Ein Gericht in den USA belastet Novo Nordisk mit einer Klage wegen Betrugsvorwürfen. Gleichzeitig meldet der Konzern aus Russland überraschend steigende Gewinne — obwohl dort seit 2023 kein Ozempic mehr verkauft wird. Zwei Nachrichten, die kaum gegensätzlicher sein könnten.
Russland-Geschäft trotzt dem Ozempic-Stopp
Marktbeobachter reagierten am Donnerstag überrascht. Berichte des Branchendienstes MedWatch zeigen: Die russische Sparte von Novo Nordisk hat ihre Gewinne zuletzt gesteigert. Das ist bemerkenswert, denn der Konzern hatte die Lieferungen des Diabetes-Blockbusters Ozempic nach Russland 2023 offiziell eingestellt.
Eigentlich sollte dieser Schritt die Regionalergebnisse belasten. Stattdessen zeigt sich das Geschäft widerstandsfähig. Analysten vermuten, dass verbleibende Lagerbestände und andere Produkte aus dem Diabetes- und Chronikerportfolio die Lücke füllen.
Klage wegen CagriSema-Studie belastet Ausblick
Parallel dazu wächst der rechtliche Druck in den USA. Ein Bundesrichter entschied am 29. Juli, dass sich Novo Nordisk einer Sammelklage von Investoren stellen muss. Im Zentrum steht die klinische Studie zu CagriSema, einer Kombination aus Cagrilintide und Semaglutid.
Die Kläger werfen dem Management vor, die Ergebnisse der REDEFINE-1-Studie zu positiv dargestellt zu haben. Konkret soll das Unternehmen verschwiegen haben, dass Studienteilnehmer ihre Dosis wegen Verträglichkeitsproblemen anpassen durften. Das könnte die wahrgenommene Wirksamkeit der Behandlung verzerrt haben.
Das Timing trifft den Konzern hart. Das Urteil fällt nur wenige Tage vor der Vorlage der Quartalszahlen am 5. August.
Wegovy-Pille bekommt grünes Licht in Europa
Während die Klage für Unruhe sorgt, baut Novo Nordisk sein Übergewichts-Portfolio in Europa aus. Die EU-Kommission genehmigte am 15. Juli die orale Version von Wegovy mit 25 Milligramm Semaglutid. Der Konzern bereitet nun den breiteren Marktstart für die zweite Jahreshälfte vor.
Die Zulassung umfasst auch eine neue 7,2-Milligramm-Dosis für den injizierbaren Wegovy-Pen. Klinische Daten zeigen für diese Dosis einen Gewichtsverlust von rund 21 Prozent. Der Schritt ist eine direkte Antwort auf den wachsenden Wettbewerb im GLP-1-Markt und gibt Ärzten und Patienten mehr Behandlungsoptionen.
Aktie erholt sich trotz Gegenwind
An der Börse zeigt sich das Bild gemischt. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 44,69 Euro, ein Minus von 1,13 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,21 Prozent zu Buche.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro, erreicht im Januar, bleibt die Aktie noch 18,54 Prozent entfernt. Der RSI von 61,7 signalisiert keine überkaufte Lage, lässt aber noch Spielraum nach oben.
Die kommenden Quartalszahlen am 5. August dürften zeigen, wie stark die juristischen Risiken das operative Geschäft überschatten. Anleger achten dabei besonders auf mögliche Aussagen zur Produktionskapazität für die neu zugelassenen oralen Formulierungen.
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