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Nokia Aktie: Test am 23. Juli

Nokia muss am 23. Juli starke Halbjahreszahlen vorlegen, um die hohe Bewertung zu rechtfertigen. Ericssons Gewinnwarnung belastet die Stimmung zusätzlich.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kurs seit Jahresbeginn um 84% gestiegen
  • 72% des Jahresgewinns im zweiten Halbjahr erwartet
  • Ericsson-Warnung belastet Nokia-Aktie
  • KI-Umsätze wachsen um 49 Prozent

Nach einer Kursrally, die die Aktie binnen zwölf Monaten fast verdreifacht hat, muss der finnische Netzwerkausrüster am 23. Juli beweisen, dass die Bewertung gerechtfertigt ist. Der Druck kommt nicht nur von den eigenen Zahlen, sondern auch vom schwedischen Rivalen Ericsson, der zuletzt mit einer Gewinnwarnung für Unruhe sorgte.

Kursbild bleibt angeschlagen

Die Nokia-Aktie schloss am Dienstag bei 10,27 Euro und büßte damit binnen sieben Tagen 1,72 Prozent ein. Auf Monatssicht steht ein Minus von 19,36 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch mit 84,36 Prozent im Plus. Auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Zuwachs sogar auf 148,67 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, trennen die Aktie derzeit 31,43 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 3,45 Euro aus dem August 2025 beträgt der Abstand dagegen 197,62 Prozent. Der Titel notiert 14,82 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 12,05 Euro, liegt mit dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,64 Euro aber weiterhin klar im Aufwärtstrend. Der RSI von 39,9 signalisiert keine Überverkauft-Situation, die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 72,35 Prozent unterstreicht die Nervosität rund um den Wert. Die Marktkapitalisierung liegt bei 60,82 Milliarden Euro.

72,4 Prozent des Jahresgewinns müssen im zweiten Halbjahr kommen

Der eigentliche Knackpunkt liegt in der Gewinnstruktur. Vom für 2026 erwarteten operativen Konsensgewinn von 2,364 Milliarden Euro müssen laut Analystenschätzungen 72,4 Prozent – rund 1,711 Milliarden Euro – im zweiten Halbjahr erwirtschaftet werden. Im ersten Quartal erzielte Nokia einen operativen Gewinn von 281 Millionen Euro, für das zweite Quartal liegt der Konsens bei 372 Millionen Euro. Investoren richten den Blick besonders auf die Bruttomarge, für die eine Konsensschätzung von 44,5 Prozent im Raum steht, sowie auf das Jahresziel von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro operativem Gewinn.

Zusätzlichen Druck erzeugte Ericsson: Die Aktie des schwedischen Konkurrenten brach um rund 11,1 Prozent ein, nachdem das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 6 Prozent im zweiten Quartal auf 5,4 Milliarden US-Dollar sowie steigende Komponentenkosten durch den KI-Boom gemeldet hatte. Es war der letzte Quartalsbericht unter CEO Börje Ekholm, der die Führung im Oktober an Per Narvinger übergibt. Die Warnung vor anhaltender Kostenbelastung bis ins Jahr 2027 hinein nährt Sorgen, dass auch Nokia von steigenden Bauteilpreisen betroffen sein könnte.

Wachstumsimpulse aus KI und neuen Aufträgen

Auf der Habenseite stehen frische Wachstumssignale. Die KI- und Cloud-Umsätze legten im ersten Quartal um 49 Prozent zu und machten rund 8 Prozent des Konzernumsatzes aus, unterlegt von neuen Aufträgen im Volumen von etwa einer Milliarde Euro. Die Sparte Optical Networks wuchs um 20 Prozent, und das Management hob das Wachstumsziel für den Bereich Network Infrastructure auf 12 bis 14 Prozent an. Am 14. Juli vermeldete Nokia zudem eine erweiterte 5G-Partnerschaft mit Taiwan Mobile: Das Unternehmen liefert die AirScale-Basisstationstechnik samt KI-gestützter Software, darunter MantaRay SON, Predictive Hardware Analytics sowie Funktionen für Network Slicing und RedCap. Finanzielle Details der Vereinbarung wurden nicht genannt.

Bei den Analysten fällt das Bild uneinheitlich aus. Seeking Alpha stuft die Aktie nach dem Kursanstieg von 140 Prozent binnen eines Jahres bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29 auf Basis der Schätzungen für 2026 nur noch mit „Hold“ ein und sieht das kommende Quartal als Prüfstein für das Wachstum im Bereich IP Networks. JPMorgan hatte Nokia dagegen Mitte Juni mit „Overweight“ und einem Kursziel von 21 US-Dollar versehen. Am 23. Juli wird sich zeigen, welche Einschätzung näher an der Realität liegt.

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Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.