Startseite » Europa-Märkte » Novo Nordisk Aktie: EU-Zulassung für orale Wegovy

Novo Nordisk Aktie: EU-Zulassung für orale Wegovy

EU-Kommission genehmigt Novo Nordisks orale Wegovy-Pille gegen Adipositas. Die Aktie fällt trotzdem, da Anleger auf nahenden Wettbewerb blicken.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Erste orale GLP-1-Therapie in Europa
  • Markteinführung in Deutschland in Kürze
  • Aktie fällt nach Gewinnmitnahmen
  • Wettbewerbsdruck durch Eli Lilly wächst

Juli 2026 zugelassen. Damit steht Europa erstmals ein orales GLP-1-Präparat gegen Adipositas zur Verfügung – ein Meilenstein für den dänischen Konzern, der bislang vor allem mit Injektionsprodukten wie Ozempic und Wegovy den Markt prägte. Die Markteinführung in Deutschland soll bereits in wenigen Wochen erfolgen.

Trotz der positiven Nachricht gab die Aktie am Freitag nach: Der Kurs fiel um 2,42 Prozent auf 43,95 Euro. Anleger nahmen offenbar Gewinne mit, nachdem das Papier zuvor bereits kräftig zugelegt hatte – über 30 Tage steht ein Plus von 12,69 Prozent zu Buche. Zum bisherigen Jahreshoch von 60,95 Euro aus dem Juli 2025 beträgt der Abstand aber weiterhin fast 28 Prozent.

Starke Studiendaten, aber Nüchternheits-Auflagen

Die Zulassung basiert auf einer 25-mg-Dosis, mit der Studienteilnehmer im Schnitt 17 Prozent ihres Körpergewichts verloren – gegenüber 3 Prozent unter Placebo. Jeder dritte Patient kam sogar auf einen Gewichtsverlust von mehr als 20 Prozent. Zugelassen ist das Präparat für Erwachsene mit einem BMI ab 30, oder ab 27 in Kombination mit einer Begleiterkrankung. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Patienten müssen die Tablette nüchtern einnehmen: acht Stunden vor der Einnahme darf nichts gegessen oder getrunken werden, danach ist eine Wartezeit von 30 Minuten vorgeschrieben.

In den USA ist die Pille bereits seit Dezember 2025 zugelassen und seit Januar 2026 für 149 US-Dollar im Monat über den Direktvertrieb erhältlich, über die NovoCare Pharmacy kostet sie 499 US-Dollar. Der US-Direktvertrieb macht mittlerweile 90 Prozent des Absatzes aus. Innerhalb von sechs Monaten sammelte Novo Nordisk bis zum 19. Juli rund 3 Millionen Wegovy-Verschreibungen ein, das orale Präparat kommt in den USA auf rund 153.000 wöchentliche Rezepte und einen Marktanteil von 89 Prozent unter den oralen GLP-1-Therapien.

Wettbewerbsdruck durch Eli Lilly wächst

Der Vorsprung vor Eli Lilly dürfte sich als wertvoll erweisen, ist aber zeitlich begrenzt. Lillys orale Konkurrenzsubstanz Orforglipron soll erst später 2026 in den USA auf den Markt kommen und ist in der EU noch nicht zugelassen – Marktbeobachtungen zufolge liegt Novos Vorsprung in Europa bei rund einem halben Jahr. Klinische Daten aus einer Lilly-Studie mit 1.700 Teilnehmern zeigen allerdings, dass Orforglipron in puncto Wirksamkeit teils vorn liegt: Die HbA1c-Senkung erreichte 1,71 bis 1,91 Prozent gegenüber 1,47 Prozent bei oralem Semaglutid, der Gewichtsverlust lag bei 6,1 bis 8,2 Kilogramm gegenüber 5,3 Kilogramm. Allerdings fielen bei Lillys Präparat auch gastrointestinale Nebenwirkungen mit 59 Prozent deutlich häufiger auf als bei Novo mit 37 bis 45 Prozent, und die Abbruchrate lag mit 10 Prozent etwa doppelt so hoch wie bei Novo mit 4 bis 5 Prozent.

Zusätzlichen Gegenwind erhält Novo Nordisk aus China: Dort ist das Kernpatent für Semaglutid bereits im März 2026 ausgelaufen, was heimischen Anbietern wie Hengrui Medicine Tür und Tor für Generika-Konkurrenz öffnet. Novo plant dennoch, für die orale Wegovy-Version einen Zulassungsantrag in China einzureichen.

Bewertung bleibt moderat

Auf der fundamentalen Seite präsentiert sich Novo Nordisk weiterhin mit robusten Kennzahlen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 12,08, die Dividendenrendite bei 3,58 Prozent, die Nettomarge bei 37,2 Prozent und die Eigenkapitalrendite bei beachtlichen 71,4 Prozent. Knapp 58 Prozent der Analysten sprechen aktuell eine Kaufempfehlung aus. Die verhaltene Kursreaktion auf die EU-Zulassung deutet darauf hin, dass der Markt die First-Mover-Vorteile bereits weitgehend eingepreist hatte und nun stärker auf den heranrückenden Wettbewerb durch Eli Lilly sowie die Patentsituation in China blickt.

Anzeige

Novo Nordisk-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Novo Nordisk-Analyse vom 20. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Novo Nordisk-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Novo Nordisk-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 20. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Novo Nordisk: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Novo Nordisk

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.