Der norwegische Rohstoffspezialist Nordic Mining erlebt einen dramatischen Kurseinbruch. Die Aktie stürzte am Montag um über 25 Prozent auf 5,07 NOK ab – nur einen Schritt über dem 52-Wochen-Tief von 5,00 NOK. Auslöser ist eine Kettenreaktion aus Gerichtsentscheiden, behördlichen Unsicherheiten und neuen rechtlichen Vorstößen von Umweltorganisationen.
Oberster Gerichtshof kippt Genehmigung
Am 17. Juni erklärte der norwegische Oberste Gerichtshof die Abwassererlaubnis für Nordic Minings Tochter Engebø Rutile and Garnet AS für ungültig. Geklagt hatten die Umweltorganisationen Friends of the Earth Norway und Nature and Youth. Das Urteil traf das Unternehmen mitten in der Hochlaufphase der Produktion.
Hinzu kommt: Das Ministerium für Klima und Umwelt stellte am 30. Juni klar, die Abwassererlaubnis vorerst aufrechterhalten zu wollen – während es die Sachlage neu prüft. Eine vorläufige Lösung, keine dauerhafte Sicherheit.
Die Folge: Drei Umweltorganisationen erstatteten Anzeige bei Økokrim, der norwegischen Wirtschaftsermittlungsbehörde, wegen mutmaßlicher illegaler Verklappung von Bergbauabfällen im Førdefjord. Am 25. Juni reichte zudem das Neptun Network STI eine einstweilige Verfügung gegen Nordic Mining ein. Das Unternehmen kündigte an, sich dagegen energisch zur Wehr zu setzen.
Strategische Bedeutung und Gegenwind
Das Engebø-Projekt an Norwegens Westküste gilt als strategisch bedeutsam. Die Lagerstätte enthält Rutil, ein natürliches Titanerz, das als kritischer Rohstoff eingestuft wird. Europa hat nur zwei nennenswerte Rutilvorkommen – Engebø ist eines davon. Die geschätzte Minenlebensdauer liegt bei 39 Jahren.
Trotz der rechtlichen Turbulenzen läuft die Produktion. Im ersten Quartal 2026 förderte Nordic Mining 230 Tonnen Rutil und 5.587 Tonnen Granat – beides noch unterhalb der Zielkapazität. Einem Privatplatzierung im Januar 200 Millionen NOK gaben dem Unternehmen finanziellen Spielraum.
Um den langfristigen Kurs zu sichern, hat Nordic Mining nun Arctic Securities und SB1 Markets als Finanzberater engagiert. Sie sollen die Entwicklung des Engebø-Projekts und des gesamten Portfolios begleiten.
Denn die Belastung ist enorm. Die Aktie hat binnen eines Jahres 78 Prozent an Wert verloren. Der RSI von 25 signalisiert eine technische Überverkauftheit, die annualisierte Volatilität liegt bei 117 Prozent. Ein Ende des Rechtsstreits ist nicht absehbar.
Das ist die Situation: Ein Rohstoffprojekt von europäischem Interesse, das zwischen wirtschaftlichem Potenzial und ökologischer Kontrolle zerrissen wird. Der Oberste Gerichtshof hat die Messlatte höher gelegt. Ob und wie schnell Nordic Mining die neue Hürde nimmt, ist offen.
