Der schwedische Online-Broker Nordnet hat im Juli erneut kräftigen Kundenzuwachs verbucht. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, flossen im vergangenen Monat netto 9,6 Milliarden schwedische Kronen an frischem Kapital in die Sparprodukte der Plattform. Die Kundenzahl kletterte auf 2.520.300 – ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahlen fügen sich in ein Bild, das Nordnet seit Monaten zeichnet: robustes organisches Wachstum bei gleichzeitig laufender Vorbereitung auf den Markteintritt in Deutschland.
Rekordquartal legt Fundament für Expansion
Getragen wird die Dynamik von starken Geschäftszahlen. Für das zweite Quartal 2026 meldete Nordnet ein Betriebsergebnis von 1.634 Millionen Kronen, ein Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Betriebsgewinn legte sogar um 33 Prozent auf 1.190 Millionen Kronen zu, das verwässerte Ergebnis je Aktie erreichte 3,80 Kronen. Nordnet bezeichnete es als Rekordquartal. Parallel dazu knackte die eigene Fondsgesellschaft Nordnet Fonder erstmals die Marke von 100 Milliarden Kronen an verwaltetem Sparkapital und brachte den ersten deutschen Indexfonds auf den nordischen Markt. Ergänzt wurde das Angebot um einen KI-gestützten Kundenchatbot sowie einen früheren Start des US-Vorbörsenhandels, der künftig bereits um 10 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnt.
Deutschland: Führungswechsel und laufender Testbetrieb
Der für die zweite Jahreshälfte 2026 geplante Markteintritt in Deutschland bleibt nach Unternehmensangaben im Zeitplan, der Testbetrieb in der Live-Umgebung laufe. Just in dieser Phase kam es an der Spitze der deutschen Landesorganisation zu einem Wechsel: Arno Walter übernahm am 1. August die Rolle des interimistischen Country Managers für Deutschland, befristet auf bis zu zwei Jahre. Er folgt auf Markus Pertlwieser, der das Unternehmen verlassen hat. Der Führungswechsel fällt in eine sensible Phase, in der Nordnet mit dem eigenen Indexfonds und der Testumgebung die technischen und regulatorischen Grundlagen für den deutschen Start legt.
Auf der Eigentümerseite gab es zuletzt ebenfalls Bewegung. Finanzvorstand Lennart Krän verkaufte im Juli 7.000 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von rund 370 Kronen und reduzierte damit seinen Direktbestand um 11 Prozent. Zudem veräußerte die Tochtergesellschaft Nordnet Livsforsikring gut 77.000 Aktien der Beteiligung Nordic Financials. Beide Transaktionen ändern nichts an der operativen Wachstumsgeschichte, dokumentieren aber, dass Führungskräfte nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate Gewinne mitnehmen.
Analysten uneins, Kurs behauptet sich nahe Jahreshoch
Die Einschätzungen der Analysehäuser gehen derzeit deutlich auseinander. Barclays stufte die Aktie am 2. August auf „Sell“ mit einem Kursziel von 320 Kronen ein und bleibt damit der skeptischste Beobachter im Markt. Berenberg hatte zuvor, am 21. Juli, seine „Buy“-Empfehlung mit einem Kursziel von 415 Kronen bekräftigt – eine Spanne, die die Unsicherheit über die Bewertung nach der Rekordrally verdeutlicht.
An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt gefestigt: Am Freitag schloss das Papier bei 32,62 Euro, ein Plus von 0,43 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 30,58 Prozent zu Buche. Anleger dürften den nächsten wichtigen Termin bereits im Blick haben: Am 22. Oktober veröffentlicht Nordnet den Zwischenbericht für das dritte Quartal 2026, der zeigen muss, ob sich das Wachstumstempo bis zum geplanten Deutschlandstart weiter fortsetzt.
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