Kinder, die deutlich kleiner sind als ihre Altersgenossen, ohne dass Ärzte eine Ursache finden — diese Diagnose betrifft laut Schätzungen bis zu drei Prozent aller Kinder weltweit. Für sie könnte es in der EU bald erstmals eine zugelassene Wachstumshormontherapie geben. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur hat sich für Novo Nordisks Sogroya bei idiopathischem Kleinwuchs ausgesprochen.
Dritte Indikation für Sogroya in Aussicht
Die Empfehlung betrifft Kinder mit anhaltender Wachstumsstörung ohne erkennbare medizinische Ursache. Sollte die EU-Kommission zustimmen, wäre Sogroya die erste und einzige zugelassene Wachstumshormonbehandlung für diese Patientengruppe in Europa. Die Entscheidung der Kommission, die alle drei Indikationen von Sogroya abdeckt, wird noch in diesem Jahr erwartet.
Das Präparat ist bereits für die Behandlung von Wachstumshormonmangel bei Erwachsenen und Kindern ab drei Jahren zugelassen. Im Mai 2026 hatte der CHMP zudem eine positive Einschätzung für den Einsatz bei Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht für ihr Gestationsalter sowie bei Noonan-Syndrom abgegeben.
Die aktuelle Empfehlung würde das Anwendungsspektrum des einmal wöchentlich verabreichten Präparats damit auf eine dritte, bislang unterversorgte Patientengruppe erweitern.
Klinische Daten aus der REAL8-Studie zeigten, dass Sogroya nach 52 Wochen bei der jährlichen Wachstumsgeschwindigkeit einer täglichen Standardtherapie nicht unterlegen war. Das Präparat nutzt eine Albumin-Bindungstechnologie, die eine wöchentliche statt einer täglichen Injektion ermöglicht — ein praktischer Vorteil, der besonders bei jungen Patienten und ihren Familien Anklang finden dürfte.
Kapitalmarkttag rückt näher
Die CHMP-Empfehlung fällt in eine Woche, in der Novo Nordisk ohnehin im Rampenlicht steht. Kommende Woche lädt der Konzern zu einem Kapitalmarkttag, bei dem Investoren tiefere Einblicke in die Strategie erwarten dürfen. Nach den zuletzt schwankenden Kursverläufen im Zuge der Konkurrenz im Abnehmmittel-Markt richtet sich der Blick vieler Anleger auf neue Wachstumsimpulse abseits von Wegovy und Ozempic.
Sogroya liefert zwar keinen kurzfristigen Umsatzhebel in der Größenordnung der GLP-1-Präparate, unterstreicht aber die Breite der Wachstumshormon-Pipeline, in der Novo Nordisk seit Jahrzehnten aktiv ist. Die finale Entscheidung der EU-Kommission bleibt abzuwarten — bei den vorangegangenen Empfehlungen folgte die Zulassung in der Regel den CHMP-Voten.
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