Die Zukunft im Markt für Abnehmpräparate gehört nach Einschätzung von Novo Nordisk zu großen Teilen der oralen Einnahme. Wie CEO Mike Doustdar am Dienstag gegenüber Reuters erklärte, könnten Tabletten bis zum Jahr 2030 bis zu die Hälfte des weltweiten Marktes für Adipositas-Medikamente ausmachen.
Während viele Konkurrenten ihren Schwerpunkt auf Injektionen legen, sieht die Unternehmensführung darin eine langfristige Chance für den dänischen Pharmakonzern.
Novo Nordisk baut sein Portfolio deshalb gezielt um neuartige Einnahmeformen aus. Der Konzern will seine führende Marktstellung absichern, während der Wettbewerb durch Rivalen wie Eli Lilly zunimmt. Zugleich drängen Nachahmerprodukte auf den Markt, was die Suche nach der nächsten Generation therapeutischer Wirkstoffe beschleunigt.
Milliardendeals für neue Darreichungsformen
Um das Angebot jenseits klassischer Spritzen zu erweitern, schloss das Unternehmen am 17. September eine Vereinbarung mit Orbis Medicines ab. Die Kooperation zur Erforschung oraler kardiometabolischer Therapien hat ein Volumen von bis zu 1,4 Milliarden Dollar. Sie umfasst Vorabzahlungen, Meilensteine sowie eine strategische Beteiligung an dem Partnerunternehmen.
Zusätzlich sicherte sich Novo Nordisk am Freitag eine weltweite Lizenz bei Nanexa. Das Abkommen besitzt einen Gesamtwert von bis zu rund 1,17 Milliarden Euro. Die Dänen erwerben damit die exklusiven Rechte an der PharmaShell-Technologie für bis zu fünf Entwicklungsprogramme für langwirksame Injektionen bei Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und weiteren kardiometabolischen Erkrankungen.
Flankiert wird die Neuausrichtung durch den Einsatz moderner Technologien in der Wirkstoffforschung. Am 16. September vereinbarte das Management eine Partnerschaft mit dem Entwickler Anthropic. Dessen Claude-Modelle sollen künftig Entwicklungsabläufe unterstützen, wissenschaftliche Fragestellungen analysieren und Berichte für klinische Studien automatisieren.
Patentstreit und klinische Meilensteine
Dass der Druck auf die bestehende Produktpalette wächst, zeigte sich am Freitag vor einem Bundesgericht in Delaware. Die Viatris-Tochter Mylan Pharmaceuticals reichte dort Klage gegen Novo Nordisk ein. Mylan strebt eine gerichtliche Feststellung an, wonach ein geplantes Wegovy-Generikum keine Patente für die Einzeldosis-Pens zur Gewichtsreduktion verletzt.
Hoffnungsträger für die eigene Pipeline bleibt unterdessen das Kombinationspräparat CagriSema. In einer späten klinischen Diabetesstudie erzielte der Wirkstoff eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 12,4 Prozent. Eine Entscheidung der US-Gesundheitsbehörde FDA über den Zulassungsantrag zur Gewichtsregulierung wird für das vierte Quartal erwartet.
Am Kapitalmarkt spiegelt sich der Übergang in ein wettbewerbsintensiveres Umfeld wider. An den Börsen schloss das Papier am Freitag bei 34,05 Euro. Damit verzeichnet der Titel seit Jahresbeginn ein Minus von 23 Prozent und liegt 38 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
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