen-Tief — ein Spiegelbild der Unsicherheit, die Investoren derzeit gegenüber dem Konzern hegen.
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