Starke Nachfrage trifft auf schwache Kurse. Bei Novo Nordisk klaffen Realität und Marktstimmung spürbar auseinander. Ein neues Bewertungsmodell liefert nun überraschende Zahlen. Der faire Wert der Aktie liegt demnach weit über dem aktuellen Niveau.
Fundamentaler Puffer
Der dänische Pharmakonzern verlor in den vergangenen drei Jahren rund ein Drittel seines Börsenwertes. Analysten von Simply Wall St berechnen den fairen Wert nun auf etwa 97 US-Dollar. Das entspricht einer massiven Unterbewertung. Die Experten stützen sich auf einen freien Cashflow von rund 48 Milliarden Dänischen Kronen.
Auf Basis einfacher Gewinnkennzahlen wirkt das Papier ebenfalls günstig. Novo Nordisk handelt derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,1. Der Branchenschnitt liegt bei 15,4. Konkurrenten rufen teilweise Werte von über 25 auf. Die Aktie bietet auf den ersten Blick einen deutlichen Abschlag.
Patente und Konkurrenten
Die Lücke zwischen Modell und Kurs hat handfeste Gründe. Die US-Krankenversicherung Medicare übernimmt künftig die Kosten für bestimmte GLP-1-Abnehmpräparate. Das treibt die Nachfrage kräftig an.
Andererseits warnen Analysten der Deutschen Bank vor Gegenwind. Auslaufende Patente belasten die Aussichten. Parallel dazu drängen immer mehr Konkurrenten in den Markt für Adipositas- und Diabetes-Therapien. Anleger befürchten offenbar sinkende Margen. Sie zögern daher bei einer höheren Bewertung.
Überkaufte Erholung
Das Management steuert derweil mit Aktienrückkäufen gegen. Das laufende Programm umfasst ein Volumen von bis zu 15 Milliarden Kronen. Bis Ende Juni kaufte der Konzern bereits eigene Anteile für knapp sechs Milliarden Kronen zurück.
An der Börse sorgte das zuletzt für Auftrieb. Seit Jahresanfang liegt die Aktie zwar noch knapp drei Prozent im Minus. Im vergangenen Monat kletterte der Kurs im Gegenzug um fast 20 Prozent. Am Freitag schloss das Papier bei 43,50 Euro.
Kurzfristig signalisieren die Indikatoren eine Überhitzung. Der aktuelle RSI-Wert markiert den Titel offiziell als überkauft. Vom Rekordhoch des vergangenen Sommers trennen Novo Nordisk weiterhin fast 30 Prozent. Die Folge: Der Kurs braucht eine Pause.
Bis zum nächsten Quartalsbericht bestimmen technische Marken das Bild. Die fundamentale Bewertung liefert starke Argumente für langfristige Käufer. Kurzfristig zwingt der überkaufte Markt den Kurs jedoch zur Konsolidierung. Fällt die Aktie unter ihren 50-Tage-Durchschnitt, droht ein direkter Test der 40-Euro-Marke.
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