Novo Nordisk bekommt Rückenwind an einer wichtigen Stelle: Die europäische Arzneimittelbehörde EMA rückt eine Wegovy-Pille näher an den Markt. Der CHMP-Ausschuss empfiehlt die Zulassung von oralem Semaglutid zur Gewichtskontrolle. Für den Konzern zählt jetzt nicht mehr nur die Wirksamkeit. Es geht um Reichweite.
Orales Wegovy öffnet neuen Markt
Konkret geht es um eine Tablette mit 25 Milligramm Semaglutid, die einmal täglich eingenommen wird. Damit wäre Wegovy als Pille die erste Therapie ihrer Klasse mit einer solchen Empfehlung in der EU. Das ist strategisch wichtig, weil viele Patienten Spritzen meiden.
Novo Nordisk will die Pille in ausgewählten Märkten außerhalb der USA in der zweiten Jahreshälfte 2026 einführen. Der Konzern zielt damit auf eine Patientengruppe, die bislang schwerer erreichbar war. Genau hier liegt der Hebel für den GLP-1-Markt.
Auf dem US-Markt zeigt sich bereits, wie schnell das Format ankommen kann. Mehr als 1 Million Amerikaner starteten die Behandlung in den ersten vier Monaten nach Verfügbarkeit. Das dürfte spannend werden, weil die Aktie zuletzt stark unter Druck stand.
Am Donnerstag schloss die Novo-Nordisk-Aktie bei 39,08 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen liegt sie 13,13 Prozent im Plus, über zwölf Monate aber noch 35,69 Prozent im Minus.
SELECT-Daten stärken das Profil
Die Empfehlung umfasst auch Daten aus der SELECT-Studie für das Produktlabel. Diese Daten zeigen, dass die Behandlung das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse senkt. Damit bekommt das Mittel eine zweite Botschaft neben dem Gewichtsverlust.
Für Novo Nordisk ist das im Wettbewerb entscheidend. Eli Lilly drückt im Adipositas-Markt massiv nach vorn. Pfizer arbeitet ebenfalls an neuen Ansätzen. Eine wirksame Pille mit Herz-Kreislauf-Daten kann die Position von Novo Nordisk stützen.
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Der Markt schaut daher stärker auf die Umsetzung. Klinische Meilensteine allein reichen nicht mehr. Entscheidend ist, ob Ärzte und Patienten das orale Format im Alltag breit nutzen.
Wachstum bleibt stark, Druck bleibt auch
Finanziell liefert Novo Nordisk weiter kräftige Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 34 Prozent auf 14,97 Milliarden Dollar. Die Verkäufe im Bereich Adipositas legten um 22 Prozent zu.
Preislicher Druck bleibt ein Thema, vor allem in den USA und China. Das belastet Teile der Profitabilität. International wuchs das Geschäft dennoch um 6 Prozent.
Die Bruttomarge liegt weiter bei rund 80,6 Prozent. Novo Nordisk investiert parallel stark in die weltweite Produktion. Damit will der Konzern Engpässe verringern, die das Wachstum bei injizierbaren Produkten immer wieder gebremst haben.
Bei den ADA Scientific Sessions präsentierte Novo Nordisk neue Daten zu CagriSema und Zenagamtide. Beide Programme gehören zur nächsten Generation der kardiometabolischen Pipeline. Der Konzern will damit breiter werden als mit klassischen GLP-1-Spritzen.
Die Aktie bleibt technisch in einer Zwischenlage. Der Kurs liegt über dem 50-Tage-Durchschnitt von 35,16 Euro, aber noch unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 41,99 Euro. Die nächste Bewährungsprobe kommt mit dem tatsächlichen Start der Pille außerhalb der USA ab der zweiten Jahreshälfte 2026.
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