Novo Nordisk hat seine Marketingstrategie in den Vereinigten Staaten neu geordnet: Der Konzern beauftragte am Freitag Omnicom als neue Agentur für die Vermarktung seiner GLP-1-Präparate Ozempic und Wegovy. Damit endet eine vierjährige Zusammenarbeit mit WPP. Der Schritt fällt in eine Phase, in der Novo Nordisk gleich an mehreren Fronten um seine Marktposition kämpft – rechtlich, regulatorisch und im Wettbewerb mit Eli Lilly.
Nur einen Tag zuvor hatte das Unternehmen vor einem US-Bezirksgericht Klage gegen Eli Lilly eingereicht. Der Vorwurf: irreführende Werbeaussagen zu den Abnehmpräparaten des Konkurrenten, mit denen dieser Marktanteile gewinne.
Die Nachricht traf auf ein ohnehin angespanntes Kursumfeld – am Freitag verlor die Aktie 2,6 Prozent und schloss bei 39,40 Euro. Anleger werteten die Klage offenbar auch als Signal für steigende Rechtskosten und wachsenden Wettbewerbsdruck, nicht nur als offensive Verteidigung der eigenen Marktstellung.
Zulassung für orale Wegovy-Tablette in Europa
Positiver fiel eine regulatorische Nachricht vom selben Tag aus: Die Europäische Kommission erteilte die Marktzulassung für die einmal täglich einzunehmende Wegovy-Tablette mit 25 Milligramm Semaglutid zur Gewichtskontrolle bei Erwachsenen.
Der Marktstart in Deutschland ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen. Die Zulassung ergänzt das Portfolio um eine orale Alternative zu den etablierten Injektionspräparaten – ein Format, das viele Patienten bevorzugen dürften.
Novo Nordisk hatte bereits vor rund zwei Wochen mit seinen Halbjahreszahlen die Jahresprognose angepasst und dabei eine Spanne von 0 bis minus 6 Prozent Wachstum bei bereinigtem Umsatz und operativem Gewinn ausgegeben.
Die Umsätze der oralen Wegovy-Pille blieben im zweiten Quartal mit 3,22 Milliarden dänischen Kronen leicht hinter der Analystenschätzung von 3,27 Milliarden zurück – ein Hinweis darauf, dass der Hoffnungsträger noch nicht die erwartete Dynamik entfaltet. Seit den Zahlen hat sich der Kurs um 2,6 Prozent erholt, allerdings nur von einem tief gedrückten Niveau aus.
Weitere Bausteine der Pipeline
Parallel zur Marketing- und Zulassungsfront treibt Novo Nordisk seine Diabetes-Sparte voran: Am 11. August startete der bundesweite US-Vertrieb von Awiqli, dem ersten wöchentlich verabreichten Basalinsulin für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes.
Einen Tag zuvor hatte der Konzern eine strategische Partnerschaft mit Amazon Web Services verkündet, um in einem gemeinsamen Innovationszentrum in London generative KI für Wirkstoffforschung und Studiendesign zu nutzen. Zudem erwirkte Novo Nordisk vor einem niederländischen Gericht ein Verbot des Verkaufs nicht zugelassener, compoundierter Semaglutid-Nasensprays.
Kurs bleibt unter Druck
Trotz der operativen Fortschritte bleibt das Chartbild angeschlagen. Der Titel notiert 28 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro und liegt zugleich rund 4,7 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 41,34 Euro. Der Relative-Stärke-Index von 40,6 signalisiert keine überverkaufte Lage, sondern eher anhaltende Schwäche.
Die Kombination aus juristischem Konflikt mit Eli Lilly, verhaltenem Verkaufsstart der oralen Pille und einer Marktkapitalisierung von 174,27 Milliarden Euro zeigt: Der Wettstreit um die Führung im Adipositas-Markt ist für Novo Nordisk aufwendiger geworden, als es die Zulassungserfolge allein vermuten lassen.
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