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Nordex baut Werk in der Türkei, RWE kämpft mit Bewertungswarnung — Verbio nähert sich 40 Euro

Siemens Energy meldet Rekordaufträge, während RWE charttechnisch schwächelt. Verbio nähert sich der 40-Euro-Marke, ABO Wind kämpft um Finanzierung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Siemens Energy mit Rekordauftragseingang
  • Nordex startet Produktion in der Türkei
  • RWE erhält technisches Verkaufssignal
  • Verbio nähert sich der 40-Euro-Marke

Fünf Erneuerbare-Energien-Aktien, fünf völlig verschiedene Geschichten. Während Siemens Energy nach einem Rekordquartal die Bewertungsdebatte anheizt, drückt ein technisches Warnsignal auf den RWE-Kurs. Nordex nimmt ein neues Rotorblattwerk in Betrieb, Verbio nähert sich nach einer operativen Trendwende der 40-Euro-Marke — und ABO Wind ringt weiter um die Sanierungsfinanzierung. Ein Blick auf die aktuelle Lage in einem Sektor, der 2026 in drei Geschwindigkeiten unterwegs ist.

Siemens Energy: Rekordaufträge, aber das KGV mahnt zur Vorsicht

Der Münchner Energietechnik-Konzern liefert Quartal für Quartal. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verzeichnete Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,72 — für jeden Euro Umsatz kamen also fast zwei Euro an neuen Aufträgen herein. Der Auftragsbestand kletterte auf 154 Milliarden Euro.

Die Ertragskraft zieht mit: Der Gewinn je Aktie verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahresquartal auf 0,89 Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Management ein Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent an, dazu eine Konzernmarge zwischen 10 und 12 Prozent und einen Nettogewinn von rund 4 Milliarden Euro.

Kein Wunder, dass die Aktie bei 177,40 Euro und einer Jahresperformance von über 44 Prozent notiert. Die Kehrseite: Das Forward-KGV bewegt sich im Bereich von 40 bis 50 — weit über dem DAX-Durchschnitt. Elf Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 186,30 Euro, was rund 5 Prozent über dem aktuellen Niveau liegt. Die Stimmung ist konstruktiv, doch der hohe Multiplikator lässt wenig Raum für Enttäuschungen.

Nordex: Neues Türkei-Werk soll europäischen Export befeuern

Nordex hat im Mai 2026 in Menemen nahe İzmir ein neues Rotorblattwerk in Betrieb genommen. Die Dimensionen sind beachtlich: Rund 130.000 Quadratmeter Gesamtfläche in der İzmir Freihandelszone, davon 90.000 Quadratmeter Produktionsgebäude. Bei Vollauslastung im Vier-Schicht-Betrieb sollen bis zu 1.200 Rotorblätter pro Jahr gefertigt werden.

Der Standort bedient nicht nur den türkischen Heimatmarkt, sondern zielt gezielt auf europäische Exportmärkte. Ob der Plan aufgeht, wird sich in den kommenden Quartalsberichten zeigen.

Die Fundamentaldaten untermauern den strategischen Schwenk. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um elf Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Das EBITDA legte um 64 Prozent auf 130,7 Millionen Euro zu, die Marge verbesserte sich von 5,5 auf 8,2 Prozent. Unter dem Strich stand ein Konzerngewinn von 53,6 Millionen Euro — nach gerade einmal 7,9 Millionen im Vorjahr.

Der Kurs hat davon bislang nicht nachhaltig profitiert. Bei 41,00 Euro notiert die Aktie rund 17 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, der 30-Tage-Verlust liegt bei über 14 Prozent. Die Konsolidierung steht im Kontrast zur operativen Dynamik.

Analysten bleiben optimistisch: Berenberg, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Jefferies raten zum Kauf, die Kursziele liegen zwischen 50 und 59 Euro. Ab 2027 plant Nordex zudem eine jährliche Mindestausschüttung von 50 Millionen Euro — wahlweise als Dividende oder Aktienrückkauf.

ABO Wind: Sanierungsgutachten positiv, Zeitfenster eng

Eine ganz andere Realität. Die ABO-Wind-Aktie hat seit Jahresbeginn über 51 Prozent verloren und notiert bei rund 5,91 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt bei mageren 55 Millionen Euro. Der Kurs bewegt sich seitwärts — Ausdruck einer Pattsituation: Der Markt wartet auf den Ausgang der Sanierungsverhandlungen.

Ein externes Gutachten bescheinigt dem Wiesbadener Projektentwickler die grundsätzliche Sanierungsfähigkeit. An diese Einschätzung sind allerdings Bedingungen geknüpft, und die Uhr tickt. Die Stillhaltevereinbarung mit den Kreditgebern läuft bis Ende Juli 2026. Bis dahin muss ein langfristiges Finanzierungspaket stehen. Ein positives Konzernergebnis erwartet das Unternehmen 2026 nicht mehr — die Rückkehr in die EBITDA-Gewinnzone soll erst 2027 gelingen.

Trotz des Sanierungsdrucks liefert ABO Wind operative Lebenszeichen:

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  • Geprüfter Jahresabschluss am 22. Juni als nächster Meilenstein
  • Hauptversammlung terminiert auf den 13. August 2026

Die Geschäftsführung wertet die Ausschreibungsteilnahme als Beleg zurückgewonnener Handlungsfähigkeit. Der harte Prüfstein bleibt die Finanzierung bis Monatsende Juli. Scheitert sie, droht weiterer Abgabedruck.

Verbio: Biomethan-Rekord trifft auf Ölpreis-Nervosität

Der Biokraftstoffhersteller tastet sich an die 40-Euro-Marke heran. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 67 Prozent, über zwölf Monate sogar von fast 290 Prozent — eine Vervielfachung vom Tief bei 9,12 Euro im vergangenen Juni.

Operativ stützen die Neunmonatszahlen den Aufwärtstrend. Das EBITDA schnellte auf 105,7 Millionen Euro — nach lediglich 22,4 Millionen im Vorjahreszeitraum. Treiber war ein neues Rekordniveau in der Biogasproduktion: Die Biomethan-Produktion erreichte 1.040 GWh in den ersten neun Monaten. Parallel stabilisierten sich die Margen im Bioethanol-Segment.

Kaum eine Aktie im Sektor reagiert so heftig auf geopolitische Schwankungen. Steigt der Ölpreis, zieht Verbio mit. Entspannt sich die Lage im Nahen Osten, drückt es den Kurs sofort. Die annualisierte Volatilität liegt bei über 84 Prozent — mit Abstand der höchste Wert in diesem Quintett. Heute gab die Aktie um 3,5 Prozent auf 37,24 Euro nach.

Bei den Analysten herrscht ein gemischtes Bild. Jefferies hob das Kursziel zuletzt auf 36 Euro an, behielt aber die Einstufung „Hold“ bei. Bernstein Research nahm die Aktie mit einem Kursziel von 40 Euro auf. Gelingt der nachhaltige Sprung über diese Marke und bleiben die THG-Preise stabil, könnte ein erneuter Anlauf Richtung Jahreshoch folgen.

RWE: Technisches Warnsignal trotz starker Fundamentaldaten

RWE präsentiert sich operativ stark, charttechnisch aber angeschlagen. Am gestrigen Dienstag löste die Aktie das Signal „GD 50 nach unten gekreuzt“ aus — ein Warnsignal, das kurzfristig orientierten Anlegern Vorsicht signalisiert. Heute fiel der Kurs um 3 Prozent auf 55,44 Euro. Auf 30-Tage-Sicht beträgt das Minus knapp 9 Prozent.

Die Quartalszahlen erzählen eine andere Geschichte. Das bereinigte Nettoergebnis je Aktie stieg um 25 Prozent auf 0,85 Euro. Verbesserte Windverhältnisse in Europa und neue Wind- und Solarparks trugen maßgeblich bei. Seit Frühjahr 2025 hat der Konzern seine Kapazität um 2,3 Gigawatt erweitert, aktuell befinden sich Anlagen mit 10,4 Gigawatt im Bau.

Für die Aktionäre setzt RWE auf ein doppeltes Rückgabepaket: eine geplante Dividende von 1,32 Euro je Aktie für 2026 sowie ein laufendes Aktienrückkaufprogramm, über das bis Mitte Mai bereits mehr als 8,5 Millionen eigene Aktien erworben wurden.

Von 19 Analysten empfehlen 79 Prozent den Kauf. Die Investmentbank RBC sieht das Kursziel bei 62,50 Euro. Bei einem KGV von 10,52 ist die Aktie im Vergleich zu Siemens Energy deutlich günstiger bewertet. Eine Bewertungswarnung am 21. Mai drückte den Kurs allerdings ins Minus — die Frage nach dem fairen Preis bleibt im Raum.

Drei Geschwindigkeiten, ein Sektor

Die fünf Titel zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich die Erneuerbare-Energien-Branche im Mai 2026 aufgestellt ist:

  • Premium-Bewertung: Siemens Energy und Nordex liefern operative Rekorde, werden aber mit hohen Erwartungen gehandelt
  • Value mit Substanz: RWE kombiniert einstelliges KGV mit milliardenschwerem Ausbau — die Bewertungsschere zu Siemens Energy könnte sich als Chance erweisen
  • Turnaround-Spekulation: Verbio hat den operativen Schwenk geschafft, bleibt aber extrem ölpreissensitiv. ABO Wind steht vor der existenziellen Finanzierungsfrage

Die Bewertungsschere zwischen Gewinnern und Nachzüglern dürfte sich in den kommenden Monaten weiter öffnen. Für Nordex wird das neue Türkei-Werk zum Lackmustest der Exportstrategie, für ABO Wind entscheidet der Juli über die Zukunft — und für RWE bleibt die Frage, ob der Markt den Strategieschwenk weg vom kapitalintensiven Offshore-Geschäft hin zu schnelleren Renditequellen dauerhaft honoriert.

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Diskussion zu Siemens Energy

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.