Ein winziges Implantat statt täglicher Spritze — mit dieser Idee sucht Novo Nordisk den nächsten Vorteil im Kampf gegen Eli Lilly. Am Freitag notiert die Aktie bei 43,17 Euro, ein Plus von 0,71 Prozent. Über die letzten 30 Tage hat sich der Kurs um 16,39 Prozent erholt.
Implantat statt Spritze: Der Deal mit Vivani
Novo Nordisk hat mit dem kalifornischen Medizintechnik-Unternehmen Vivani Medical eine neue Partnerschaft geschlossen. Ziel ist NPM-139, ein ultra-langwirksames Semaglutid-Implantat für die Gewichtskontrolle. Die Technologie dahinter heißt NanoPortal und stammt von Vivani.
Wichtig: Die Vereinbarung enthält keine Exklusivität. Weder NPM-139 noch die NanoPortal-Technologie sind exklusiv an Novo gebunden. Vivani plant für Mitte 2026 eine erste Studie am Menschen, Novos Spritze Wegovy dient dabei als Vergleichspräparat.
Die Studie soll Sicherheit, Pharmakokinetik und Verträglichkeit des Implantats prüfen. Das Ziel: eine anschließende Dosis-Findungsstudie in Phase II. Der Vorstoß passt zu Novos bisheriger Strategie. Das Unternehmen testet seit Jahren neue Dosierungen und Verabreichungsformen, um seinen Marktanteil zu verteidigen. Der Druck kommt vor allem von Eli Lilly, dessen Konkurrenzprodukte Mounjaro, Zepbound und Foundayo weiter Marktanteile gewinnen.
Analysten uneins trotz Kursrally
Die Implantat-Nachricht trifft auf eine gespaltene Analystenmeinung. HSBC hebt das Kursziel von 280 auf 300 dänische Kronen an, belässt die Einstufung aber bei „Hold“. Danske Bank geht weiter und setzt ein Kursziel von 365 Kronen bei der Empfehlung „Buy“.
HSBC begründet die Anhebung mit der wachsenden Marktakzeptanz der oralen Semaglutid-Pille. Die Bank rechnet nun mit Spitzenumsätzen von mehr als 15 Milliarden Kronen ab 2034. Trotzdem bleibt HSBC vorsichtig — die Fragen zur Marktgröße und zu sogenannten „Overhang-Compoundern“ seien noch nicht geklärt.
Die breitere Wall-Street-Einschätzung bleibt gemischt. Laut einer Umfrage von S&P Global unter 14 Analysten liegt die Konsens-Empfehlung bei „Buy“, das durchschnittliche Kursziel bei 46,72 US-Dollar. Die Spanne reicht von 39,56 bis 64,19 Dollar.
Die orale Pille gewinnt an Boden
Hinter dem Analystenoptimismus steckt reale Marktdynamik. Klinische Daten zeigen einen Gewichtsverlust von bis zu 17 Prozent binnen eines Jahres unter der oralen Semaglutid-Pille. In den USA hat das Präparat bereits über drei Millionen Verschreibungen in den ersten fünf Monaten erreicht — größtenteils bei Patienten, die neu in der GLP-1-Therapie sind.
Auch in Großbritannien erweitert sich das Einsatzgebiet. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat die Spritze Wegovy zur Behandlung von MASH zugelassen, einer Lebererkrankung mit mittlerer bis fortgeschrittener Fibrose. Ob Patienten die Behandlung über den staatlichen Gesundheitsdienst NHS erhalten, entscheidet noch die Kosten-Nutzen-Behörde NICE.
Aktienrückkauf stützt den Kurs
Ein weiterer Faktor hinter der Kursstabilisierung: das Rückkaufprogramm. Im Februar 2026 genehmigte Novo Rückkäufe von bis zu 15 Milliarden dänischen Kronen. Seither hat der Konzern bereits über 23 Millionen B-Aktien zurückgekauft.
Die aktuelle Tranche läuft seit dem 6. Mai unter den EU-Safe-Harbour-Regeln und sieht Käufe von bis zu 11,2 Milliarden Kronen bis zum 1. Februar 2027 vor.
Mit 43,17 Euro bleibt die Aktie noch 29,45 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 61,20 Euro aus dem Juli 2025. Zum März-Tief von 30,25 Euro beträgt der Abstand dagegen 42,73 Prozent nach oben. Der Wettbewerbsdruck durch Eli Lilly bleibt auf mehreren Märkten bestehen, darunter Korea und die USA. Die Kombination aus neuen Einsatzgebieten für Semaglutid, der Implantat-Kooperation und steigenden Kurszielen gibt der Erholung derzeit neue Substanz.
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