Nokia-Aktionäre erleben gerade eine Achterbahnfahrt. Der Kurs fiel am Mittwoch um 1,44 Prozent auf 9,28 Euro. Damit steht der finnische Telekomkonzern kurz vor einem entscheidenden Termin: Am Donnerstag, den 23. Juli, meldet Nokia gegen 8:00 Uhr die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026.
Vom Rekordhoch in die Korrektur
Der aktuelle Kurs markiert einen deutlichen Rückschlag gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das die Aktie erst am 3. Juni erreichte. Binnen 30 Tagen verlor das Papier fast 27 Prozent an Wert. Trotzdem bleibt die Jahresbilanz beeindruckend: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 66 Prozent zu Buche.
Diese Berg- und Talfahrt hat einen klaren Auslöser. Im Oktober 2025 stieg Nvidia mit einer Investition von einer Milliarde Dollar bei Nokia ein und hält seitdem rund 2,9 Prozent der Anteile. Das Ziel der Partnerschaft: die gemeinsame Entwicklung von „AI-RAN“ — künstlicher Intelligenz für Funkzugangsnetze. Diese Allianz treibt Nokias Wandel vom klassischen Hardware-Anbieter zum Infrastruktur-Lieferanten für KI-Netzwerke voran.
Was der Markt von den Zahlen erwartet
Die zentrale Frage vor dem Bericht: Kann das margenstarke Software- und KI-Geschäft die anhaltende Schwäche im klassischen Telekom-Ausrüstungsgeschäft ausgleichen? Analysten rechnen für das zweite Quartal mit einem Gewinn je Aktie zwischen 0,051 und 0,058 Euro. Beim Umsatz liegt der Konsens bei etwa 4,83 Milliarden Euro.
Besonders im Blick steht das Momentum aus dem ersten Quartal. Damals wuchs der Nettoumsatz im Bereich AI & Cloud um 49 Prozent. Die Sparte Optical Networks legte um 20 Prozent zu. Ob sich dieses Tempo im zweiten Quartal fortsetzt, wird die Reaktion der Aktie maßgeblich bestimmen.
Neue Aufträge stützen die zweite Jahreshälfte
Parallel zum Zahlenbericht hat Nokia sein internationales Geschäft ausgebaut. Der Konzern verlängerte einen mehrjährigen Vertrag mit MEO, der portugiesischen Tochter von Altice, zur Modernisierung der 5G-Infrastruktur. Nokia verdrängt dabei etablierte Wettbewerber beim Kunden. Hinzu kommen neue 5G-Ausbauverträge in Indien und Taiwan, die laut Analysteneinschätzung einen Auftragsbestand für die zweite Jahreshälfte sichern.
Technisch betrachtet notiert die Aktie mit einem RSI von 37,0 nahe der Überverkauft-Schwelle von 30. Das deutet auf erschöpften Verkaufsdruck hin, auch wenn die Aktie noch 38 Prozent unter ihrem Junihoch liegt. Ein Blick auf den 50-Tage-Durchschnitt von 11,80 Euro zeigt das Ausmaß der jüngsten Korrektur.
Der Quartalsbericht am Donnerstagmorgen und der anschließende Analysten-Call um 15:00 Uhr werden zeigen, ob Nokia den Abwärtstrend stoppen kann. Entscheidend wird dabei sein, ob das Wachstum im AI-Geschäft die Erwartungen erneut übertrifft oder ob die Schwäche im traditionellen Geschäft überwiegt.
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