Novo Nordisk verzeichnet mit seiner oralen Wegovy-Tablette einen der schnellsten Produkthochläufe der jüngeren Pharmageschichte. Seit dem Marktstart in den USA im Januar 2026 zum Preis von 149 US-Dollar pro Monat wurden bis Juni 2026 mehr als drei Millionen Verschreibungen ausgestellt. Damit entfallen 89 Prozent aller oralen GLP-1-Verordnungen in den USA auf das Präparat, vier von fünf Neupatienten hatten zuvor noch kein GLP-1-Medikament genutzt. Der Pillenumsatz im ersten Quartal 2026 fiel den Angaben zufolge doppelt so hoch aus wie zunächst erwartet.
EU-Zulassung öffnet neuen Absatzmarkt
Parallel zum US-Erfolg hat die EU-Kommission am 15. Juli 2026 die orale Wegovy-Tablette für 27 Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island und Liechtenstein zugelassen. Zusätzlich genehmigten die Behörden eine höher dosierte Spritzenvariante mit 7,2 Milligramm Wirkstoff. Die Markteinführung in den europäischen Ländern soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 erfolgen. In klinischen Studien erzielte die 25-Milligramm-Dosis der Tablette einen Gewichtsverlust von rund 17 Prozent, jeder dritte Teilnehmer verlor mindestens ein Fünftel seines Körpergewichts. Zum Vergleich lag der Wert unter Placebo bei lediglich 3 Prozent. Ärzte weisen jedoch darauf hin, dass die Tablette wegen Wirkstoffverlusten bei der Einnahme etwas schwächer wirkt als die injizierbare Variante, weshalb Patienten sie nüchtern und mit einem Abstand von acht Stunden zur letzten Mahlzeit einnehmen müssen.
Zusätzlichen Rückenwind für das gesamte Marktsegment liefert die US-Gesundheitspolitik: Ein Medicare-Pilotprogramm senkt seit dem 1. Juli 2026 die monatliche Zuzahlung für GLP-1-Präparate wie Wegovy auf 50 US-Dollar, befristet bis Ende 2027. Branchenschätzungen zufolge könnte der globale Markt für Abnehmmedikamente bis 2034 ein Volumen von 73 Milliarden US-Dollar erreichen, längerfristige Prognosen sprechen sogar von bis zu 150 Milliarden US-Dollar bis 2035.
Eli Lilly bleibt hartnäckiger Verfolger
Der Vorsprung ist allerdings nicht unangefochten. Eli Lilly erhielt im April 2026 die US-Zulassung für die eigene orale Konkurrenzpille Orforglipron und dürfte auch in Europa in den kommenden Monaten mit einem Markteintritt folgen, der für 2027 erwartet wird. In einer großen Diabetes-Studie setzte sich Orforglipron zuletzt gegen Novos orales Semaglutid durch. Zudem musste Novo Nordisk hinnehmen, dass die eigene Kombinationstherapie CagriSema hinter Lillys Präparat Zepbound zurückblieb – ein Rückschlag für die Pipeline jenseits von Wegovy. Novo betont laut eigenen Angaben inzwischen verstärkt kardiovaskuläre Endpunkte der Therapie und nicht allein den reinen Gewichtsverlust, um sich im Wettbewerb zu differenzieren.
Anleger blicken auf Q2-Zahlen
An der Börse zeigte sich am Freitag eine Verschnaufpause: Die Aktie schloss bei 43,95 Euro und gab um 2,42 Prozent nach. Der Rücksetzer relativiert sich jedoch angesichts der Kursentwicklung der vergangenen Wochen – binnen 30 Tagen hatte das Papier um 15,69 Prozent zugelegt. Der Relative-Stärke-Index von 62,6 signalisiert dabei weiterhin eine grundsätzlich positive Marktverfassung ohne Überhitzungssignale. Der Marktkonsens rechnet für das zweite Quartal 2026 dennoch mit einem Umsatzrückgang von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Gewinnrückgang von 15,5 Prozent – ein Hinweis darauf, dass trotz der starken Wegovy-Nachfrage in den USA andere Geschäftsbereiche oder Preisdruck auf die Profitabilität drücken könnten. Ob der Pillenerfolg diese Erwartungen bei der Berichtsvorlage übertrifft, dürfte die kommende Kursrichtung maßgeblich bestimmen.
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