Novo Nordisk hat am Dienstag Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt, die ein zwiespältiges Bild zeichnen. Der bereinigte Umsatz legte währungsbereinigt um 7 Prozent zu, der bereinigte Betriebsgewinn stieg um 11 Prozent. Zugleich musste der Konzern hohe Abschreibungen verkraften und die Jahresprognose bleibt trotz einer Anhebung im negativen Bereich.
Prognose angehoben, aber weiter rückläufig
Der dänische Insulin- und Diabeteskonzern erwartet für das Gesamtjahr 2026 nun einen bereinigten Umsatz- und Betriebsgewinnrückgang von 0 bis 6 Prozent auf währungsbereinigter Basis. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber der bisherigen Spanne von minus 4 bis minus 12 Prozent, wie das Unternehmen mitteilte. Unter dem Strich bedeutet die neue Guidance also weiterhin einen möglichen Gewinn- und Umsatzrückgang für das laufende Jahr, nur eben ein weniger drastisches Minus als zuvor befürchtet. Der ausgewiesene Betriebsgewinn im zweiten Quartal sank auf CER-Basis um 16 Prozent, belastet durch Sonderfaktoren. Nach Angaben des Fernsehsenders CNBC habe das bessere Quartalsergebnis auch von Rabatt-Anpassungen und temporären Effekten profitiert – die Verkäufe der Adipositas-Präparate lagen weitgehend im Rahmen der Erwartungen, während die orale Wegovy-Variante die Prognosen leicht verfehlte.
Wegovy-Pille als Wachstumstreiber
Ein Lichtblick bleibt die Tablettenform von Wegovy: Seit dem Marktstart wurden mehr als 5 Millionen Rezepte ausgestellt, die wöchentlichen Verschreibungen überschritten in der Woche zum 17. Juli die Marke von 265.000. Parallel läuft die Einführung der hochdosierten Wegovy-HD-Variante mit 7,2 Milligramm an. Deutlich schlechter steht es dagegen um die Pipeline: CagriSema, der kombinierte Wirkstoffkandidat gegen Adipositas, lieferte laut CNBC erneut ein gemischtes klinisches Ergebnis.
Die Schwäche in der Forschungspipeline hinterließ auch bilanziell Spuren. Novo Nordisk verbuchte im zweiten Quartal Wertminderungen von 6,3 Milliarden dänischen Kronen auf immaterielle Vermögenswerte aus der Pipeline, davon entfielen 4,0 Milliarden Kronen allein auf den Kandidaten Monlunabant. Solche Abschreibungen signalisieren, dass der Konzern Teile seiner Forschungswette neu bewertet – ein Vorgang, der bei Anlegern selten Begeisterung auslöst, selbst wenn das operative Kerngeschäft wächst.
Stellenabbau, Rückkäufe und ein Gerichtssieg
Der Konzern schrumpfte im vergangenen Jahr auch personell deutlich: Zum Ende des zweiten Quartals beschäftigte Novo Nordisk rund 66.700 Vollzeitkräfte, fast 12.000 weniger als zwölf Monate zuvor, ein Rückgang von etwa 15 Prozent. Gleichzeitig läuft das Aktienrückkaufprogramm über 15 Milliarden Kronen weiter: Bis zum 3. August hatte das Unternehmen mehr als 27 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 278,35 Kronen zurückgekauft, ein Transaktionsvolumen von umgerechnet rund 7,5 Milliarden Kronen.
Rechtlich konnte sich Novo Nordisk zudem einen Erfolg sichern. Das Bezirksgericht Den Haag erließ eine einstweilige Verfügung gegen die niederländische Apothekenkette Ceban Ziekenhuisfarmacie und untersagte den sofortigen Verkauf eines compoundierten Semaglutid-Nasensprays, der nach Ansicht des Gerichts Rechte am geistigen Eigentum von Novo Nordisk verletzt. Ergänzend veröffentlichte der Konzern am Donnerstag Pflichtmitteilungen zu Wertpapiertransaktionen von Vorstandsmitgliedern und nahestehenden Personen gemäß der Marktmissbrauchsverordnung.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse hat sich die Aktie von ihrem Tief zwar etwas erholt, notiert aber weiterhin deutlich unter ihren früheren Ständen. Am Donnerstag schloss das Papier bei 39,97 Euro und legte damit um 3,24 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 9,21 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 54,86 Euro aus Ende Januar fehlen der Aktie noch 27,14 Prozent. Der jüngste Kursanstieg ändert damit wenig an der grundsätzlich angeschlagenen Verfassung des Titels, auch wenn er zeigt, dass Anleger einzelne positive Signale aus dem Zahlenwerk durchaus honorieren.
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