Nokia-Aktien legen am Freitag um 5,28 Prozent zu und schließen bei 11,16 Euro. Der Auslöser: ein neuer Großauftrag von Orange Belgium sowie eine Reihe von Software-Partnerschaften, die Nokias Umbau zum Anbieter für KI- und Cloud-native Netzwerke unterstreichen.
Orange Belgium setzt auf Nokia
Am 2. Juli 2026 gab Nokia bekannt, alleiniger Lieferant für die Modernisierung des Transportnetzes von Orange Belgium zu werden. Das Projekt läuft über mehrere Jahre. Ziel ist ein einheitliches optisches Transportnetz, das feste und mobile Verbindungen zusammenführt.
Nokia setzt dabei auf die Plattform 1830 Photonic Service Switch sowie die KI-gestützte Automatisierungssoftware WaveSuite. Die neue Infrastruktur soll steigende Anforderungen durch 5G, KI-Rechenzentren und quantensichere Verschlüsselung abdecken. Sie verarbeitet Datenraten von 1G bis über 400G und soll den Betrieb für den belgischen Netzbetreiber vereinfachen.
SAP, Microsoft und Google als Partner
Ende Juni baute Nokia seine Position im Bereich Unternehmens-KI weiter aus. Am 30. Juni 2026 schloss der Konzern eine mehrjährige Vereinbarung mit SAP und Microsoft. Über die Methode „RISE with SAP“ auf der Cloud-Plattform Microsoft Azure will Nokia KI-Funktionen direkt in seine eigenen Kernprozesse integrieren.
Bereits am 22. Juni 2026 erweiterte Nokia die Zusammenarbeit mit Google Cloud. Die KI-Modelle von Gemini fließen künftig in die Produktreihe „Autonomous Network“ ein. Spezialisierte KI-Agenten sollen Netzwerkstörungen automatisch erkennen und beheben — das soll die Komplexität für Telekom-Betreiber spürbar senken.
Analysten erhöhen Kursziele
Die Investmentbank Jefferies hob ihr Kursziel für Nokia am 30. Juni 2026 von 10,70 Euro auf 13,80 Euro an. Begründet wird das mit wachsendem Interesse großer Cloud-Anbieter am optischen Produktportfolio. Bank of America war bereits am 3. Juni 2026 vorangegangen und hatte ihr Kursziel auf 14,40 Euro angehoben — gestützt auf die Dynamik im Rechenzentrums- und Glasfasergeschäft.
Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 stützen diesen Optimismus. Nokia meldete Bestellungen von KI- und Cloud-Kunden im Wert von einer Milliarde Euro. Der Nettoumsatz im Segment KI und Cloud wuchs im Jahresvergleich um 49 Prozent und macht mittlerweile 8 Prozent des Konzernumsatzes aus.
Um dieses Wachstum zu stützen, investiert Nokia weiter in die USA. Am 16. Juni 2026 kündigte der Konzern eine Erweiterung seiner Halbleiter-Testanlage in Pennsylvania im Umfang von 30 Millionen Dollar an. Das ist Teil eines größeren Investitionsplans über 4 Milliarden Dollar für Forschung und Fertigung KI-fähiger Netzwerktechnik in den USA.
Kurs zwischen Rücksetzer und Rekordjahr
Trotz des starken Freitags bleibt die Aktie auf Wochensicht mit 2,45 Prozent im Minus. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang sogar auf 22,37 Prozent. Seit dem Rekordhoch von 14,97 Euro am 3. Juni 2026 hat das Papier rund ein Viertel seines Wertes eingebüßt.
Der langfristige Trend bleibt davon unberührt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 100,43 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 155,67 Prozent. Vom 52-Wochen-Tief bei 3,49 Euro im August 2025 hat sich der Kurs mehr als verdreifacht.
Aktuell notiert die Aktie unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 12,01 Euro, liegt aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,52 Euro. Der 14-Tage-RSI von 43,6 signalisiert eine neutrale Marktlage — weder überkauft noch überverkauft.
Die nächste Bewährungsprobe folgt am 23. Juli 2026. Dann legt Nokia seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Investoren dürften vor allem darauf achten, ob sich das Tempo bei den KI- und Cloud-Aufträgen aus dem ersten Quartal fortsetzt.
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